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Vereinigte Staaten von AmerikaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die Außenpolitik der USA war vor dem Hintergrund ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Macht expansionistisch geprägt. 1867 kauften die USA Alaska von Russland ab; im selben Jahr besetzten sie die Midway-Inseln und leiteten damit den Erwerb von Stützpunkten im Pazifik entlang des Seeweges nach Ostasien ein. Die Ostasienroute war von besonderer Bedeutung, seit die USA 1854 gewaltsam die Öffnung japanischer Häfen für den Handel mit den USA erzwungen hatten. In Bezug auf Mittel- und Südamerika wandten sich die USA nach und nach von ihrem eher passiven Kurs ab und einer die Monroedoktrin aktivistisch interpretierenden Außenpolitik zu. So betonten sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder nachdrücklich ihren Anspruch auf Vorrechte an den mittelamerikanischen Landengen bzw. an einem zukünftigen Kanal zwischen Karibik und Pazifik. 1901 erwarben sie durch den Hay-Pauncefote-Vertrag die alleinigen Rechte auf den zu bauenden Panamákanal und sicherten sich einen völkerrechtlich zweifelhaften Aufsichtsanspruch über die Kanalzone. Verschiedene Interventionen der USA in Lateinamerika waren von einer fortschreitenden wirtschaftlichen Durchdringung nahezu des gesamten mittel- und südamerikanischen Raumes und der weit reichenden Abschottung des amerikanischen Marktes gegen europäische und asiatische Konkurrenz begleitet. Siehe auch Panamerikanische Union In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts nahm die Außenpolitik der USA eindeutig imperialistische Züge an. 1898 führten sie in Unterstützung der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung den Spanisch-Amerikanischen Krieg, der mit einem Sieg der USA endete und den USA Kuba (1902 formal in die Unabhängigkeit entlassen), Puerto Rico und Guam einbrachte; außerdem trat Spanien für 20 Millionen US-Dollar die Philippinen an die USA ab. Ebenfalls 1898 annektierten die USA Hawaii, und 1899 erwarben sie Amerikanisch-Samoa. Infolge des Spanisch-Amerikanischen Krieges gelangten die USA an Besitzungen außerhalb ihres kontinentalen Kernlandes. Sie übernahmen damit den Status einer Kolonialmacht, der sie – neben anderen Faktoren – eine wachsende Rolle in weltpolitischen Angelegenheiten übernehmen ließen. Einen ersten bedeutenden Auftritt auf der internationalen Bühne hatten die USA bzw. Präsident Roosevelt, als er 1905 den Frieden von Portsmouth zur Beendigung des Russisch-Japanischen Krieges vermittelte.
Zu Beginn des 1. Weltkrieges erklärte Präsident Wilson die Neutralität der Vereinigten Staaten. Um zu verhindern, dass Versorgungs- und Rüstungsgüter etwa aus den USA Großbritannien erreichen konnten, erklärte das Deutsche Reich 1915 für die Gewässer um Großbritannien und Irland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Im Mai 1915 torpedierte ein deutsches U-Boot ohne Vorwarnung das britische Passagierschiff Lusitania (das allerdings auch Munition und Waren transportierte) vor der irischen Küste; 1 198 Menschen – darunter 128 Bürger der Vereinigten Staaten – kamen dabei ums Leben. Der Lusitania-Zwischenfall verschärfte die antideutsche Stimmung in der US-amerikanischen Öffentlichkeit erheblich, die Forderung nach einem Kriegseintritt der USA gegen die Mittelmächte wurde immer nachdrücklicher. Die Regierung Wilson lehnte einen Kriegseintritt jedoch (noch) strikt ab, bewirkte aber durch scharfe Proteste und Drohungen die Rücknahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges durch das Deutsche Reich. Ende Januar 1917 nahm das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf; etwa um dieselbe Zeit erhielt die Regierung Wilson Kenntnis von der so genannten Zimmermann-Note, ein gegen die USA gerichtetes Bündnisangebot des Deutschen Reiches an Mexiko. Diese beiden Faktoren sowie die sich weiter verschärfende antideutsche Stimmung in den USA und vor allem auch die sich nun durchsetzende Überzeugung, dass die USA nur dann auf eine friedliche, demokratische, an ihren Vorstellungen orientierte Weltordnung hinwirken könnten, wenn sie sich auch am Krieg beteiligten, waren es, die den Kongress auf Betreiben Wilsons am 6. April 1917 dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten den Krieg erklären ließen. Die USA entsandten fast zwei Millionen Soldaten auf den europäischen Kriegsschauplatz, wo sie 1918 maßgeblich am Sieg der Entente über das Deutsche Reich beteiligt waren. Bereits im Januar 1918 hatte Wilson in den Vierzehn Punkten sein Programm für eine friedliche, stabile Nachkriegsordnung vorgestellt. Zentrales Anliegen der Vierzehn Punkte war die Wiederherstellung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker sowie die Etablierung eines internationalen friedenssichernden Instruments, des Völkerbundes. Auf der Pariser Friedenskonferenz spielte Wilson zwar eine zentrale Rolle; seine Vierzehn Punkte wurden allerdings nur sehr modifiziert in die Pariser Vorortverträge, insbesondere den Versailler Vertrag aufgenommen. Lediglich der 14. Punkt, die Schaffung des Völkerbundes, wurde weitgehend nach Wilsons Vorstellungen realisiert. In den USA jedoch stieß der Völkerbund, so wie er im Versailler Vertrag definiert war, auf breite Ablehnung: Man befürchtete eine nicht hinzunehmende Beschränkung der außenpolitischen Handlungsfreiheit der USA. Der Senat verweigerte trotz des großen Engagements Wilsons für die Annahme des Versailler Vertrages die Ratifizierung; die USA traten dem Völkerbund nie bei und kehrten nun wieder zu einer isolationistisch orientierten Außenpolitik zurück. Mit Deutschland schlossen die USA 1921 einen separaten Friedensvertrag.
