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Vereinigte Staaten von Amerika

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Vereinigte Staaten von Amerika (Flagge und Hymne)Vereinigte Staaten von Amerika (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.3. 1

Die Sklavereifrage

Mit dem wirtschaftlichen Wachstum verschärften sich die Spannungen zwischen den wirtschaftlichen Großregionen, insbesondere zwischen dem industrialisierten Norden und dem auf der Plantagenwirtschaft basierenden Süden. Im Zentrum des Konflikts stand die Sklavereifrage: Technische Innovationen sowie eine ständig steigende Nachfrage nach Baumwolle hatten einen enormen Anstieg der Baumwollproduktion im Süden zur Folge, der wiederum eine starke Zunahme der Sklaverei nach sich zog. Der Norden lehnte die Sklaverei ab, der Süden verteidigte sie als seine wesentliche wirtschaftliche Grundlage. Und mit der territorialen Expansion der USA erhob sich zudem die Frage, ob die Sklaverei auch auf die neuen Bundesstaaten im Westen ausgedehnt werden solle bzw. dürfe. Die Auseinandersetzung um die Sklavereifrage führte 1860/61 schließlich zum Austritt der Südstaaten aus der Union und zum Amerikanischen Bürgerkrieg.

1820 konnte der Konflikt um die Sklavereifrage noch durch den Missouri-Kompromiss vorläufig beruhigt werden, als zugleich das sklavenhaltende Missouri und das sklavenfreie Maine als Bundesstaaten in die Union aufgenommen wurden und so das Gleichgewicht zwischen Vertretern sklavenhaltender und sklavenfreier Staaten im Senat gewahrt werden konnte. Zugleich untersagte der Kompromiss die Sklaverei im noch verbliebenen Territorium aus dem Louisiana-Kauf nördlich von 36°30′ nördlicher Breite. Der Konflikt zwischen Sklavereigegnern und -befürwortern begann sich jedoch wieder zuzuspitzen, als ab etwa 1830 die Abolitionisten-Bewegung im Norden zunehmend an Boden und Anhängern gewann und zum Teil militant gegen Sklavereibefürworter vorging. Neues Konfliktpotential lieferte 1850 die Aufnahme Kaliforniens als sklavenfreier Staat in die Union. Auch hier wurde ein – allerdings wenig tragfähiger – Kompromiss gefunden: Man ließ nach dem Prinzip der popular sovereignity die Bevölkerung des neu in die Union aufzunehmenden Staates entscheiden, ob der Staat sklavenhaltend oder sklavenfrei sein wollte.

Neuerliche schwere Auseinandersetzungen gab es, als die Zentralregion aus dem Louisiana-Kauf in Kansas und Nebraska aufgeteilt wurde, um als zwei neue Bundesstaaten in die Union eingegliedert zu werden. Kansas und Nebraska lagen zwar beide nördlich des 36. Breitengrades, aber Kansas sollte dem Süden, also den sklavenhaltenden Staaten zugeschlagen werden. Ein neuer Kompromiss, der Kansas-Nebraska-Act von 1854, hob die Bestimmungen des Missouri-Kompromisses auf und überließ nun auch in Kansas die Entscheidung über die Sklaverei der Bevölkerung. Die Folge waren blutige Auseinandersetzungen in Kansas (siehe Grenzkrieg) zwischen Sklavereibefürwortern und -gegnern, aber auch eine erhebliche Verschärfung des Antagonismus zwischen Nord- und Südstaaten.

7.4

Der Amerikanische Bürgerkrieg

In Reaktion auf den Kansas-Nebraska-Act bildete sich 1854 aus u. a. den Whigs und enttäuschten Demokraten die Republikanische Partei, die sich entschieden gegen die Sklaverei wandte und in Opposition zu den Demokraten stand, die der Sklaverei indifferent bis bejahend gegenüberstand. Die Republikaner fanden vor allem im Norden rasch breite Unterstützung; zu ihrem führenden Kopf wurde Abraham Lincoln.

