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AfrikaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Von jeher war die große Mehrheit der Afrikaner als Bauern oder Hirten tätig. Sie produzierten ausschließlich für ihren Eigenbedarf (Subsistenzwirtschaft). Es gab wenig Märkte, gehandelt wurde für gewöhnlich unter Verwandten und Freunden. Die Herstellung von Waren und handwerklichen Produkten waren Teilzeitbeschäftigungen. Einige Staaten entwickelten Handelssysteme über weite Entfernungen. In diesen Gebieten hielten vielschichtige Tauschmöglichkeiten, industrielle Spezialisierung und Kommunikationsnetze den Warenaustausch im Fluss. Mit der Kolonialisierung durch die Europäer entstand ein Bedarf nach bestimmten landwirtschaftlichen Produkten und Bodenschätzen. Neue verbesserte Kommunikationssysteme und europäische Produktionstechniken wurden eingeführt: Es entstand eine moderne Tauschwirtschaft. Die Produktpalette wurde durch den Anbau neuer Nutzpflanzen erweitert. Während einige Anbauprodukte wie Erdnüsse und Bananen der Versorgung der afrikanischen Bevölkerung dienten, wurden etwa Kaffee, Zuckerrohr und Kautschuk für den Export kultiviert. In der Folge bildeten sich eine verarbeitende Industrie sowie Häfen und Verwaltungszentren heraus. Sprunghaft entwickelten sich auch Verbrauchsgüterindustrien, um den neu geschaffenen lokalen Bedarf in den unabhängig gewordenen afrikanischen Staaten zu decken. Ein Merkmal der afrikanischen Wirtschaft ist das Nebeneinander von Subsistenzwirtschaft und moderner Warenwirtschaft. Afrika ist kein einheitlich gewachsenes Wirtschaftsgebiet. Die Wirtschaftsentwicklung des Kontinents ist aufgrund unterschiedlichen natürlichen Potentials und politischer Orientierung nicht einheitlich.
Nur etwa 25 Prozent der Gesamtfläche Afrikas sind landwirtschaftlich nutzbar. Dennoch stellt der Agrarsektor die Basis der wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents dar. Trotz der Ausweitung von Industrie und Handel sind die meisten Afrikaner Landwirte und Hirten geblieben. Im Norden und Nordwesten Afrikas gehören Weizen, Hafer, Mais und Gerste zu den wichtigsten Feldfrüchten. Wichtige Baumfrüchte sind Datteln, Oliven und Zitrusfrüchte, zusätzlich werden verschiedene Gemüsearten angebaut. An Vieh werden überwiegend Ziegen und Schafe gehalten. Im Gebiet der Sahara betreiben nomadische Hirten Kamelzucht, einige Landwirte produzieren in Oasen Datteln und Getreide. Südlich der Sahara ist die Brandrodungswirtschaft, eine besondere Form des Wanderfeldbaues, größtenteils von der sesshaften Bewirtschaftung zurückgedrängt worden. Außerhalb der Regenwälder gehören die verschiedenen Getreidearten zu den wichtigsten Anbauprodukten. Reis, Yamswurzel, Maniok, Okra, Kochbananen und Bananen werden als Lebensmittel angepflanzt. Die Viehhaltung ist auf Gebiete beschränkt, in denen die Tsetsefliege nicht vorkommt, d. h. auf etwa ein Drittel des Kontinents. Obwohl die Herden teilweise eine beachtliche Größe erreichen, ist die Milchviehhaltung begrenzt. Milchvieh wird hauptsächlich im Umkreis großer Städte im Osten und Süden Afrikas gehalten. Von den landwirtschaftlichen Erzeugnissen sind einige, wie z. B. Kaffee, Baumwolle, Kakao, Erdnüsse, Palmöl und Tabak, für die Ausfuhr bestimmt. Bei einigen Exportgütern, wie Kakao, Erdnüssen, Gewürznelken und Sisal, erzeugt Afrika mehr als die Hälfte der gesamten Weltproduktion. Farmen und Plantagen in europäischem Besitz gibt es im Osten und Süden Afrikas. Sie konzentrieren sich auf die Produktion von Zitrusfrüchten, Tabak und anderen für den Export bestimmten Nahrungsmitteln. Nachteilig für die Entwicklung der afrikanischen Wirtschaft ist, dass die Einnahmen aus den Exporten von Agrarprodukten und Rohstoffen in hohem Maße von den Weltmarktpreisen gesteuert werden.