Innenpolitisch erreichte Wilson 1920 mit dem 19. Zusatz zur Verfassung die Einführung des Frauenwahlrechtes. Dies markierte auch in etwa das Ende der progressiven Reformpolitik. Seine Nachfolger, die Republikaner Warren G. Harding (1921-1923), Calvin Coolidge (1923-1929) und Herbert Clark Hoover (1929-1933), ließen den Kräften der erneut boomenden Wirtschaft dagegen wieder relativ freien Lauf. Neue Industriezweige, wie z. B. die Automobilindustrie und die Elektroindustrie, aber auch die Baubranche hatten enorme Zuwachsraten zu verzeichnen, die infolge von Rationalisierungen steigende Massenproduktion erlaubte Preissenkungen, während zugleich die Löhne stiegen und sich die USA zu einer Konsumgesellschaft mit vergleichsweise hohem Wohlstandsniveau entwickelten. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Nachkriegszeit brachten aber auch eine Reihe von sozialen Problemen mit sich. So gewann z. B. der Rassismus weiter an Boden, ebenso die Fremdenfeindlichkeit. 1921 und 1924 begrenzten die USA daher die bisher unbeschränkte Einwanderung per Gesetz drastisch auf jährlich 150 000 Personen; Asiaten durften praktisch überhaupt nicht mehr einwandern, Kanadier und Lateinamerikaner dagegen waren von der Quotenregelung ausgenommen.
1919 führten die USA mit der Verabschiedung des 18. Verfassungszusatzes die Prohibition ein, das Verbot von Herstellung, Transport und Verkauf von Alkohol. Die von verschiedenen Temperenzbewegungen erhobene Forderung nach Eindämmung oder gar Verbot des Alkoholkonsums war so alt wie die Vereinigten Staaten selbst, und schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts hatten eine ganze Reihe von Bundesstaaten verschiedene Gesetze gegen übermäßigen Alkoholkonsum eingeführt. Bundesweit konnten die interessierten Kreise – primär ländliche, protestantische Bevölkerungskreise – die Prohibition jedoch erst 1919 verwirklichen. Allerdings hatten weder der Bund noch die Bundesstaaten ausreichende Mittel, die Prohibition auch flächendeckend durchzusetzen: Schwarzbrennereien, illegaler Verkauf und Ausschank und vor allem die nun rapide ansteigende organisierte Kriminalität erlebten eine Blütezeit. Ab Ende der zwanziger Jahre mehrten sich die Stimmen für eine Aufhebung der Prohibition, die sich inzwischen als Fehlschlag erwiesen hatte; während der Weltwirtschaftskrise sprach zusätzlich das Argument fehlender Steuereinnahmen aus Alkoholproduktion und -verkauf für eine Aufhebung, und 1933 wurde die Prohibition durch den 21. Verfassungszusatz wieder beendet.
Die anhaltende Prosperität der zwanziger Jahre verleitete in den USA zunehmend zu Investitionen im Spekulationsgeschäft. Allein zwischen 1927 und 1929 stiegen die Aktienkurse auf das Doppelte, wobei in den ersten sechs Monaten der Regierung Hoover 1929 die größten Kurssteigerungen zu verzeichnen waren. In diesem Zeitraum wurden Milliarden US-Dollar im Aktienmarkt investiert; das Kapital dafür kam aus Bankkrediten, Hypotheken oder dem Verkauf von Staatsobligationen wie den Liberty Bonds. Allein im August 1929 handelten Aktienhändler für ihre Kunden rund 300 Millionen Aktien mit Profit (carry on margin). Bis zum Oktober 1929 hatte sich dieser Kaufrausch jedoch erschöpft und schlug nun in eine fieberhafte Verkaufswelle um. Die Kurse stürzten steil ab, Tausende Anleger verloren ihr gesamtes Vermögen. Am 25. Oktober 1929, dem „Schwarzen Freitag”, erlebte die New Yorker Börse ihre verheerendsten Panikverkäufe. Zum Jahresende hatten die Kursstürze die Summe von 15 Milliarden US-Dollar erreicht. Dieser Börsenkrach leitete eine Wirtschaftskrise ein, die nicht nur die USA erfasste, sondern sich in den frühen dreißiger Jahren zur Weltwirtschaftskrise auswuchs. Zahlreiche Fabriken mussten schließen, die Industrieproduktion sank bis 1932 auf gut die Hälfte des Standes von 1929, die Zahl der Arbeitslosen stieg im selben Zeitraum auf 15 Millionen an, Banken gingen in Konkurs, die Warenpreise fielen stetig. Die Krise verschärfte sich bis 1932 unaufhaltsam, und die Regierung Hoover tat wenig, um der Krise entgegenzuwirken, vertraute vielmehr auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Eine Folge war, dass Hoover bei den Präsidentschaftswahlen klar seinem demokratischen Herausforderer Franklin D. Roosevelt unterlag, dessen New Deal eine Überwindung der Krise versprach. Der New Deal zeitigte kurz- und mittelfristig zwar nicht die erhofften und versprochenen Erfolge, brachte aber doch relativ rasch eine Stabilisierung der wirtschaftlichen und sozialen Lage.
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