1860 gewannen die Republikaner, in deren Wahlprogramm der Kampf gegen die Sklaverei eine zentrale Stelle einnahm, mit ihrem Kandidaten Abraham Lincoln die Präsidentenwahl. Unmittelbar nach der Wahl, am 20. Dezember 1860, trat South Carolina aus der Union aus. Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas schlossen sich bis Februar 1861 mit Sezessionsbeschlüssen an; Virginia, Arkansas, North Carolina und Tennessee folgten bis Mai 1861.

Im Februar 1861 konstituierten sich die bis dahin aus der Union ausgetretenen sechs Staaten als Konföderierte Staaten von Amerika, gaben sich eine provisorische Verfassung und wählten Jefferson Davis zu ihrem Präsidenten. Demgegenüber bestritt Lincoln in seiner Antrittsrede als Präsident der Vereinigten Staaten im März 1861 den Bundesstaaten das Recht zum Austritt aus der Union, erklärte aber zugleich, dass es keine Eingriffe in die Sklaverei dort geben werde, wo sie bereits bestehe. Am 12. April 1861 begannen die Konföderierten Staaten mit der Belagerung der Bundesfestung Fort Sumter in South Carolina; nach zwei Tagen musste die Festung kapitulieren. Am 15. April entsandte Lincoln Unionstruppen, die den Aufstand, als den die Union die Sezession der Südstaaten betrachtete, niederschlagen sollte. Der Amerikanische Bürgerkrieg (Sezessionskrieg) hatte begonnen.

Oberstes Kriegsziel der Union war die Wiederherstellung der nationalen Einheit, das mit der Kapitulation der Südstaaten im April 1865 auch erreicht wurde. Ein weiteres wesentliches Ergebnis des Krieges war die Abschaffung der Sklaverei: Am 1. Januar 1863 war die von Lincoln verkündete Emanzipationserklärung in Kraft getreten, die sämtliche Sklaven in den von der Union abgefallenen Staaten für frei erklärte. Und mit dem 13. Zusatz zur amerikanischen Verfassung, der am 18. Dezember 1865 in Kraft trat, wurde die Sklaverei in den USA endgültig abgeschafft.

7.5

Industrialisierung und Übergang ins 20. Jahrhundert

7.5. 1

Reconstruction

Nach dem Bürgerkrieg suchte Präsident Andrew Johnson (1865-1869), ein Demokrat, mit seiner Politik der Reconstruction die Aussöhnung mit den Südstaaten und den Wiederaufbau des zerstörten Südens voranzutreiben. Seine Pläne wurden jedoch vom Kongress konterkariert: Im Kongress dominierten radikale Republikaner, die den Südstaaten Militärregierungen überstülpten und das alte Plantagensystem wirtschaftlich und sozial zerschlugen. Dies führte in den Südstaaten zu einer großen Verbitterung gegenüber dem Norden und gegenüber der Sklavenemanzipation, die sich unter dem republikanischen Präsidenten Ulysses S. Grant (1869-1877) noch vertiefte und u. a. in der Entwicklung eines gewaltbereiten Rassismus ihren Ausdruck fand (siehe Ku Klux Klan). 1877 wurde die Reconstruction offiziell beendet, die Unionstruppen wurden aus dem Süden abgezogen. Die Gleichstellung der in die Freiheit entlassenen afroamerikanischen Sklaven, wie sie formalrechtlich bestand, existierte im Süden jedoch bestenfalls auf dem Papier: Die im Süden wieder dominierenden Demokraten setzten eine Reihe diskriminierender Gesetze durch, die die Schwarzen in vielen Belangen entrechteten.

7.5. 2

Wirtschaftliche und soziale Entwicklung nach dem Bürgerkrieg

Nach dem Bürgerkrieg erlebte vor allem im Nordosten und im Mittleren Westen die Industrie eine explosionsartige Entwicklung. Wesentlicher Motor der Industrialisierung war der Eisenbahnbau, der nun mit Nachdruck vorangetrieben wurde und der sich auf zahlreiche Industriezweige fördernd auswirkte. Insbesondere in der Öl- und der Schwerindustrie entstand eine Reihe monopolistisch ausgerichteter, mächtiger Großunternehmen, organisiert als Trusts oder Holdinggesellschaften, die weitgehende Kontrolle über ganze Wirtschaftszweige sowie den Kapitalmarkt ausübten. An den Südstaaten allerdings ging der Industrialisierungsboom mehr oder weniger vorbei. Generell bestand eine enge Verquickung zwischen Wirtschaft und Politik, die vielfach von Korruption geprägt war und zu Lasten der „Kleinen” – Farmer, Pächter, Arbeiter – ging.

Zugleich schritt die Besiedelung des Westens voran, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Erschließung der USA bis zum Pazifik als Siedlungsgebiet abgeschlossen. Die Erschließung und Besiedelung des Westens war geprägt von ständigen Kämpfen gegen die Indianer, die ihr angestammtes Land gegen die weiße Inbesitznahme zu verteidigen suchten. Trotz einiger Siege der Indianer wie etwa in der Schlacht am Little Bighorn 1876 behielten die weißen Siedler und Soldaten die Oberhand. Mit dem Massaker an 400 Sioux bei Wounded Knee 1890 endeten die Indianerkriege. Die Indianer waren geschlagen, erheblich dezimiert, unter unwürdigen Bedingungen in Reservaten zusammengedrängt und blieben vorerst weitgehend rechtlos; erst 1924 wurden ihnen die vollen Bürgerrechte zuerkannt.

Der Drang nach Westen ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Schon 1848 zog der Goldrausch Zehntausende Abenteurer und Siedler nach Kalifornien; ab den sechziger Jahren schritt mit dem Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie die Erschließung des Westens und seine Anbindung an den Osten rasch voran; zudem boten die Homestead Laws beträchtliche Anreize für Siedler. Und schließlich erlebten die USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein enormes Bevölkerungswachstum, das vor allem durch die gewaltigen Einwandererströme aus Europa verursacht wurde. Allein in den Jahren 1865 bis 1900 kamen etwa 15 Millionen Einwanderer in die USA; ein Teil davon suchte sich als Siedler im Westen eine neue Existenzgrundlage.

Ein großer Teil der Einwanderer fand in der boomenden Industrie Arbeit. Allerdings führten die unreglementierte Industrialisierung und die Konzentration der Industrie in Großunternehmen und Trusts auf der einen, der ständige Zustrom von Arbeitskräften, die zunehmende Urbanisierung sowie das Entstehen eines breiten Industrieproletariats auf der anderen Seite bald schon zu erheblichen sozialen Problemen. Gegen die zunehmend miserablen Bedingungen der Arbeiterschaft formierten sich bereits in den sechziger Jahren erste gewerkschaftliche Organisationen; allerdings schritt der Prozess der gewerkschaftlichen Organisierung vor allem aufgrund der ethnischen Vielfalt der Arbeiterschaft nur langsam voran. 1866 schlossen sich mehrere Gewerkschaften zur National Labor Union zusammen, die allerdings 1872 wegen interner Auseinandersetzungen wieder aufgelöst wurde. 1869 wurden – zunächst als Geheimbund – die Knights of Labour gegründet, die den Arbeitern aller Wirtschaftszweige offenstanden und gegenüber den Arbeitgebern einen aggressiven bis militanten Kurs verfolgten. In den siebziger und achtziger Jahren spielten die Knights of Labour ein wichtige Rolle bei den zahlreichen, zum Teil blutigen Demonstrationen und Streiks der Bergarbeiter und Eisenbahner, so etwa in Chicago 1886 bei den Haymarket-Unruhen und 1894 beim Pullman-Streik. 1886 wurden die Knights of Labour als führende Gewerkschaftsorganisation von der American Federation of Labour (AFL) abgelöst. Trotz der eindeutig unternehmerfreundlichen Politik der Regierung und obwohl zahlreiche Streiks von Bundestruppen blutig niedergeschlagen wurden, gelang es den Gewerkschaften doch, einige Verbesserungen wie etwa höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten durchzusetzen. Die wirtschaftlich ins Hintertreffen geratenen Farmer, Farmarbeiter und Pächter begannen sich ab den späten sechziger Jahren ebenfalls zu organisieren, z. B. im Granger Movement.

Die zyklisch auftretenden Wirtschaftskrisen (1873-1878, 1882-1885 und 1893-1897) brachten jeweils einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit mit sich und verschärften sowohl die sozialen Probleme wie den Arbeitskampf, führten aber auch zu einer Ausgrenzung verschiedener sowohl von Unternehmern wie weißer Arbeiterschaft nicht erwünschter Gruppen: Die Einwanderung von Nichteuropäern, insbesondere Chinesen, wurde erheblich beschränkt, die Afroamerikaner wurden zunehmend diskriminiert. So wurde z. B. die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen, Verkehrsmitteln, Schulen etc. durchgesetzt und den Schwarzen der Zugang zum politischen Leben praktisch unmöglich gemacht. Dies sowie drastische Veränderungen im „klassischen” Wirtschaftszweig der Afroamerikaner, der Baumwollindustrie, infolge zunehmender Mechanisierung drängten die schwarze Bevölkerung mehr und mehr ins soziale Abseits. In Reaktion auf ihre Diskriminierung organisierten sich die Afroamerikaner in verschiedenen Bürgerrechtsbewegungen, die allerdings bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts im Kampf um die Gleichberechtigung nur wenige Erfolge erringen konnten.

7.5. 3

Theodore Roosevelt und der Progressivismus

Unter Theodore Roosevelt (1901-1909), der nach der Ermordung William McKinleys 1901 ins Präsidentenamt gelangte, war die Innenpolitik durch den Progressivismus (Progressive Movement) geprägt. Der Progressivismus hatte sich in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Reaktion auf die sozialen Missstände und das Laissez-faire-Prinzip in der Wirtschaft herausgebildet und setzte sich – mit Roosevelt als einem seiner führenden Vertreter – in erster Linie die Behebung dieser Missstände zum Ziel. Konkret engagierte sich die Regierung Roosevelt vor allem für eine bessere Kontrolle und gegen die Korruption in Regierung und öffentlicher Verwaltung, für einen besseren Arbeitsschutz, eine bessere Arbeitsgesetzgebung, mehr soziale Gerechtigkeit sowie für mehr demokratische Elemente im öffentlichen Leben. Einer der Kernpunkte von Roosevelts Reformprogramm war die Entmachtung und Kontrolle der Großunternehmen und Großbanken. Hintergrund war u. a. die rapide Vermehrung der Trusts: Hatte es bis 1899 in den USA lediglich etwa 60 Trusts gegeben, so stieg ihre Zahl in den folgenden beiden Jahren auf etwa das Dreifache an. Manche Trusts, wie die für Rindfleisch, Rohöl, Kohle, Zucker oder die Eisenbahngesellschaft, hatten praktisch Monopolstellungen inne. Auf Roosevelts Betreiben hin verabschiedete der Kongress nun eine Reihe von Gesetzen, die die Durchsetzung der bereits bestehenden Antitrust-Gesetze unterstützen sollten. Roosevelts Nachfolger, der Republikaner William Howard Taft (1909-1913) und der Demokrat Woodrow Wilson (1913-1921), setzten seine progressive Innenpolitik in ihren Grundzügen fort. Taft allerdings geriet zunehmend unter den Einfluss des konservativen Flügels seiner Partei; in der Konsequenz gründete Roosevelt 1912 vornehmlich aus unzufriedenen Anhängern der Republikaner die Progressive Party und kandidierte für die neue Partei für das Präsidentenamt. Die Spaltung der Republikaner während des Wahlkampfes 1912 verhalf schließlich den Demokraten mit Wilson an der Spitze zum Sieg.

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