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Orthodoxe KircheEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Das Patriarchat von Moskau und Gesamtrussland existierte nach der Russischen Revolution von 1917 weiter und bildet heute die weitaus größte orthodoxe Kirche. Sie nimmt den fünften Platz in der Hierarchie der autokephalen Kirchen ein, gefolgt von den Patriarchaten der Georgischen Republik, Serbiens, Rumäniens und Bulgariens. Zu den nichtpatriarchalischen orthodoxen Kirchen gehören, in der Reihenfolge ihres Ranges, die Erzbistümer von Zypern, Athen und Tirana sowie die Metropolitanate Polens, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Amerikas. Das Patriarchat in Tirana (Albanien) wurde 1937 eingesetzt, war jedoch während der kommunistischen Herrschaft verboten.
Die orthodoxe Kirche legt in ihren Lehrtexten und liturgischen Schriften stets Wert darauf, dass sie den wahren christlichen Glauben vertritt, der Ost- und Westkirche während der ersten 1 000 Jahre christlicher Geschichte verband. Die Orthodoxen bekennen sich zu jenen ökumenischen Konzilen, zu denen beide Teile der Christenheit ihre Vertreter entsandten, nämlich dem 1. Konzil von Nicäa (325), dem 1. Konzil von Konstantinopel (381), dem Konzil von Ephesus (431), dem Konzil von Chalkedon (451), dem 2. und 3. Konzil von Konstantinopel (553 und 680) sowie dem 2. Konzil von Nicäa (787). Das später entstandene Dogma von der Kommunion mit Gott, das im 14. Jahrhundert formuliert wurde, leitet sich nach Auffassung der orthodoxen Kirche direkt von den urchristlichen Lehren ab.
Nach dem Glauben der orthodoxen Kirche stehen ihre Mitglieder in der Nachfolge des Zeugnisses der Apostel. Der Heilige Geist, der sich an Pfingsten über die Kirche ergossen hat, führt diese in ihrer Gesamtheit „in alle Wahrheit” (Neues Testament, Johannes 16, 13). Die Kraft, der Gemeinde zu verkünden und sie zu leiten, liegt in den Händen einiger Amtsträger, insbesondere des Bischofs jeder Diözese, und manifestiert sich in bestimmten Institutionen, wie den Konzilen. Da die Kirche jedoch nicht nur aus Bischöfen und dem Klerus, sondern in erster Linie aus Laien besteht, hebt die orthodoxe Kirche stets hervor, dass das gesamte „Volk Gottes” die Wahrheit verwaltet. Die Auffassung, dass sich die Wahrheit nicht vom Leben der sakramentalen Gemeinschaft trennen lässt, bildet die Grundlage des orthodoxen Verständnisses, nach dem die Bischöfe in der apostolischen Nachfolge stehen: Von ihresgleichen geweiht, nehmen sie den „Platz Christi” bei der Eucharistiefeier ein, zu der die Kirche sich versammelt. Die Bischöfe hüten die Zeugnisse einer Tradition, welche in ununterbrochener Linie bis zu den Aposteln zurückreicht und die einzelnen Kirchen in der Glaubensgemeinschaft eint.
Die ökumenischen Konzile des 1. Jahrtausends legten die wesentlichen Glaubensinhalte fest: Die orthodoxe Kirche bekennt sich zur Trinitätslehre, glaubt an die eine Person sowie die zwei Naturen Christi und an seine beiden getrennten Willen, in denen sich sein vollständig göttliches und sein ganz und gar menschliches Wesen widerspiegeln. Alle Verfasser orthodoxer Schriften bekennen sich zu diesen Dogmen und verehren darüber hinaus Maria als Gottesmutter. Die weiteren Entwicklungen der Mariologie, die die Geschichte der Westkirche prägten, sind der Ostkirche gleichwohl fremd. Die Anbetung Marias beruht auf der Tatsache, dass sie dem Erlöser näher stand als irgendeine andere Person. Zugleich repräsentiert sie die gefallene Menschheit und gehört zu den heiligsten Mitgliedern der Kirche.
Im Allgemeinen bekennt sich die orthodoxe Kirche zur Lehre von den sieben Sakramenten. Die Eucharistie bildet das zentrale Sakrament, die übrigen umfassen die Taufe, in der Regel durch Untertauchen, die Firmung, die direkt im Anschluss durch Salbung erfolgt, sowie Buße, Ordination, Ehe und Krankensalbung. Einige mittelalterliche Autoren erwähnen noch weitere Sakramente wie Tonsur (Scheren des Haupthaares als Zeichen der Aufnahme in den Stand der Kleriker), Bestattung und Wassersegnung.
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