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Windows Live® Suchergebnisse Ernst BarlachEnzyklopädieartikel
Ernst Barlach (1870-1938), deutscher Bildhauer, Graphiker und Dichter. Er gilt als Vertreter des deutschen Expressionismus, mit seinem Werk beschritt er jedoch eigene Wege, die ihm eine Sonderstellung in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts verleihen. Barlach wurde am 2. Januar 1870 in Wedel (Holstein) geboren. Er besuchte zunächst die Kunstgewerbeschule in Hamburg und ließ sich dann an der Kunstakademie in Dresden und schließlich an der Académie Julian in Paris ausbilden. In seinem Frühwerk wie der Zeichnung Der Abendstern (1897) oder dem als Figur geformten Gefäß Der Nöck (1903/04) orientierte er sich künstlerisch am Jugendstil. Eine Reise nach Russland, zu der er 1906 aufbrach, gab seinem Werk jedoch entscheidende neue Impulse. Dort lernte er die russische Volkskunst kennen und wurde besonders durch die Holzschnitzerei beeinflusst. Er bewunderte die russische Landschaft und die russischen Menschen, in denen er eine ungebrochene Einheit von Wesen und Gestalt sah. Während seiner Reise durch das südliche Russland entstanden zahlreiche Skizzen, die Grundlage für sein künftiges plastisches Werk werden sollten. Die russischen Bettler und Bauern, denen Barlach begegnete, beeindruckten ihn durch ihre Mimik und Gestik ebenso wie in ihrer äußeren erdverbundenen, von Wind und Wetter geprägten Erscheinung. In seinem bildhauerischen Hauptwerk nahm er später diese Figuren in stilisierter Form wieder auf und nutzte sie als Ausdrucksmittel innerer Gefühle, Ängste, Sorgen, Hoffnungen und Träume. Barlach ließ sich 1910 in Güstrow nieder, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete. 1913 wurde er Mitglied der Berliner Sezession, die sich als Protestbewegung gegen die akademische Malerei verstand, 1919 folgte die Aufnahme in die Preußische Akademie der Künste. Neben seiner bildnerischen Arbeit war der vielseitige Künstler auch schriftstellerisch produktiv – ab 1912 veröffentlichte er Dramen und Prosa – und genoss nach künstlerisch und materiell schwierigen Anfangsjahren nun wachsende Anerkennung als Schriftsteller und bildender Künstler. 1924 wurde er mit dem renommierten Kleist-Preis für sein dramatisches Werk und seine Prosa ausgezeichnet, 1925 wurde er Ehrenmitglied der Münchner Akademie der Künste. In der zweiten Hälfte der zwanziger und in den frühen dreißiger Jahren erhielt er offizielle Aufträge für Kriegerdenkmale in mehreren deutschen Städten, u. a. entstand das Güstrower Ehrenmal (1927) mit der Figur Der Schwebende, die zu einem seiner bekanntesten Werke wurde. Für die Universitätskirche Kiel schuf er den Geistkämpfer (1928) und für den Magdeburger Dom das Magdeburger Ehrenmal (1929), eine überlebensgroße Holzgruppe. In seiner Auseinandersetzung mit der zeitgemäßen und künstlerischen Gestaltung von Mahnmalen fand er zu einer grundlegenden stilistischen Erneuerung dieser Werke als „Denkzeichen”. Aus völkischen und nationalsozialistischen Kreisen wurde jedoch zunehmend Kritik an den Mahnmalen Barlachs laut, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in der Verfemung seiner Werke als entartete Kunst gipfelte. Ein Teil seiner bildnerischen Arbeiten wurde vernichtet, für seine Dramen galt Aufführungsverbot. Barlach starb am 24. Oktober 1938 in Rostock. Die einfache, monumentale Form und der expressive Ausdruck standen im Mittelpunkt seines künstlerischen Werks, das immer wieder um zwei Hauptthemen kreist: die Auseinandersetzung mit Gott und das nichtaufhebbare Leiden des Einzelnen an der Welt und am Menschsein. Barlach ließ sich nicht nur vom Expressionismus und der russischen Volkskunst, sondern auch von dem russischen Schriftsteller Fjodor M. Dostojewskij und der mittelalterlichen Mystik inspirieren. Aus Holz, seinem bevorzugten bildhauerischen Material, aber auch aus Bronze, Ton und Porzellan schuf er kleine und große Skulpturen, die in wuchtigen, das Naturvorbild vereinfachenden Formen dramatische Gestalten mit großer Ausdruckskraft darstellen. Die Russische Bettlerin (1907); die Sterndeuter I und II (1909), der Berserker (1910), der Einsame (1911), der Rächer (1914) oder der Ekstatiker (1916) sind weit mehr als menschliche Abbilder. In ihrer Ablehnung des Besonderen und des Einzelnen sind sie mit ihrer Dramatik und Kraft vielmehr als personifizierte Seelenzustände zu verstehen. Barlach hinterließ neben seinen bildhauerischen und graphischen Werken auch zwei Romanfragmente, zahlreiche kleine autobiographische Schriften und sieben Dramen, darunter Der arme Vetter (1918), Die Sündflut (1924) und Der Blaue Boll (1926). Seine schwer spielbaren Stücke kreisen in symbolreicher, hermetischer Sprache um Grundfragen des Menschseins, das charakterisiert wird durch die Polarität von sinnlich-animalischer und geistig-spiritueller Existenz. Seine Porträt-Büsten, Holzschnitte und Lithographien illustrieren teilweise auch seine eigenen Bühnenwerke.
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