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Großbären

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GroßbärenGroßbären
Artikelgliederung
1

Einleitung

Großbären, Familie der Raubtiere mit acht Arten, darunter die größten Landraubtiere der Erde.

Von anderen Raubtieren unterscheiden sich Großbären durch ihren kräftig gebauten Körper, kurzen Schwanz, breiten Kopf mit langer Schnauze sowie ihre kurzen, abgerundeten Ohren. Großbären sind Sohlengänger, d. h., sie treten mit der ganzen Sohle auf. Ihre gebogenen Krallen an den fünf etwa gleich langen Zehen sind nicht einziehbar. Großbären haben keine Reißzähne, die bei den meisten Raubtieren stark entwickelt sind; die flachkronigen Backenzähne der Großbären stellen eine Anpassung an gemischte Nahrung dar. Obwohl Großbären überwiegend Allesfresser sind, haben sich manche Arten weitgehend zu Pflanzenfressern entwickelt. Die Nahrung der einzelnen Arten ist sehr verschieden. Der Eisbär lebt überwiegend von Robben, wohingegen Grizzlys sich vor allem von Pflanzen und Aas ernähren. Zudem haben manche Großbären neue, vom Menschen erzeugte Nahrungsquellen erschlossen. So suchen z. B. Schwarzbären in amerikanischen Nationalparks die Nähe des Menschen, um sich von Abfällen der Besucher zu ernähren.

2

Arten und Lebensräume

Großbären leben in einer Vielzahl verschiedenartiger Lebensräume von den Tropen bis zur Arktis, jedoch bewohnen die meisten Arten Bergregionen und große Waldgebiete. Großbären kommen auf allen Kontinenten außer Afrika, der Antarktis und Australien vor.

Braunbären waren früher in Ebenen und Wäldern der gemäßigten Klimazone von Nordafrika über ganz Eurasien bis Nordamerika verbreitet. Heute leben nur noch Restbestände in Europa, und in Nordamerika ist ihr Verbreitungsgebiet vorwiegend auf Alaska und den Westen Kanadas beschränkt. Braunbären fressen Pflanzen, Honig, Insekten, Fische, Bodenbrüter, Säugetiere und Aas. Der nordamerikanische Kodiakbär ist die größte Unterart des Braunbären und neben dem Eisbären das größte Landraubtier. Er kann ein Gewicht von 780 Kilogramm und eine Kopfrumpflänge von 2,8 Metern erreichen. Seine Nahrung besteht vorwiegend aus Gräsern, Kräutern, Beeren und Wurzeln, zudem erbeutet er Säugetiere und im Frühjahr auch Lachse. Der Grizzly, eine weitere Rasse des Braunbären, wurde während der Pionierzeit beinahe ausgerottet und lebt heute nur noch in Alaska und Kanada in größeren Beständen. Restbestände des Europäischen Braunbären sind u. a. in den Wäldern Skandinaviens, in den Pyrenäen, Abruzzen sowie in Nord- und Westrussland anzutreffen; in Österreich gibt es etwa zwei Dutzend Braunbären. Der weltweite Gesamtbestand des Braunbären wird auf mehr als 200 000 Tiere geschätzt. Die Art insgesamt ist nach Einschätzung der World Conservation Union (IUCN) nicht gefährdet (Kategorie Least Concern), wohl aber einzelne Populationen.

Die arktischen Küstenregionen nördlich des Polarkreises sowie das anschließende Treibeis bilden den Lebensraum des Eisbären, der eine Kopfrumpflänge von etwa drei Metern und ein Gewicht von 800 Kilogramm erreichen kann. Er jagt an eisfreien Wasserflächen und führt oft ausgedehnte Wanderungen mit dem Treibeis durch. Seine Fußsohlen sind behaart, so dass er auf dem glatten Eis Halt findet. Zudem besitzt er Schwimmhäute und kann sich auch einige Minuten tauchend unter Wasser aufhalten. Neben seiner Hauptnahrung, den Robben, frisst er gestrandete Wale, Walrosse und Aas. Der weltweite Eisbärenbestand wird auf 20 000 bis 25 000 Tiere geschätzt. Die IUCN bewertet den Eisbären als gefährdet (Kategorie Vulnerable).

Der variabel gefärbte Nordamerikanische Schwarzbär oder Baribal ist mit mehreren Unterarten von Kanada bis zum mittleren Mexiko verbreitet. Neben der überwiegend schwarzen Fellfarbe gibt es blaue und blonde Formen; der silbergraue Silberbär besiedelt die Küste von British Columbia, der rötlich braune Zimtbär bewohnt das nördliche Felsengebirge. Der Schwarzbär ernährt sich von Kräutern, Früchten, Samen, Insekten, Honig, gelegentlich von Wirbeltieren und von Aas. Er ist der häufigste Großbär und nicht gefährdet, sein Bestand in Kanada und den USA wird auf insgesamt 850 000 bis 950 000 Tiere geschätzt.

Der Kragenbär lebt in Gebirgsgegenden Südostasiens. Sein raues Fell ist schwarz, an der Brust weist er eine ausgeprägte Y-förmige weiße Zeichnung auf. Die Nahrung des Kragenbären gleicht der des Schwarzbären. Obwohl es keine zuverlässigen Bestandsschätzungen gibt, besteht kein Zweifel daran, dass sein Bestand rückläufig ist; der Kragenbär ist als gefährdet eingestuft.

