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Orthodoxe Kirche

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Basilius-Kathedrale in MoskauBasilius-Kathedrale in Moskau
Artikelgliederung
3.4

Zölibat

Im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche dürfen nach dem kanonischen Recht der orthodoxen Kirche Priester heiraten. Bischöfe sind dagegen stets unverheiratet.

4

Kult

Wie eine mittelalterliche Chronik berichtet, sollen Vertreter des russischen Prinzen Vladimir, die 988 die Hagia Sophia besuchten, nicht mehr gewusst haben, ob sie sich im Himmel oder auf Erden befanden. Dies ist nicht zuletzt auf die orthodoxe Liturgie zurückzuführen, die dazu beitrug, dass die orthodoxe Kirche trotz jahrhundertelanger muslimischer Herrschaft im Mittleren Osten überdauerte. Die Liturgie, die sich in Byzanz ausformte und in viele Sprachen übersetzt wurde, bewahrte Texte und Riten aus den Tagen der ersten christlichen Gemeinden.

4.1

Liturgie

Der am häufigsten gebrauchte Abendmahlsritus soll der Tradition zufolge auf Johannes Chrysostomos zurückgehen. Eine andere Form der Eucharistiefeier, die im Jahr nur zehnmal gefeiert wird, stammt von Basilius von Caesarea. Beide Eucharistiefeiern haben ihren Höhepunkt in einem Gebet, in dem der Heilige Geist (Epiklesis) zur Wandlung von Brot und Wein angerufen wird. Somit wird nach Auffassung der orthodoxen Kirche das Geheimnis des Glaubens durch den Heiligen Geist und durch das Gebet der Kirche vollzogen.

Der orthodoxe Gottesdienst zeichnet sich durch eine Vielzahl von Hymnen aus, die während der Liturgiefeier gesungen werden. Hierzu gehören die Gesänge zu Vesper, Komplet (Abendgebet), Mitternachtsgebet, Morgenlob und den vier kanonischen Stunden sowie der Osterzyklus, der die Fastenzeit vor Ostern sowie die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten einschließt. Darüber hinaus existiert ein Jahreszyklus von Hymnen, die an Feiertagen und Namensfesten der Heiligen gesungen werden. Die Liturgie entstand im byzantinischen Mittelalter und fügte immer neue Hymnen für Heilige hinzu, die neu in den Kirchenkalender aufgenommen wurden.

4.1. 1

Ikonen

Die sakrale Kunst gilt in der orthodoxen Kirche als fester Teil der liturgischen Tradition und Ausdruck religiöser Erfahrung. Damit kommt den Ikonen seit dem Ende des Bilderstreites (843) eine weitaus bedeutendere Funktion zu als in anderen christlichen Kirchen. Die Ikonoklasten beriefen sich auf das im Alten Testament aufgestellte Verbot der Bilderverehrung und lehnten alle Ikonen und Idole ab. Die orthodoxen Theologen gründeten ihre Argumentation hingegen auf die christliche Inkarnationslehre: Gott ist unsichtbar und lässt sich nicht mit Worten fassen, doch der menschgewordene Sohn Gottes vereinigte in sich alle Eigenschaften der erschaffenen Natur, auch die Möglichkeit zur Beschreibung. Bilder, die Christus als Mensch zeigen, bestätigen damit die Botschaft vom Fleisch gewordenen Gott. Da sich das göttliche Leben durch Christi Auferstehung offenbart, muss der Künstler das Geheimnis des Glaubens mit seinen Mitteln ausdrücken. Darüber hinaus ermöglichen Ikonen den direkten persönlichen Kontakt mit den dargestellten Personen und sollten daher zu den Objekten der „Verehrung” (proskynesis) gehören, während die „Anbetung” (latreia) sich alleine auf Gott richtet. Der Sieg dieser Theologie über die ikonoklastische Position führte zur Verbreitung der Ikonographie im gesamten christlichen Osten. Er inspirierte eine Vielzahl großer Maler, die Werke von hohem spirituellem und künstlerischem Wert hervorbrachten.

4.1. 2

Mönchtum

Die liturgische und, bis zu einem gewissen Grad, die künstlerische Entwicklung der orthodoxen Kirche verbindet sich mit der Geschichte des Mönchtums. Dies entstand in Ägypten, Palästina, Syrien sowie Kleinasien und wurde zu einem wesentlichen Element der östlichen Christenheit. Das orthodoxe Mönchstum beruhte auf dem Gelübde von Keuschheit, Gehorsam und Armut und reichte vom Leben in klösterlicher Gemeinschaft bis zur Einsiedelei und der individuellen Askese der Hesychasten (von griechisch hesychia: Ruhe). Heute leben in der Mönchsrepublik Athos in Nordgriechenland über 1 000 Brüder in 20 großen Gemeinschaften oder Einsiedeleien. Die Mönchsrepublik zeugt von der Lebendigkeit des mönchischen Ideals in der orthodoxen Kirche.

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