Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Chile", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Verwandte Elemente
Daten und Fakten
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Chile

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse
Seite 8 von 9

Chile

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Chile (Flagge und Hymne)Chile (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.1

Spanische Besiedlung

Pedro de Valdivia, ein weiterer Offizier Pizarros, unternahm 1540 eine zweite Expedition in das südliche Chile. Trotz starker Widerstände der Araukaner gelang es Valdivia, einige Siedlungen zu errichten; in dieser Zeit wurde auch Santiago gegründet (1541). Einige Jahre später erfolgte die Gründung von Concepción (1550) und Valdivia (1552). 1553 organisierten die Araukaner einen erfolgreichen Aufstand, bei dem Valdivia und viele seiner Gefolgsleute getötet und mit Ausnahme von Concepción und La Serena alle spanischen Siedlungen zerstört wurden. Diese Rebellion markierte den Beginn einer 100 Jahre andauernden Phase, die von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den spanischen Besatzern und den indianischen Ureinwohnern geprägt war. Die Araukaner waren das einzige Volk in Südamerika, das den spanischen Angriffen nicht nachgab, sondern lange Zeit Widerstand leistete. Die Konflikte dauerten auch während und nach der spanischen Kolonialherrschaft an und flammten bis in das späte 19. Jahrhundert hinein immer wieder auf. Südlich des Bío-Bío-Flusses gelang es den Araukanern, bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit zu bewahren.

Während der spanischen Kolonialzeit war Chile vom Vizekönigreich Peru abhängig. Das Land entwickelte sich langsam, da es im Gegensatz zu anderen Ländern Südamerikas wie etwa Peru weder über große Silber- noch Goldvorkommen verfügte, welche die Spanier angezogen hätten. Auch die geographische Lage war ein Grund für die langsame Entwicklung des Landes. Die Landwirtschaft im Zentraltal war der wesentlichste Wirtschaftsfaktor, Chile versorgte Peru mit Nahrungsmitteln, insbesondere mit Weizen. Die Stadtbevölkerung lebte vorwiegend vom Handel.

7.2

Unabhängigkeit von Spanien

1810 erstrebte Chile ebenso wie andere spanische Kolonien in Südamerika die politische Unabhängigkeit von Spanien. Am 18. September dieses Jahres setzte der Stadtrat von Santiago den Kolonialgouverneur von Chile ab und delegierte dessen Macht an den Rat der Sieben; dieser Tag wird seitdem als chilenischer Unabhängigkeitstag gefeiert. Obwohl dieser Akt formal die Unabhängigkeit Chiles von Spanien markierte, kam es zu einem über 15 Jahre andauernden Unabhängigkeitskrieg mit spanischen Truppen, die aus Peru entsandt wurden. Eine königliche Armee konnte am Chacabuco im Februar 1817 von einer chilenisch-argentinischen Armee entscheidend geschlagen werden, wodurch auch die Befreiung des nördlichen Chile von spanischer Herrschaft erfolgte. Genau ein Jahr später – am 12. Februar 1818 – verkündete General Bernardo O’Higgins, einer der Führer der siegreichen Armee, die absolute Unabhängigkeit Chiles. Dennoch kontrollierten die spanischen Truppen bis 1818 fast den gesamten Süden Chiles, ehe sie 1826 endgültig aus dem Land vertrieben wurden.

7.3

Regierung der Konservativen

General O’Higgins wurde 1818 zum Director supremo ernannt und regierte das Land diktatorisch, bis 1823 das Volk seinen Rücktritt erzwang. Eine liberale Verfassung, die eine republikanische Regierungsform vorsah, wurde ausgearbeitet und verabschiedet; dennoch kam es bis 1830 immer wieder zu politischen Unruhen aufgrund anhaltender Machtkämpfe zwischen den konservativen und liberalen Kräften des Landes. 1830 organisierten die Konservativen unter Führung von General Joaquín Prieto einen erfolgreichen Aufstand und übernahmen die Regierungsmacht. 1831 wurde Prieto Präsident, aber die bedeutendste Person in der Regierung war Diego Portales, der während Prietos Amtszeit verschiedene Ministerpositionen ausübte. Die Ausarbeitung einer neuen Verfassung konnte 1833 erfolgreich abgeschlossen werden. In den Jahren 1835, 1851 und 1859 kam es zu mehreren bewaffneten Aufständen liberaler Gruppen gegen die Konservativen.

