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Artikelgliederung
Landwirtschaft, Pflanzenanbau und Viehhaltung, insbesondere für Zwecke der menschlichen Ernährung und Versorgung. Wichtige Bereiche der modernen Landwirtschaft sind die Bodenbewirtschaftung einschließlich des Einsatzes von Düngern und Pestiziden und der Bewässerung sowie das Mästen von Vieh bzw. die Haltung von Milchvieh und Geflügel.
Wichtige Nahrungsquellen aus landwirtschaftlicher Produktion sind: Getreide wie Weizen, Reis, Mais, Gerste, Mohrenhirse und Roggen sowie Zuckerrohr und Zuckerrübe; das Fleisch von Säugetieren wie Schafen, Rindern, Ziegen und Schweinen sowie die Milch von vor allem Milchvieh, Schafen und Ziegen; Geflügel wie Hühner, Enten und Truthühner sowie deren Eier; außerdem Gemüse, Früchte, Öle und Nüsse. Als Tierfutter werden vor allem Sojabohnen, Mais und Mohrenhirse produziert. Nicht alle landwirtschaftlichen Produkte sind Nahrungsmittel: Auch Kautschuk, Fasern, Tabak und Ölsaaten für synthetische chemische Komponenten zählen zu den landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Welche Pflanzen landwirtschaftlich angebaut werden können, hängt in erster Linie von Klima, Wasserversorgung und Bodenbeschaffenheit ab. Von der eisfreien Festlandfläche der Erde werden 35 bis 40 Prozent mehr oder weniger intensiv landwirtschaftlich genutzt. Der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft nimmt kontinuierlich ab; 2006 wurden weltweit 36 Prozent aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft eingesetzt. Der Anteil schwankt stark zwischen den Regionen der Erde: In Afrika südlich der Sahara umfasste er 2006 durchschnittlich 66 Prozent der in der Wirtschaft Tätigen, während er in den Industrieländern nur 4 Prozent ausmachte. Auch die mittlere Größe der landwirtschaftlichen Betriebe unterscheidet sich stark von Region zu Region: Für kanadische Farmen beträgt sie beispielsweise etwa 270 Hektar, auf den Philippinen etwa zwei Hektar und in Bangladesch einen halben Hektar. In Deutschland gab es 2003 rund 472 000 Betriebe mit einer Größe von durchschnittlich 36 Hektar. Die Größe eines Betriebs hängt oft von seiner Struktur ab. Die Latifundien Lateinamerikas sind große Privatgüter, die mit Tagelöhnern arbeiten; vor allem Tee, Kaffee und Kakao werden dabei meist in Monokulturplantagen produziert. Weizenfarmen arbeiten am ökonomischsten, wenn sie einige Tausend Hektar groß sind. Australische Schaffarmen benötigen riesige Weideflächen. Landwirtschaftliche Kolchosen in China und auch die Kooperativen in Peru sind weitere Beispiele für Formen der Landwirtschaft, die große Flächen benötigen. Die Zahl der Kleinbetriebe ist in den entwickelten Ländern stark zurückgegangen, in den Entwicklungsländern Afrikas und Asiens, wo zu großen Teilen Subsistenzwirtschaft betrieben wird, jedoch weiterhin sehr hoch. Große Flächen südlich der Sahara sowie in Afghanistan und Lappland werden von Nomadenstämmen mit ihren Herden durchstreift. In der Mongolei bildet das Nomadentum einen wichtigen Teil der Landwirtschaft. Ein großer Teil der Devisen eines Landes wird oft durch ein einziges landwirtschaftliches Exportgut erwirtschaftet. Sri Lanka beispielsweise ist auf den Export von Tee spezialisiert, Dänemark auf Milchprodukte, Australien auf Wolle sowie Neuseeland und Argentinien auf Fleischprodukte. Eine große Gefahr für die betreffende Volkswirtschaft liegt jedoch in einer einseitigen Abhängigkeit von den Weltmarktpreisen für ein solches Produkt. Abgesehen davon verhindert in manchen Fällen eine unzureichende technische Ausstattung, dass das Produkt in der erforderlichen Menge und Qualität bereitgestellt werden kann. Auf der anderen Seite stehen außerordentlich gut entwickelte Länder wie die USA, Kanada und einige europäische Länder, die aus ihren Überproduktionen alles das exportieren können, was von der eigenen Bevölkerung nicht benötigt wird. Landwirtschaft ist für einen Staat nicht nur hinsichtlich der Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln von Bedeutung, sondern auch – über Devisen – für den Einkauf von Rohstoffen für die Industrie. Daher ist Landwirtschaft ein wichtiger Faktor der internationalen Politik vieler Länder. Import und Export von landwirtschaftlichen Produkten sind Gegenstand internationaler Vereinbarungen wie des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (General Agreement on Tariffs and Trade, GATT) bzw. der Welthandelsorganisation, und die Schaffung und Gewährleistung eines gemeinsamen Agrarmarktes in den Ländern der Europäischen Union (EU) ist eine der Hauptaufgaben der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Die Agrarmesse Internationale Grüne Woche in Berlin ist die weltgrößte Messe der Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft.