Etwa ein Viertel Afrikas ist von Wald bedeckt. Die Holzwirtschaft spielt in einigen westafrikanischen Ländern eine bedeutende Rolle. Gabun ist ein Hauptproduzent von Okume, einer weichen Holzart, aus der Sperrholz und Furniere gefertigt werden. Liberia, die Republik Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria gehörten zu den Hauptexporteuren von Harthölzern. Die Fischerei in Binnengewässern konzentrierte sich zunächst auf die Seen im Ostafrikanischen Grabensystem wie etwa den Victoriasee, zunehmend aber auch auf Fischzuchtbetriebe. Meeresfischerei, mit der der lokale Bedarf gedeckt werden soll, wird an allen Küsten betrieben.
Afrika ist überaus reich an Bodenschätzen: Man findet hier die meisten der bekannten Mineralien. Viele davon sind in bedeutenden Mengen vorhanden. Ihre Verteilung über den Kontinent ist allerdings ungleichmäßig. Afrika verfügt auch über einige der größten Vorkommen an Gold, Diamanten, Kupfer, Bauxit, Mangan, Nickel, Platin, Cobalt, Radium, Germanium, Lithium, Titan und Phosphaten. Weitere wichtige Bodenschätze sind Eisen, Chrom, Zinn, Zink, Blei, Thor, Zirconium, Vanadium, Antimon sowie Beryllium. Des Weiteren gibt es in ausreichenden Mengen Ton, Glimmer, Schwefel, Salz, Natron, Graphit, Kalkstein und Gips. Daneben besitzt Afrika auch große Vorkommen an fossilen Brennstoffen, darunter große Lagerstätten von Kohle, Erdöl und Erdgas. Diese umfangreich geförderten Rohstoffe stellen den Hauptteil des afrikanischen Ausfuhrertrags dar. Führende Rohstofflieferanten sind die Republik Südafrika (Abbau von Gold und Diamanten), daneben aber auch Libyen (Erdöl), Nigeria (Erdöl, Erdgas, Kohle, Zinn), Algerien (Erdöl, Erdgas, Eisenerz) und Sambia (Kupfer, Cobalt, Kohle, Blei, Zink). Die Republik Südafrika, Niger, die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik und Gabun besitzen zudem bedeutende Uranvorkommen. Von den Kupfervorräten der Welt konzentrieren sich etwa 20 Prozent auf Sambia, die Demokratische Republik Kongo, die Republik Südafrika und Simbabwe. Die Demokratische Republik Kongo besitzt darüber hinaus die größten bekannten Cobaltreserven-, Sierra Leone die größten bekannten Titanvorkommen. Im weltweiten Vergleich fördert Afrika rund drei Viertel der Goldmenge, wobei die Republik Südafrika, Simbabwe, die Demokratische Republik Kongo und Ghana die Hauptlieferanten sind. Die Minen in der Republik Südafrika und der Demokratischen Republik Kongo decken praktisch den gesamten Weltbedarf an Schmuck- und Industriediamanten. Eisenerze findet man in allen Teilen des Landes. Der größte Teil der afrikanischen Rohstoffe wurde und wird durch große, multinationale Konzerne vermarktet.
Aufgrund der Rohstoff- und Erdölförderung sind weiterverarbeitende Produktionsbetriebe wie z. B. Raffinerien und Schmelzhütten entstanden. Neben der Republik Südafrika, auf die sich ein Großteil der Produktion konzentriert, sind bedeutende Industriezentren auch in Simbabwe, Ägypten und Algerien zu finden. Eine bedeutende Bergbau- und Hüttenindustrie konnte sich in den rohstoffreichen Ländern Demokratische Republik Kongo und Sambia ausbreiten. Kenia, Nigeria und die Republik Elfenbeinküste besitzen eine gut entwickelte Textil-, Leicht- und Baustoffindustrie. Im vielen anderen Ländern Afrikas ist die industrielle Produktion auf die Anfertigung von Konsumgütern wie Schuhe, Fahrräder, Textilien, Lebensmittel und Getränke beschränkt. Allerdings ist das Wachstum solcher Industriezweige oft durch den relativ kleinen Verbrauchermarkt begrenzt. Für eine flächendeckende Industrialisierung fehlen in Afrika noch die notwendigen Devisen, die in nennenswertem Umfang überwiegend durch den Export von Agrarprodukten und Rohstoffen in die einzelnen Länder kommen. Die Ausfuhr von industriellen Gütern spielt demgegenüber nur eine untergeordnete Rolle.
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