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Windows Live® Suchergebnisse ErkenntnistheorieEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Erkenntnistheorie (auch Epistemologie; griechisch episteme: Kenntnis, Wissen; logos: Vernunft, Sprache), Disziplin der Philosophie, die sich mit philosophischen Fragen der Erkenntnis beschäftigt. Unter Erkenntnis wird dabei sowohl der Erkennensprozess selbst wie das Ergebnis dieses Prozesses verstanden. Die Philosophie begreift dabei – im Gegensatz z. B. zur Offenbarung im Glauben oder zur Erleuchtung durch Meditation – als Erkenntnis insbesondere das wissenschaftlich orientierte, methodisch erworbene Wissen, das von anderen Personen durch Experiment oder Reflexion nachvollzogen werden kann. Die Erkenntnistheorie untersucht die Quellen und Kriterien der Erkenntnis, die möglichen Arten der Erkenntnis und ihren jeweiligen Gewissheitsgrad sowie die genaue Beziehung zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten, dem Menschen und dem Gegenstand. Von Kants drei Hauptfragen der Philosophie „1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen?” behandelt Erkenntnistheorie die erste. Da für Philosophen in der Regel die Ausrichtung auf Wahrheit das höchste Gebot darstellt, ist der erkenntnistheoretische Ansatz jeder philosophischen Schule grundlegend. Er stellt die Frage, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Aussage oder eine Theorie als „wahr” gelten können. Herrscht hierüber keine Gewissheit, dürfen auch Aussagen aus der Ethik, der Politischen Philosophie, der Ästhetik oder anderen Bereichen der Philosophie keine Geltung beanspruchen. Insbesondere das Verhältnis von Erkennendem und Erkanntem, von Mensch und Gegenstand oder, philosophisch gesprochen, von Subjekt und Objekt steht im Mittelpunkt dieser Überlegungen: Was kann als „objektives Wissen” gelten, was muss als „subjektiver Anteil” eliminiert werden. Wie erkennt man, was zu welcher Seite des Erkenntnisprozesses gehört: Was zählt zur Wirklichkeit, und was ist „nur” persönliche Wahrnehmung der Wirklichkeit oder Meinung bzw. Dogma? Da die jeweilige Art und Weise, philosophische Erkenntnis zu erlangen, das Fundament einer jeden Philosophie bildet, lassen sich die großen Denkrichtungen der Philosophie nach ihrer Erkenntnistheorie unterscheiden.
Die Denker der Antike, die noch keine ausdrücklich entwickelte Erkenntnistheorie als eigene philosophische Disziplin kannten, erwogen, ob man Gleiches oder Ungleiches besser erkenne; damit war die Frage gemeint, ob der Mensch eher das Vertraute oder das Unvertraute, eher das Bekannte oder das Neue wahrnimmt, und ob er einen Sachverhalt besser versteht, wenn sein Erkenntnisgegenstand ihm, d. h. seinen Lebenserfahrungen und seiner Kultur, gleicht oder von ihm verschieden ist. Obwohl auch die Antike sich Gedanken über Erkenntnisprozesse machte, traten diese doch erst in der Neuzeit ausdrücklich in den Vordergrund des Philosophierens.
Die eigentliche Erkenntnistheorie setzt dabei für die Philosophie stets ein zu erkennendes Objekt, den Gegenstand, und ein erkennendes Subjekt, den Wahrnehmenden bzw. Wissenschaftler, voraus. In der abendländischen Philosophie werden beide zumeist – wie der Begriff „Gegen-stand” verrät – als einander gegenüberstehend angesehen. Daraus ergibt sich für den Erkenntnisprozess eine Aus-einander-setzung, die je nach Betonung der philosophischen Schule als fruchtbare Spannung oder als problematische Spaltung aufgefasst wird.
Je nachdem welche „Stellung zur Objektivität” (Hegel) man dabei einnimmt, welche „Seite” des Erkenntnisprozesses man für „wichtiger” hält, steht zum einen der stoffliche Aspekt im Vordergrund, die Untersuchung des zu erkennenden Materials, und weniger die Rolle der menschlichen Ideen und Begriffe für die Erkenntnis (Materialismus, Realismus). Die Gegenposition geht von der konstitutiven Bedeutung des menschlichen Geistes für die Erkenntnis aus und sucht deren Ideen und Denkprinzipien im Gegenstand „wiederzufinden” (Idealismus).
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