Die moderne Landwirtschaft kann seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf bemerkenswerte Erfolge verweisen: Verheerende Hungersnöte, bei denen früher in den Ländern der Dritten Welt die Menschen zu Hunderttausenden starben, sind heute dank der „Grünen Revolution” seltener geworden; vor allem in den westlichen Industrieländern wird zum Teil weit über den eigenen Bedarf hinaus produziert. Allgemein versorgen immer weniger Landwirte immer mehr Verbraucher mit preiswerten Lebensmitteln. 1980 ernährte ein deutscher Landwirt 47 Bundesbürger, zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren es rund drei Mal so viele Bürger. Die Weltbevölkerung wächst schneller als die Nahrungsmittelproduktion – im Vergleich zur gesamten Getreideernte, dem wichtigsten Maßstab der Ernährungslage, beispielsweise etwa dreimal schneller. Längst sind die Weltgetreidevorräte unter die Sicherheitsschwelle gesunken; viele der ärmsten Länder sind auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen, weil die Erzeugung im eigenen Land stagniert oder sogar zurückgeht. Die Ursachen liegen zum Teil darin, dass die Erschließung neuer Agrarflächen vielerorts an ihre natürlichen Grenzen stößt und die einstmals erzielten Ertragssteigerungen, etwa durch Züchtung neuer Hochleistungssorten oder den verstärkten Einsatz von synthetischen Düngemitteln, heute nicht mehr erreicht werden. Noch wichtiger ist allerdings, dass der Landwirtschaft weltweit jährlich fünf bis sieben Millionen Hektar Acker- und Dauergrünland, ein Gebiet fast so groß wie Bayern, als Produktionsfläche verloren gehen. Das Land wird mit Verkehrswegen und Siedlungen überbaut, verliert seinen Wert jedoch vor allem dadurch, dass der fruchtbare Boden wegen Fehlern und Versäumnissen bei der agrarischen Nutzung rasch degradiert und immer schneller erodiert wird. Die durch die Landwirtschaft verursachten Umweltschäden betreffen zudem nicht nur den Boden unter den Agrarflächen, sondern reichen über zum Teil sehr verwickelte Kausalketten bis in alle Sphären des Planeten Erde: die Hydrosphäre, die Atmosphäre und nicht zuletzt die gesamte Biosphäre. Als Ansatz zur Lösung der Frage, wie die Ernährung und Versorgung der Menschheit nachhaltig gesichert werden kann, haben vor allem in den letzten Jahren die Prinzipien einer ökologischen Landwirtschaft fast weltweit an Anerkennung gewonnen. Ziel dieser Methode, die auch als ökologischer oder biologischer Landbau bezeichnet wird, ist es, landwirtschaftliche Nutztiere und Nutzpflanzen so in ein Agrarökosystem einzubinden, dass die ökologische Rolle der betreffenden Arten und die Selbstregulierungsfähigkeit des Ökosystems stärker berücksichtigt werden. Auf diese Weise wird meist nicht nur eine gesteigerte Resistenz gegen Schädlinge – mit der Konsequenz stabilerer Ernteerträge – erreicht. Zugleich bleibt die genetische Vielfalt erhalten, und die Umwelt wird deutlich geringer belastet. Der biologische Landbau gleicht in dieser Hinsicht manchen traditionellen Agrarökosystemen vor allem in der Dritten Welt, in denen Kulturpflanzen und Nutzvieh mit wild lebenden Arten gemischt sind.
Im Lauf der mehr als 10 000 Jahre, in denen es Landwirtschaft gibt (siehe Ursprünge der Landwirtschaft), begannen Menschen fast überall, Pflanzen und Tiere zu züchten. Die Geschichte der Landwirtschaft lässt sich grob in vier Zeitabschnitte unterschiedlicher Dauer einteilen: (1) prähistorisches Zeitalter, (2) historisches Zeitalter bis einschließlich der Römerzeit, (3) feudales Zeitalter und (4) Neuzeit.
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