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Windows Live® Suchergebnisse WüsteEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Entstehung und Unterschiede; Klima; Gewässer und Oberflächenformen; Ökologie; Geschichte, Nutzung und Ausbreitung
Wüste, Sammelbegriff für Gebiete, die aufgrund von Trockenheit oder Kälte nur sehr spärlich oder überhaupt nicht von Pflanzen bedeckt sind. Nach dem Grad der Bodenbedeckung und der Verteilung der Vegetation wird zwischen Halbwüsten und Vollwüsten unterschieden. Während in den Halbwüsten, die häufig gleitend in Savannen oder Steppen übergehen, die sehr schüttere Vegetation noch annähernd flächendeckend verbreitet ist, sind höhere Pflanzen in Vollwüsten nur im Bereich von Oasen zu finden. Abgesehen von diesen inselartigen Bereichen bieten Wüsten kaum Möglichkeiten zur landwirtschaftlichen Nutzung und sind daher als Teile der Anökumene (siehe Ökumene) nahezu menschenleer.
Die spärliche Pflanzendecke kann unterschiedliche Ursachen haben. Am häufigsten sind den Pflanzen durch Wassermangel und Hitze Grenzen gesetzt. Diese extremen Trockengebiete und Hitzewüsten gelten als Wüsten im engeren Sinn. Zu den Wüsten gehören aber auch die mit Schnee, Eis und Gesteinsschutt bedeckten Regionen in den Polargebieten und in den kontinentalen Hochlagen. In ihnen ist der Pflanzenwuchs vor allem durch tiefe Temperaturen und eine kurze Vegetationsperiode stark eingeschränkt oder unmöglich. Alle genannten Wüstenarten nehmen zusammen mindestens 25 Prozent der Landfläche der Erde ein. Hinzu kommen kleinere Areale, die von den Temperaturen und dem Wasserangebot her eigentlich bewachsen sein müssten, aber aus anderen Gründen wüstenartigen Charakter haben: Versalzung sowie Verunreinigung der Böden mit Schwermetallen verhindern die Entwicklung einer geschlossenen Pflanzendecke; in den Hochgebirgen der Tropen und Subtropen lässt das dort ab einer gewissen Höhe verbreitete Kammeis keine Vegetation aufkommen. Die Wüsten im engeren Sinn gehören nach Entstehungsbedingungen, Verbreitung und Jahresgang der Lufttemperaturen zwei Haupttypen an: den subtropisch-tropischen Trockengebieten und den Trockengebieten der Mittelbreiten. Die Wüsten, die sich vor allem im Bereich der Wendekreise als Gürtel um die Erde ziehen, erhalten nur geringe Niederschläge. Zu diesen Gebieten an der Grenze zwischen den Tropen und den Subtropen zählen z. B. die Sahara und die Wüste Tharr, die keine ausgeprägte kalte Jahreszeit haben. Die Trockengebiete der Mittelbreiten wie die Wüste Gobi oder die Takla Makan zeichnen sich dagegen durch ein winterkaltes Klima mit strengen Frösten und großen jahreszeitlichen Temperaturunterschieden aus. Im Innern der Kontinente gelegen und über weite Abschnitte von Hochgebirgsketten umrahmt, sind sie von Niederschlägen weitgehend abgeschnitten. Auch eine unmittelbare Lage am Meer bewirkt nicht automatisch höhere Niederschläge: Küstenwüsten wie die Namib oder die Atacama können extrem trocken sein. Dies liegt an der sehr stabilen Schichtung der Luftmassen über kalten Meeresströmungen, die Wolken und somit Niederschlag verhindert. Wichtige Feuchtigkeitsquellen sind dort Nebel und Tau.
Die Trockenheit der Wüstenklimate wird häufig durch Höchstwerte des Jahresniederschlags ausgedrückt. So erhalten nach einer nicht verbindlichen Definition Halbwüsten weniger als 250 Millimeter und Vollwüsten weniger als 50 Millimeter Niederschlag. Als Maßstab kann auch die Zahl der ariden Monate verwendet werden. Danach zeichnen sich Wüsten durch mehr als zehn trockene Monate im Jahr aus, oft dauert die Trockenzeit das ganze Jahr über. In den extremsten Wüsten fällt mitunter viele Jahre lang kein Niederschlag, bis es zu plötzlichen Starkregen kommt. In Tamanrasset in der algerischen Sahara werden z. B. im Jahresmittel 44 Millimeter Regen erreicht, diese Menge kann aber auch an einem einzigen Tag niedergehen. Die Lufttemperaturen schwanken ebenfalls in einer weiten Spanne. Selbst in den subtropischen Wüsten, wo am Tag Extremwerte von mehr als 50 °C gemessen werden, sind Nachtfröste keine Seltenheit. Strenge Kälte mit Tiefstwerten nahe -30 °C herrscht im Winter in den Trockengebieten Zentralasiens, die Sommermonate sind dort aber durchweg warm bis heiß. Hohe Temperaturen, häufig verbunden mit beständigen starken Winden, sorgen für enorme Verdunstungsraten. Im kalifornischen Death Valley z. B. kann die Verdunstung den mittleren Jahresniederschlag von rund 40 Millimetern um das Hundertfache übersteigen.
Da den geringen Niederschlägen in den Hitzewüsten eine starke Verdunstung gegenübersteht, ist die dortige Wasserbilanz negativ. Kurzfristig kann es jedoch zu einem Wasserüberschuss und damit Abfluss an der Erdoberfläche kommen. Die Flussdichte ist daher in den Trockengebieten erstaunlich groß. Meist sind es episodische oder periodische Flüsse, die nach Starkregen oder jahreszeitlich bedingten Niederschlägen durch die Wadis strömen. Perennierende (ganzjährige) Fließgewässer haben als Fremdlingsflüsse ihren Ursprung in der Regel in humiden Klimazonen. Seen kommen in Wüsten ebenfalls bemerkenswert häufig vor (z. B. in der „Seenplatte” in der australischen Simpsonwüste), wenngleich fast ausschließlich als zeitweilige Gewässer, die ihre Ausdehnung ständig verändern. Im Extremfall verschwinden sie und verwandeln sich in Salzseen und Salztonebenen. Die Formung der Erdoberfläche durch fließendes Wasser spielt daher auch in den trockensten Wüsten eine bedeutende Rolle; die fluvialen Formen sind vielfach sogar markant ausgeprägt: von Kerben zerfurchte Hänge, Barrieren aus Sinter oder die durch flächenhaft abfließendes Wasser geschaffenen Pedimente sind Beispiele für den Formenschatz. Das Relief der Wüsten wird zudem stark durch Winde geprägt. Bei der schütteren oder fehlenden Vegetation kann der Wind den Boden leicht abtragen, das erodierte Material über große Entfernungen transportieren und schließlich z. B. als Flugsandfelder oder Dünen ablagern. Die verbreitete Vorstellung von Wüste als reiner Sandwüste mit hohen Wanderdünen trifft nur auf höchstens ein Fünftel der gesamten Wüstenflächen zu. Unter den nach Böden und Relief unterschiedenen Wüstentypen sind solche Ergs Ausnahmen. Häufigere Wüstenlandschaften sind die mit scharfkantigen Gesteinstrümmern als Produkte der physikalischen Verwitterung (Temperaturverwitterung und Salzsprengung) bedeckte Hamada (auch Serir bzw. Reg) oder die Sebha (auch Schott) als weite Salztonebene.
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