Trotz ihres autoritären Charakters gelang es der konservativen Regierungspartei mit ihrer Innenpolitik der Stabilität, Chile eine solide wirtschaftliche Basis zu verschaffen und die Weiterentwicklung der Landwirtschaft zu fördern, insbesondere während der Regierungszeit von Präsident Manuel Montt von 1851 bis 1861. Es wurden die ersten Schritte zur Nutzung der Bodenschätze (vor allem Salpeter und Kupfer) unternommen und die ersten Eisenbahnlinien gebaut. Auch die Immigration wurde gefördert. Gleichzeitig wurde das Schulsystem eingerichtet und verschiedene kulturelle Institutionen aufgebaut. Die Hauptentwicklung in der Außenpolitik war in der Periode der konservativen Herrschaft geprägt von verschiedenen Konflikten mit den Nachbarländern, teilweise verbunden mit bewaffneten Auseinandersetzungen, zunächst mit Bolivien und Peru im Jahr 1836, und dann Anfang 1843 mit Argentinien. Diese Konflikte dauerten bis zur Unterzeichnung eines Vertrags 1881, der das halbe Territorium Feuerlands Chile zusprach.

7.4

Liberale Regierung und Kriege mit den Nachbarländern

Währenddessen hatten sich innerhalb der Konservativen Partei aufgrund von Unstimmigkeiten mit der römisch-katholischen Kirche mehrere Fraktionen gebildet. Anfang 1861 erließ der liberale Flügel zusammen mit der Liberalen Partei einige Verfassungsreformen, einschließlich des Verbots einer wiederholten Amtszeit desselben Präsidenten. Die Bemühungen um ein öffentliches Wohlfahrtssystem und die Erschließung der Bodenschätze wurden vorangetrieben. Eine neue Eisenbahnlinie und ein Postsystem entstanden. 1865 wurde Chile in den Spanisch-Peruanischen Krieg um die peruanischen Guanovorkommen verwickelt, der immer wieder sporadisch aufflammte und bis 1869 anhielt. Siehe auch Peru: Geschichte

In der Folge konzentrierte sich das chilenische Interesse auf die Ausbeutung der wertvollen Salpetervorkommen in der Wüste Atacama. Die bolivianischen Ansprüche an diese Region wies Chile zurück und schickte im Februar 1879 militärische Einheiten in den bolivianischen Hafen Antofagasta. Zwei Monate später erklärte Peru als Verbündeter Boliviens Chile den Krieg, der den Beinamen Salpeterkrieg erhielt. Als Ergebnis aus dem Sieg in diesem Konflikt, der 1883 endete, erhielt Chile Gebiete beträchtlichen Ausmaßes zugesprochen, einschließlich der Provinz Antofagasta (von Bolivien) und der Provinz Tarapacá (von Peru). Peru trat außerdem auch Tacna und Arica unter der Bedingung an Chile ab, dass nach zehn Jahren eine Volksabstimmung abgehalten würde. Obwohl beide Länder sich über die Bedingungen des Volksentscheids uneinig waren, konnte die Frage um die betroffenen Gebiete im Jahr 1928 auf dem Verhandlungsweg geklärt werden. Tacna ging daraufhin in peruanischen, Arica in chilenischen Besitz über (siehe Tacna-Arica-Frage). Chile besaß nun das weltweite Monopol für den Handel mit Salpeter und kam in der Folgezeit zu beträchtlichem Reichtum, der sich überwiegend auf die Einnahmen durch die Ausfuhrzölle gründete.

7.5

Bürgerkrieg und Naturkatastrophen

1891 verbanden sich die konservativen politischen Kräfte des Landes eng mit der römisch-katholischen Kirche und organisierten einen Aufstand gegen die Regierung von Präsident José Manuel Balmaceda Fernández, dem Vorsitzenden der Liberalen Partei. Unter der Führung von Kapitän Jorge Montt, einem Marineoffizier, übernahmen die Rebellen, die sich selbst Kongressionalisten nannten, die chilenische Flotte und besetzten die Gebiete mit den reichen Salpetervorkommen im Norden. Im August schlugen sie eine Regierungsarmee in der Nähe von Valparaíso. Auch die Stadt selbst fiel in die Hände der Rebellen. Der Fall von Santiago beendete den Krieg, bei dem mehr als 10 000 Menschen getötet wurden. Im September beging Balmaceda Selbstmord. Kurz danach wurde Montt Präsident, und für Chile begann eine Periode des Friedens und des Wiederaufbaus. Als Zugeständnis an die liberalen Kräfte im Land willigte Montt in verschiedene Reformen ein, darunter die Demokratisierung der Exekutive, und es kam ingesamt zu einer Liberalisierung des parlamentarischen Systems. Die folgenden Jahre waren von wachsender Teilnahme der chilenischen Bevölkerung an der Politik gekennzeichnet und von einer Zunahme politischer Unruhen.

Im August 1906 zerstörte ein starkes Erdbeben die Stadt Valparaíso fast vollständig und richtete auch in Santiago große Schäden an. Etwa 3 000 Menschen kamen dabei ums Leben, ungefähr 100 000 Personen wurden obdachlos. Der Wiederaufbau in den betroffenen Gebieten erfolgte jedoch relativ rasch.

Zurück
| | | | | | | |
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft