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Niederlande

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Niederlande (Flagge und Hymne)Niederlande (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.4. 1

Das Goldene Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert erlebte die Republik der Vereinigten Niederlande eine Zeit außerordentlichen wirtschaftlichen Wohlstandes. Mitte des 17. Jahrhunderts waren die Niederlande die wichtigste Handels- und Seemacht in Europa, und Amsterdam hatte sich zu einem der bedeutendsten Finanzzentren entwickelt.

Auf dem Fundament des wirtschaftlichen Wohlstandes und dank der vergleichsweise hohen religiösen Toleranz und liberalen Handhabung der Zensur konnte sich in den Niederlanden ein reichhaltiges kulturelles und wissenschaftliches Leben auf außerordentlich hohem Niveau entfalten; das 17. Jahrhundert gilt als das „Goldene Jahrhundert” der Niederlande. Zu den bedeutendsten Niederländern, die in jener Zeit wirkten, zählen der Jurist Hugo Grotius, der Physiker und Astronom Christiaan Huygens, der Naturforscher Antonie van Leeuwenhoek, die Kartographen Willem Janszoon Blaeu und Jodocus Hondius, die Schriftsteller Pieter Corneliszoon Hooft und Joost van den Vondel, der Philosoph Baruch Spinoza sowie eine Reihe von Theologen. Die liberale Atmosphäre zog darüber hinaus zahlreiche Ausländer an wie z. B. den französischen Philosophen und Mathematiker René Descartes und den englischen Philosophen John Locke. Die Malerei erlebte durch Meister wie Rembrandt, Jan Vermeer, Frans Hals und Jan Steen eine Hochblüte. Das hohe Niveau der niederländischen Malerei setzte sich bis in die Gegenwart fort; es seien nur Namen wie Vincent van Gogh, Piet Mondrian und Karel Appel genannt.

7.4. 2

Entdeckerfahrten und Kolonialisierung

Um 1600 erreichte eine Flottenexpedition niederländischer Kaufleute Java. Es war die erste einer langen Reihe von Entdeckungsreisen, in deren Verlauf zahlreiche Handelsstützpunkte in Afrika, Südostasien und Amerika gegründet bzw. erworben wurden – wovon geographische Namen wie Spitzbergen, Kap Hoorn, Staten Island und Tasmanien noch heute zeugen.

1602 statteten die Generalstaaten die niederländische Ostindische Kompanie mit einem Handelsmonopol für alles Gebiet östlich des Kaps der Guten Hoffnung in Afrika und westlich der Magellanstraße in Südamerika aus. Zugleich wurde die Kompanie mit einer Reihe von souveränen Rechten ausgestattet. Die 1621 als Ergänzung gegründete Holländisch-Westindische Kompanie erhielt das Monopol für ganz Amerika und Afrika und den Atlantik dazwischen; sie gründete Kolonien auf den Karibischen Inseln (z. B. die Niederländischen Antillen), in Nord- (Neu-Niederlande, heute New York) und Südamerika (Niederländisch-Guayana, heute Suriname) und brachte für kurze Zeit das portugiesische Brasilien in ihre Hand.

Die Ostindische Kompanie fasste zuerst auf den Molukken, den Gewürzinseln, Fuß und später auf West-Java, wo Batavia (heute Jakarta) das Zentrum ihrer Unternehmungen wurde, und übernahm nun die Führung im äußerst gewinnbringenden Gewürzhandel. Zunächst konzentrierte sich die Kompanie hauptsächlich auf den Handel und die Errichtung von Handelsstützpunkten; in der Folgezeit brachte sie dann aber nahezu ganz Indonesien unter niederländische Herrschaft.

7.5

Der Niedergang der Niederländischen Republik

Der Niedergang der Republik der Vereinigten Niederlande setzte bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein. Grund war die ökonomische und in deren Folge bald auch militärische Auseinandersetzung mit England, der neben den Niederlanden zweiten führenden See- und Handelsnation in Europa. Die drei Englisch-Niederländischen Seekriege (1652-1664, 1665-1667 und 1672-1674) endeten trotz einiger niederländischer Erfolge im zweiten und dritten Krieg zugunsten Englands, das u. a. die Niederlande zur Anerkennung der (modifizierten) Navigationsakte zwingen und Neu Amsterdam (die heutige Stadt New York) gewinnen konnte und nun die führende Macht auf den Weltmeeren wurde.

