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Romantik (Kunst)

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Caspar David Friedrich: Zwei Jünglinge bei Mondaufgang am MeerCaspar David Friedrich: Zwei Jünglinge bei Mondaufgang am Meer
Artikelgliederung
1

Einleitung

Romantik (Kunst), ein aus dem Bereich der Literatur auch in die Kunstwissenschaft übernommener Begriff, der verschiedene europäische Kunstströmungen der Zeit zwischen etwa 1790 und 1840 zusammenfasst. Obwohl in der modernen Kunstgeschichte häufig als Epochenbegriff verwendet, bezeichnet er keinen eigentlichen Kunststil, der eine allgemein verbindliche Formensprache ausbildete, eher eine geistige Grundhaltung, die als Oppositionsbewegung gegen den Rationalismus auf vergleichbare antirational-gefühlsbetonte Bestrebungen in Literatur und Philosophie Bezug nahm und auch in Form eines umfangreichen kunsttheoretischen Schrifttums ihren Niederschlag fand. (Zum literatur- und geistesgeschichtlichen Hintergrund siehe romantische Literatur.) Charakteristisch dafür ist die Bemühung, die formale Strenge und Beherrschtheit des Klassizismus zu überwinden, und stattdessen Phantasie und individuelles Naturerlebnis zur zentralen künstlerischen Aussage zu erheben.

Architektur und Plastik blieben einer klassizistischen Formensprache verhaftet. Innerhalb der Baukunst machten sich romantische Bestrebungen allenfalls in einer Rückwendung zur Vergangenheit, insbesondere zu Stilformen der Gotik und Renaissance, bemerkbar, wie sie auch Karl Friedrich Schinkel, der führende Vertreter des deutschen Klassizismus, in seinen Bauwerken verwendete. Sie bildete die ideologische Grundlage der sich im 19. Jahrhundert entwickelnden Denkmalspflege. Eine Tendenz, Gebäude harmonisch in die Landschaft zu integrieren und offene Übergänge zwischen umbautem Raum und Natur zu schaffen, kam dem neuen romantischen Naturgefühl entgegen. Die eigentliche Domäne der Romantik innerhalb der bildenden Kunst war die Malerei, die ähnlich der Architektur formal wie stofflich teilweise der Vergangenheit zugewandt blieb (Wiederbelebung des mittelalterlichen Märchen- und Sagenschatzes analog zur romantischen Literatur), jedoch dem individuellen romantischen Naturerlebnis in Form einer neuen Landschaftsauffassung Ausdruck verschaffte, bei der Mensch und Landschaft eine innige Verbindung miteinander eingehen.

2

Frankreich

In Frankreich, wo die Anfänge der Romantik in die Zeit der Napoleonischen Kriege (1799-1815) fielen, fand sie ihren Ausdruck eher in heroisch-revolutionären Themen als in einer verinnerlichenden Naturbetrachtung wie in den nordeuropäischen Ländern. Antoine-Jean Gros, ein Schüler Jacques-Louis Davids, wies der romantischen Schule ihren Weg, indem er unter dem Einfluss des Barockmalers Peter Paul Rubens groß angelegte Schlachtenbilder mit bewegten Massenszenen um Napoleon schuf, in denen sich eine romantische Grundstimmung und kühnes Kolorit mit einer dem Klassizismus verhafteten Formgebung verband.

Den eigentlichen Beginn der französischen Romantik markiert das Werk des von Rubens stark beeinflussten Théodore Géricault, der das koloristische Moment von Gros’ Malerei weiterentwickelte und den Schwerpunkt der Schlachtenmalerei von der Heldenverehrung auf die Darstellung der Opfer und des Leidens verlegte. In seinen frühen Monumentalgemälden, wie Verwundeter Kürassier (1814, Louvre, Paris), wo sich ein Soldat vom Schlachtfeld schleppt, während Rauch und Wolken ihn unter sich zu begraben drohen, tragen besonders der kraftvolle Pinselduktus und der kräftige Helldunkelkontrast zum Eindruck der Isolation und Verwundbarkeit bei, die für Géricault und andere Romantiker zu den Grundbedingungen der menschlichen Existenz gehörten, und verdichten sich gleichzeitig zu einer Allegorie des geschlagenen Frankreich. In seinem Meisterwerk Das Floß der Medusa (1818/19, ebenda) das auf ein historisches Ereignis Bezug nimmt, steigerte er das Schicksal Einzelner ins Allgemein-Heroische.

