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Erkenntnistheorie

Enzyklopädieartikel
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Sir Karl PopperSir Karl Popper
Artikelgliederung
3.1. 3

Aristoteles

Aristoteles schloss sich zwar Platons Gedanken von der Überlegenheit des abstrakten Wissens an, lehnte jedoch dessen Methode zur Erlangung dieses Wissens ab. Nach Aristoteles wird nahezu das gesamte Wissen aus der sinnlichen Erfahrung abgeleitet. Wissen wird entweder direkt, aufgrund von Abstraktion der charakteristischen Eigenschaften einer Gattung erlangt oder indirekt durch Deduktion neuer Tatsachen von bereits erkannten, in Übereinstimmung mit den Gesetzen der Logik. Durch sorgfältige Beobachtung und strenge Befolgung der Gesetze der Logik, die erstmalig von Aristoteles in einem System zusammengefasst wurden, könne man sich nämlich vor Fehlschlüssen schützen, wie sie die Sophisten gezogen haben.

3.1. 4

Skeptizismus

Der Skeptizismus erschien erkenntnistheoretisch in der Antike in zwei Richtungen. Die eine, weniger radikale, ging davon aus, dass Urteile, denen keine unmittelbare Erfahrung zu Grunde liege (z. B. „Alle Menschen sind gleich”) niemals mit absoluter Gewissheit behauptet werden könnten, da sie nicht überprüfbar seien. Die andere Richtung erklärte, dass jede Gewissheit grundsätzlich unmöglich sei und jede Aussage bestenfalls Glaubwürdigkeit beanspruchen dürfe. Diese Problematik des Skeptizismus trat später bei Descartes wieder auf und hatte einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte der Erkenntnistheorie und abendländischen Philosophie überhaupt zur Folge.

3.1. 5

Stoa und Epikureismus

Die Schulen der Stoiker und der Epikureer vertraten die Ansicht, dass das Wissen zwar seinen Ausgang in der Sinneswahrnehmung habe, forderten aber, dass die Wahrnehmung durch den Verstand geprüft werden müsse, wenn sie Geltung beanspruchen will. Für den noch stärker am Sinnlich-Leibhaften orientierten Epikur bestimmen die körperlichen Empfindungen unsere Wahrnehmung der Welt. Anders als Platon sprach der materialistisch denkende Epikur der menschlichen Seele kein Weiterleben nach dem Tod und keine materielle Existenz zu, weshalb auch die Todesfurcht grundlos sei, denn, wie es im Brief an Menoikeus heißt, „alles Gute und Schlimme ist nur in der Empfindung gegeben; der Tod aber ist die Vernichtung der Empfindung. Daher macht die richtige Erkenntnis, der Tod sei nichts, was uns betrifft, die Sterblichkeit des Lebens erst genußfähig [...] Das Schauereregendste aller Übel, der Tod, betrifft uns überhaupt nicht; wenn ’wir’ sind, ist der Tod nicht da; wenn der Tod da ist, sind ’wir’ nicht.”

3.2

Mittelalter

Das Christentum war sehr viel stärker an der Exegese, der Auslegung der als heilig geltenden Schriften, und an der „Erkenntnis” durch Offenbarung interessiert als an der Aufklärung durch Wissenschaft als Paradigma menschlichen Erkennens. Nachdem so zunächst das Interesse an rationaler und wissenschaftlicher Erkenntnis jahrhundertelang in den Hintergrund trat, wurde erst nach dem Jahr 1000 und noch später mit dem scholastischen Philosophen Thomas von Aquin und anderen Philosophen des Mittelalters das Vertrauen in die Vernunft und Erfahrung wiederhergestellt.

3.2. 1

Scholastik

Die Scholastik versuchte, die rationale Methode der Vernunft – insbesondere die Logik und Metaphysik des Aristoteles – mit den Lehrsätzen des Glaubens zu einem einheitlichen System religiös-philosophischer Überzeugungen zu verbinden. Erkenntnistheoretisch bedeutsam wurde hier der so genannte Universalienstreit. In der Frage, ob den Universalien (Allgemeinbegriffe und Ideen im Sinne Platons) objektive Realität zukomme, gab es zwei Richtungen: Die „Realisten” (Anselm von Canterbury, Wilhelm von Champeaux) befürworteten dies, die Nominalisten (Johannes Duns Scotus, Wilhelm von Ockham) vertraten die Auffassung, dass die Universalien bloße Namen der Dinge seien. Zwischen diesen Extrempositionen gab es verschiedene Vermittlungsschritte, so dass die über 300 Jahre andauernde Diskussion drei Phasen durchlief, in denen sich das Gewicht immer stärker zum Nominalismus hin verschob.

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