Ab 1667 war die Republik der Vereinigten Niederlande zudem in vier Kriege gegen das Frankreich Ludwigs XIV. verwickelt: den Devolutionskrieg (1667/68), den Niederländisch-Französischen Krieg (1672-1679), den Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) und den Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714). Ludwig XIV. hatte seine expansiven Interessen vor allem auf die Spanischen Niederlande und die Republik der Niederlande gerichtet; die niederländische Republik konnte sich auf verschiedene Allianzen gegen Ludwig XIV. stützen und schließlich auch auf England, dessen König seit 1689 der niederländische Statthalter Wilhelm III. von Oranien war. Am Ende der vier Kriege hatte die Republik der Vereinigten Niederlande zwar ihr Territorium behauptet, aber infolge der Kriege auch deutlich an wirtschaftlicher und politischer Macht verloren. Der Niedergang der Niederlande als Wirtschaftsmacht setzte sich auch im 18. Jahrhundert fort; parallel dazu fielen sie auch auf kulturellem Gebiet ins zweite Glied zurück. Die südlichen Spanischen Niederlande waren nach dem Aussterben der spanischen Habsburger im Frieden von Rastatt 1714 an die österreichischen Habsburger gekommen (Österreichische Niederlande).

Nach dem Tod Wilhelms III. 1702, in den Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges, übernahm Johann Wilhelm Friso (1687-1711), ein entfernter Verwandter Wilhelms III., den Fürstentitel der Oranier; er war Statthalter von Friesland, während in den anderen niederländischen Provinzen das Amt des Statthalters vorerst unbesetzt blieb. 1747 wurde sein Sohn Wilhelm IV. (1711-1751) erblicher Statthalter aller sieben Provinzen. Unter der Statthalterschaft Wilhelms IV. entzündete sich die Auseinandersetzung zwischen den Oraniern und deren Anhängern auf der einen, den „Patrioten” einschließlich der Ratspensionäre auf der anderen Seite. Letztere forderten republikanische Reformen und die Abschaffung der monarchengleichen Stellung der Oranier. Der Konflikt zwischen Oraniern und Patrioten dominierte in der Folgezeit das innenpolitische Leben in den Niederlanden; außenpolitisch bewahrten die Niederlande während des 18. Jahrhunderts eine weitgehend neutrale Position, d. h., sie beteiligten sich kaum an den großen internationalen Konflikten.

7.6

Batavische Republik und napoleonisches Königreich

Ende 1794 eroberte Frankreich während des 1. Koalitionskrieges die Vereinigten Niederlande und errichtete hier – nach dem Vorbild der revolutionären französischen Republik – im Januar 1795 die Batavische Republik, deren Regierung weitgehend den Patrioten übertragen wurde. 1806 wandelte Napoleon die Batavische Republik in ein Königreich um und setzte seinen Bruder Louis Bonaparte als König ein. Der allerdings unterstützte mehr die niederländischen als die napoleonischen Interessen, teilte u. a. die Abneigung der Niederländer gegen die Kontinentalsperre, die sich verheerend auf die niederländische Wirtschaft auswirkte. 1810 kam es zum Bruch zwischen Napoleon und Louis; Louis verzichtete auf den Thron, Napoleon besetzte die Niederlande und schloss sie an Frankreich an.

7.7

Das Königreich der Vereinigten Niederlande

Nach dem Sturz Napoleons wurde die Unabhängigkeit der Niederlande wieder hergestellt, und 1815 wurde auf Beschluss des Wiener Kongresses die ehemalige Republik der Vereinigten Niederlande mit den ehemals Spanischen/Österreichischen Niederlanden und dem Fürstbistum Lüttich zum „Königreich der Vereinigten Niederlande” zusammengeschlossen. König wurde der Oranier Wilhelm I., Sohn des letzten Erbstatthalters Wilhelm V. und Enkel Wilhelms IV.

Die zwangsweise Wiedervereinigung der seit über eineinhalb Jahrhunderten getrennten nördlichen und südlichen Niederlande war ein äußerst unglücklicher Akt. Beide Regionen hatten sich politisch, sprachlich, kulturell, konfessionell und wirtschaftlich völlig unterschiedlich entwickelt, und in beiden Teilen hatte sich unterdessen ein ausgeprägtes Nationalbewusstsein entwickelt. Den latenten belgisch-niederländischen Gegensatz verschärfte Wilhelm I. durch seine autokratische, die Niederlande gegenüber dem belgischen Landesteil in allen Belangen, besonders auch in Sprache und Religion, deutlich bevorzugende Politik noch erheblich. 1830 erhoben sich die Belgier in der Belgischen Revolution (auch Septemberrevolution) gegen die niederländische Herrschaft, lösten sich von den Niederlanden und riefen im Oktober 1830 die Unabhängigkeit Belgiens aus. Im Oktober 1831 erkannten die europäischen Großmächte im Londoner Protokoll Belgien als souveränen, unabhängigen Staat an.

Wilhelm I. verweigerte dem unabhängigen Belgien die Anerkennung und suchte in den folgenden zwei Jahren, Belgien mit militärischen Mitteln zurückzugewinnen, scheiterte jedoch und sah sich schließlich im April 1839 in einem weiteren Londoner Protokoll doch zur Anerkennung des neuen Staates gezwungen.

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