Sein Bewunderer Eugène Delacroix, der bedeutendste Vertreter der französischen Romantik, bezog seine Themen wie für Das Massaker von Chios (1824, Louvre, Paris), das durch den Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken angeregt wurde, bevorzugt aus Literatur (Dante, Shakespeare, Goethe, Byron) und Geschichte (1830, Die Freiheit führt das Volk an). In Abkehr von der formalistischen Tradition der französischen Klassizisten, deren Werke den Eindruck statischer Ruhe erwecken, machte er leuchtendes Kolorit und Bewegtheit der Darstellung zu zentralen Aussageträgern seiner Bilder.

3

Deutschland

Die romantische Malerei in Deutschland wurde, wie Dichtung und Philosophie, von einem Naturbild getragen, das diese als Offenbarung des Göttlichen verstand. Dies zeigt sich besonders in der Landschaftsmalerei, die u. a. von den naturreligiösen Bildern Philipp Otto Runges, wie dessen Allegorien der Tageszeiten (1808, Der Morgen, Hamburger Kunsthalle), ihren Ausgang nahm, die Ausdruck seiner pantheistisch-mystischen Weltauffassung sind. Der bedeutendste Vertreter war Caspar David Friedrich, dessen symbolhafte, meditative Landschaften die Allgegenwart Gottes in der Natur thematisieren. Seine schwermütige Auffassung findet am prägnantesten in dem Gemälde Das Eismeer/Die gescheiterte Hoffnung (1824, Kunsthalle, Hamburg) ihren Ausdruck, das den Triumph der Natur über menschliches Streben anhand eines Polarseglers zeigt, der von Eisschollen zermalmt wird.

Die in Rom tätige Gemeinschaft der Nazarener, in der Künstler wie Johann Friedrich Overbeck (1789-1869), Franz Pforr (1788-1812), Wilhelm von Schadow (1788-1869), Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872) und Peter von Cornelius mitwirkten, versuchte Stil und Geist der mittelalterlichen religiösen Kunst wieder zu beleben. In ihrer religiösen Zielsetzung wirkte sie später anregend auf die englischen Präraffaelisten. Spätere Romantiker in Deutschland, deren Werke biedermeierhafte Züge annehmen (siehe Biedermeier), waren die Maler und Illustratoren Moritz von Schwind (1804-1871) und Ludwig Richter (1803-1884).

4

England

Auch in England schlug sich wie in Deutschland die romantische Naturauffassung besonders in der Landschaftsmalerei nieder. Samuel Palmer malte pastorale Ideallandschaften von visionärer Kraft, die besonders von der esoterisch-symbolistischen Weltauffassung William Blakes inspiriert waren. Die Landschaften John Constables, eines der ersten englischen Maler, die in der freien Natur arbeiteten, wirkten durch ihre atmosphärische Stimmung sowie die Unmittelbarkeit und Spontaneität seiner Beobachtungen revolutionierend. Die radikalste und visionärste Bildsprache jedoch entwickelte J. M. W. Turner, der mit Landschaften im Stil Claude Lorrains begann. In seinem Spätwerk, wie in Schneesturm auf dem Meer (1842, National Gallery, London), beginnen sich Umrisse und Konturen der Bildgegenstände in eine atmosphärische Farbmalerei aufzulösen, die Stilmittel des Impressionismus vorwegnimmt.

Eine von der Dichtung inspirierte Ausprägung mit symbolistischer Esoterik oder spukhaft-visionärer Phantastik fand die englische Romantik im Werk William Blakes oder Johann Heinrich Füsslis.

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