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ChileEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Wegen der enormen Längenausdehnung finden sich in Chile die verschiedensten Klimate. Im Allgemeinen sind die Temperaturen – abgesehen von den Hochgebirgsregionen – wegen der ozeanischen Einflüsse gemäßigt. Der Norden besteht fast ausschließlich aus Wüste; diese Region zählt zu den trockensten der Welt, in den hoch gelegenen Becken im Inneren fällt oft über Jahre hinweg überhaupt kein Regen. Durch den kalten Humboldtstrom vor der Küste kommt es in Küstennähe jedoch zu häufiger Nebelbildung, die eine spärliche Vegetation ermöglicht. Das Klima hier ist gemäßigt, die jährliche Niederschlagsmenge beträgt in Antofagasta 12,7 Millimeter. Die durchschnittlichen Januartemperaturen liegen in Antofagasta bei 20,6 °C und in Santiago bei 19,5 °C, die Julitemperaturen bei 14 °C (Antofagasta) bzw. 8 °C (Santiago). Pro 150 Meter Höhenanstieg nehmen in den Anden die Temperaturen um etwa 1 °C ab. Die Niederschläge nehmen nach Süden immer stärker zu. In Mittelchile herrscht im nördlichen Teil ein mediterranes Klima. Hier konzentrieren sich die Regenfälle auf die Wintermonate (Mai bis Juli), sie betragen in Santiago jährlich 375 Millimeter. Die Winter sind hier allgemein mild, die Sommer relativ kühl. Die südliche Region ist kühler; hier regnet es das gesamte Jahr über. Die Niederschläge erreichen in der Nähe der Magellanstraße eine maximale Höhe von 5 800 Millimetern. Bei Punta Arenas im Süden des Landes liegt die jährliche Durchschnittstemperatur bei 6,1 °C. Starke Winde sind für die südliche Region charakteristisch.
Entsprechend seiner großen Längenausdehnung hat Chile Anteil an sehr verschiedenen Vegetationsformen mit einer jeweils sehr eigenen Pflanzenwelt und vielen Endemiten (nur in diesem Gebiet vorkommenden Arten). Im Norden finden sich Wüsten und Dornstrauchsteppen, in denen nur wenige Kakteen und Sukkulenten, Dornbüsche und andere Pflanzen gedeihen. Weiter im Süden finden sich in Küstennähe Wälder mit üppigerer Vegetation, die ihren Wasserbedarf teilweise durch die Feuchtigkeit aus dem häufig auftretenden Nebel decken. Im feuchteren Großen Längstal wächst eine strauchreiche Steppenvegetation mit u. a. verschiedenen Kakteen, Espino (einem Dornstrauch) und zahlreichen Gräsern. In größerer Höhe (etwa 500 bis 1 800 Meter) gegen die Anden hin herrschen Nadelwälder vor, in denen Araukarien mit ihren essbaren Nüssen oder Chilenische Flusszedern dominieren. Südlich von Valdivia finden sich Reste des so genannten Valdivianischen Regenwaldes, eines temperierten Regenwaldes, der durch die hohen Niederschläge und ganzjährige Frostfreiheit begünstigt ist. Hier wachsen zahlreiche Lorbeergewächse, Magnolien und bunt blühende Lianen ebenso wie üppige Krautpflanzen. Außerhalb dieses eng begrenzten Gebiets sind für Mittelchile laubwerfende Wälder charakteristisch, in denen Südbuchen dominieren; weiter nach Süden zu werden sie von immergrünen Nadelwäldern abgelöst. Im äußersten Süden herrschen wiederum Grassteppen vor. Die Höhenlagen der Anden sind durch eine eigentümliche, artenreiche Hochgebirgsvegetation gekennzeichnet. Die Artenvielfalt der Fauna ist in Chile geringer als in anderen Teilen Südamerikas, da die Anden eine beträchtliche Barriere für Tierwanderungen darstellen. Zu den bekannteren einheimischen Säugetieren zählen Lamas, Alpakas, Vikunjas, Pumas, Andenschakale, Magellanfüchse, Pudus, Chinchillas sowie der sehr seltene, in großer Höhe lebende Huemul oder Andenhirsch (das Wappentier Chiles). Das Vogelleben ist recht vielfältig, die meisten größeren südamerikanischen Formen sind jedoch nicht anzutreffen; zur Avifauna gehören u. a. Chilenische Flamingos, Guanokormorane, Spottdrosseln und Chile-Pfeifenten. Neben der Forelle, die aus Nordamerika eingeführt wurde, bevölkern nur wenige Süßwasserfische die chilenischen Flüsse und Seen. In den Küstengewässern gibt es jedoch einen großen Reichtum an verschiedenen Fischen und anderen Meerestieren.
Im Vergleich zu anderen südamerikanischen Ländern ist die Bevölkerungszusammensetzung Chiles relativ homogen. Die ersten spanischen Siedler vermischten sich mit den lokal ansässigen Ethnien, vor allem mit den Araukanern. Nachkommen dieser Mischehen, die Mestizen, bilden heute 92 Prozent der Bevölkerung. Die europäische Einwanderung spielt in Chile keine so große Rolle wie in anderen Ländern Amerikas. Lediglich im 19. Jahrhundert fand eine kleine Immigrationswelle statt. Darunter befanden sich auch Deutsche, die nach der gescheiterten Revolution von 1848 auswanderten. Sie siedelten vor allem im Gebiet von Valdivia und Puerto Montt, wo inzwischen etwa 100 000 deutschstämmige Chilenen leben. Daneben gibt es im ganzen Land kleinere Bevölkerungsanteile an Italienern, Österreichern, Schweizern, Briten, Jugoslawen und Franzosen. Dennoch beträgt der rein europäische Bevölkerungsanteil nur etwa 2 Prozent. Knapp 7 Prozent der Bevölkerung sind Indianer, von denen die im Süden des Landes lebenden Mapuche die größte Gruppe bilden. Weitere, bekanntere Ethnien sind z. B. die Aymara und die Feuerländer. Die Einwohnerzahl von Chile beläuft sich auf etwa 16,4 Millionen (2008); damit ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 22 Einwohnern pro Quadratkilometer. Neun Zehntel der Bevölkerung leben in der Zentralregion zwischen Concepción und La Serena. Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 0,89 Prozent (2008). Etwa 88 Prozent der Bevölkerung leben in Städten, ungefähr ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes hat ihren Wohnsitz in der Agglomeration Santiago. Sowohl die Gemeinden im Süden als auch in der Wüstenregion im Norden sind sehr isoliert und durch weite, meist unbewohnte Landstriche vom Rest des Landes getrennt.
Zu den bedeutenden Städten in Chile zählen neben Santiago auch Concepción, Zentrum der Landwirtschaft und Industrie (225 000 Einwohner), Valparaíso, ein großer Seehafen (276 000), und Viña del Mar, ein beliebter Urlaubsort (292 000).
Die Amtssprache in Chile ist Spanisch und wird nahezu von der gesamten Bevölkerung gesprochen. Die indigene Bevölkerung spricht Indianersprachen wie Quechua, Aymara und vor allem Dialekte der Araukaner wie das Mapudungun.
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