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Eremit

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Eremit oder Einsiedler; ein Mensch, der sich aus der Gesellschaft zurückzieht, um in der Einsamkeit zu leben. Das Wort Eremit ist vom griechischen eremites („in der Wüste leben”) abgeleitet. Eremiten gibt es in vielen Kulturen; in der Regel leben sie aus religiösen Motiven in der Einsamkeit, um zu beten oder Buße zu tun.

Eremiten oder Vanaprasthas (Sanskrit: Waldbewohner) sind ein altehrwürdiger Bestandteil des Hinduismus. Man setzt das Eremitendasein mit einem der drei Ashramas (Lebensstadien) gleich, die ein frommer Hindu durchlaufen sollte. Der vierte Ashrama, der des Sannyasi (der der Welt entsagt), kam im 6. Jahrhundert hinzu und akzentuierte die einsame Meditation als Weg zur Befreiung bzw. zum Nirwana. Yoga steht in engem Zusammenhang mit den Hindu-Eremiten. Der Gott Shiva, der sich zu einsamer Kontemplation auf den Berg Kailas im Himalaya zurückzog, gilt als der essentiellste Eremit. Die Eremiten in der Nachfolge Shivas zogen sich oft auf ein Gelände zurück, auf dem man Leichname verbrannte, und drückten ihre Abkehr vom weltlichen Leben oft auf extreme Weise aus. Die Praxis moderner indischer Sadhus oder Eremiten umschließt nach wie vor strenge Askese; meistens besitzen sie nur einen Stab, einen Wasserkrug und eine Schüssel für Almosen.

Der Buddhismus, der um das 6. Jahrhundert v. Chr. aus dem Hinduismus entstand, begann als eine Religion bettelnder Sadhus, die zusammen mit den sesshafteren Brüdern die Klostergemeinschaft oder Sangha bildeten. Obwohl Klöster im Buddhismus sehr wichtig sind, ist die Tradition des einsamen Eremiten sowohl im Mahayana-Buddhismus als auch im Theravada-Buddhismus nach wie vor von großer Bedeutung. Die relativ starke Einschränkung durch den von Buddha gepredigten „mittleren Weg” hat die Entstehung extremer eremitischer Askese weitgehend verhindert.

Auch im chinesischen Taoismus gibt es eine Tradition des Eremitentums, wobei die Eremiten sich oft in den Bergen aufhielten. Der philosophische Mystizismus, der die Basis des Taoismus bildete, betonte die Einheit mit den Naturkräften und die Loslösung von weltlichen Sorgen. Später befasste sich der Taoismus jedoch häufig mehr mit dem Erringen der Unsterblichkeit als mit geistiger Offenbarung, zu der man mit strenger Askese und Kontemplation gelangte, die eine innere Alchimie bewirken sollte, die den Körper verändert. Bei den Xian (chinesisch: die Unsterblichen), die in der chinesischen Kunst oft als einsame, halbgöttliche Mystiker dargestellt werden, handelt es sich vermutlich um taoistische Eremiten, die Unsterblichkeit erlangt haben und über große magische Kräfte verfügen.

Die jüdische Tradition des Eremitentums ist charakterisiert durch einzelne Personen wie Johannes den Täufer, der sich in die Wüste zurückzog. Auch Jesus Christus folgte dieser Tradition, als er sich 40 Tage in der Wüste aufhielt. Die christliche Tradition des Eremitentums begann im 3. Jahrhundert in Ägypten. Weil sie von dem römischen Kaiser Decius verfolgt wurden, flohen Christen in die Wüste, um zu beten und um ihren Glauben zu stärken. Der erste christliche Eremit war Paulus von Theben, der um 250 in die Wüste floh. Die Eremiten führten ein karges Leben, manche lebten in Höhlen. Vom heiligen Simeon hieß es, er habe über 35 Jahre auf einer Säule gelebt. Seit dem 4. Jahrhundert gab es auch in Westeuropa Eremiten. Sie schlossen sich nach und nach zu Gruppen von Jüngern unter einem bekannten geistigen Anführer zusammen. Auf diese Weise wurde das eremitische Leben durch das weniger strenge Zusammenleben ersetzt, das die Basis der Klöster wurde. In den Klöstern lebten Gruppen von Mönchen gemeinsam nach festen Regeln. In der orthodoxen Kirche gibt es heute noch Eremiten.

Das Eremitentum existiert auch im Islam als eine Variante des Sufismus. Besonders in der Frühzeit des Sufismus gab es neben den Sufi-Brüdern, die in Gemeinschaften lebten, auch Eremiten, die sich von der Gesellschaft zurückzogen, um zu meditieren und um zu Allah zu beten.

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