Der Malaienbär, der zwischen Südchina und Indochina verbreitet ist, hat ein kurzes braunschwarzes Fell mit einer hufeisenförmigen weißen oder gelben Brustzeichnung. Er ist ein geschickter Baumkletterer und vorwiegend nachtaktiv. Er frisst Früchte, Insekten, Eier und Wirbeltiere. Der Malaienbär ist selten, die Gesamtzahl der Tiere ist jedoch unbekannt; die Art gilt als gefährdet.

In den tropischen Wäldern Indiens und Sri Lankas ist der Lippenbär beheimatet. Er hat eine rüsselförmig verlängerte Schnauze und eine lange Unterlippe, die der Aufnahme von Termiten und anderen Insekten dient. Außerdem ernährt er sich von Pflanzen, Honig und Aas. Sein langes, schwarzes Fell weist eine weiße Brustzeichnung auf. Grobe Schätzungen des Gesamtbestands gehen von etwa 10 000 bis 20 000 Tieren aus. Der Lippenbär gilt als gefährdet.

Der Brillenbär lebt in bewaldeten Regionen der südamerikanischen Anden von Venezuela bis Bolivien und Chile. Er trägt seinen Namen nach seiner gelben Augenumrandung. Das Fell ist schwarz, Schnauze, Kehle und Brust sind in der Regel cremefarben. Der Brillenbär klettert auf Bäume und ernährt sich vorwiegend von Früchten und Kleintieren. Sein Bestand wird auf gut 20 000 Tiere geschätzt; er ist gefährdet.

Auch der schwarzweiß gemusterte Große Panda oder Bambusbär wird heute zur Familie der Großbären gezählt. Er bewohnt ein kleines, stark zersplittertes Areal in den Bambuswäldern Zentralchinas; Bambus ist seine Hauptnahrung. Der Bestand des Großen Pandas wird auf 1 600 Tiere geschätzt; er ist stark gefährdet (IUCN-Kategorie Endangered).

Der bekannteste ausgestorbene Bär ist der Höhlenbär, dessen Skelettreste in Mitteleuropa gefunden wurden. Dieser Bär war das größte Raubtier der Eiszeit und etwa um ein Drittel größer als der Braunbär. Höhlen, in denen zahlreiche Knochen gefunden wurden, dienten ihm als Quartier.

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Verhalten und Lebenszyklus

Kalte Winterperioden überdauern Großbären zumeist in einer Fels- oder Erdhöhle. Während dieser Zeit, die im Norden etwa drei bis fünf Monate dauert, nehmen Großbären in der Regel keine Nahrung zu sich. Durch körperliche Ruhe und das Herabsetzen physiologischer Funktionen sparen sie Energie. Während man früher annahm, Großbären hielten lediglich Winterruhe, wird das Überwintern heute eher als Winterschlaf eingestuft: Die Körpertemperatur sinkt während der Ruhephase geringfügig, die Herzfrequenz kann von 45 auf nur zehn Herzschläge pro Minute sinken. In warmen Perioden können Bären ihren Winterschlaf unterbrechen und ihre Höhle zur Nahrungsaufnahme verlassen.

Eine Bärin bringt nach einer Tragzeit von zumeist sechs bis neun Monaten ein bis vier Junge zur Welt. Bei der Geburt sind die Jungen sehr klein (Schwarzbären wiegen beispielsweise etwa 300 Gramm). Sie werden etwa eineinhalb Jahre gesäugt. Einjährige Großbären können zwar schon selbständig Nahrung suchen, müssen aber noch von der Mutter geschützt werden.

Die relativ langsame Entwicklung der Bärenjungen und die lange Mutterbindung ermöglichen es ihnen, das Verhalten der Mutter genau zu beobachten und zu imitieren. Dies spielt vor allem für die eigenständige Nahrungssuche eine große Rolle. So muss ein junger Bär z. B. lernen, in welcher Jahreszeit und an welchen Orten die nahrhaftesten Pflanzen oder ergiebige Vorkommen von Lachsen zu finden sind. Frei lebende Großbären können je nach Art ein Lebensalter von 15 bis 25 Jahren erreichen; Braunbären werden in Gefangenschaft etwa 50 Jahre alt.

Großbären führen zum Teil sehr weite Wanderungen durch, um das jahreszeitlich wechselnde Nahrungsangebot ihres Lebensraumes nutzen zu können. Sie können Laufgeschwindigkeiten von etwa 50 Kilometern pro Stunde erreichen. Großbären markieren ihre Reviere mit Duftmarken oder indem sie Bäume mit den Krallen oder Zähnen bearbeiten. Die Markierungen dienen dazu, Eindringlinge desselben Geschlechts abzuschrecken oder Sexualpartner anzulocken.

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Gefährdung

Großbären sind vor allem durch Lebensraumzerstörung und direkte Verfolgung bedroht; zur Gefährdung mancher Arten trägt insbesondere auch die Nutzung ihrer Körperteile durch die Traditionelle Chinesische Medizin bei. Die Lebensraumzerstörung ist zumeist Folge der zunehmenden Zersiedlung der Landschaft und der Ausdehnung landwirtschaftlicher Nutzflächen. Der Schutz großer Landraubtiere ist schwierig, da ihr Fortbestand sehr große, zusammenhängende, weitgehend unberührte Gebiete erfordert.

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