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Carlo Gesualdo, Fürst von Venosa, (1566-1613), italienischer Komponist und Lautenist. Sein für die damalige Zeit höchst expressiver und harmonisch kühner Stil in seinen Madrigalen führte dazu, dass er lange Zeit als Dilettant oder bloßer Experimentator eingeschätzt wurde. Gesualdo wurde vermutlich am 8. März 1566 in Neapel oder Umgebung geboren und entstammte einem der ältesten und vornehmsten Fürstenhäuser im Königreich Neapel. Auf der Laute, im Gesang und in der Komposition unterrichtet, musste er jedoch nach dem Tod des älteren Bruders Luigi im Jahr 1584 als einziger männlicher Nachkomme der Familie die Herrschaft über das Fürstentum Venosa übernehmen. Zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte Gesualdo im Herbst 1590, als er in Neapel seine erste Ehefrau Maria d’Avalos und deren adligen Liebhaber tötete, nachdem er die beiden in flagranti beim Ehebruch ertappt hatte. (Ein kolportierter weiterer Mord an einem angeblichen außerehelichen Kind Maria d’Avalos’ ist nicht belegt.) Um der Rache der Familie d’Avalos zu entgehen, floh er auf den befestigten Familiensitz in Gesualdo bei Neapel. 1594 heiratete er die Tochter des Fürsten Alfonso II. d’Este von Ferrara, Leonora d’Este. Auch diese Ehe war nicht glücklich; die Familie seiner zweiten Frau soll sogar die Scheidung durch den Papst in die Wege geleitet haben. Sich immer mehr zurückziehend und offenbar zunehmend unter Selbstvorwürfen und Melancholie leidend, starb der fürstliche Musiker am 8. September 1613 in Gesualdo.
Als Komponist zählt Gesualdo zu den innovativsten Meistern seiner Zeit, vor allem in seinen mehrstimmigen Madrigalen. Zwischen 1594 und 1611 veröffentlichte er sechs Bücher mit Madrigalen zu fünf Stimmen; ein 1628 posthum herausgegebener Band mit sechsstimmigen Madrigalen gilt als verschollen. Folgen die ersten vier Madrigalbücher, u. a. mit Vertonungen des mit ihm befreundeten Dichters Torquato Tasso, noch weitgehend den klassischen Traditionen der Gattung, so zeigt sich die volle exzentrische Eigenart seines Stils in den beiden letzten Bänden aus dem Jahr 1611. Die in den Liedtexten wiedergegebenen extremen Gemütszustände werden zeilenweise in Musik umgesetzt. In einer manieristischen Mischung aus „Morbidezza” und selbstquälerischer Leidenschaft finden sich in Madrigalen wie dem berühmten Moro, lasso, al mio duolo kühne chromatische Linien (zum Teil gleichzeitig in mehreren Stimmen), frei einsetzende und nicht aufgelöste Dissonanzen, ungewöhnliche Klangfortschreitungen und starke Tempokontraste. An geistlicher Musik hinterließ Gesualdo zwei Bände Sacrae cantiones (1603) mit fünf- bis siebenstimmigen Motetten sowie Responsorien (1611) zur Karwoche. Diese Werke sind traditioneller im Ausdruck, wenngleich in ihnen auch Chromatik und manch ungewöhnliche Satztechnik anzutreffen sind. Von Zeitgenossen wie dem Theoretiker Giovanni Battista Doni durchaus als musikalischer Erneuerer angesehen, wirkte Gesualdo mit seinen Madrigalen u. a. in entsprechenden Werken von Sigismondo d’India und Michelangelo Rossi fort. Girolamo Frescobaldi spielte die eigentlich gesungenen Madrigale auf Tasteninstrumenten. Während des 18. Jahrhunderts setzte dann die Abqualifizierung Gesualdos ein: Jetzt wurde er als ein Musiker angesehen, der nicht etwa nur kühn, sondern einfach nur unfähig war. Im 20. Jahrhundert trat vor allem Igor Strawinsky mit Monumentum pro Gesualdo di Venosa (1960), einer Orchesterbearbeitung der Madrigale Beltà poi che t’assenti und Poichè l&rsquo,avida sete, sowie der Ergänzung dreier Motetten für die Wiederentdeckung Gesualdos ein. Unabhängig voneinander wählten Alfred Schnittke (1995), Franz Hummel (1996) und Salvatore Sciarrino (1998) die kritischen Jahre aus der Vita des Renaissancekomponisten als Gegenstand von Gesualdo-Opern.
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