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Romantik (Literatur)

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Artikelgliederung
4.3

Erzählprosa

Friedrich Schlegels in seinem Brief über den Roman (1798) geäußerte Ansicht, romantisch sei, was „einen sentimentalen Stoff in einer phantastischen Form” darstelle, prägte in weiten Zügen das Bild der romantischen Erzählprosa. Als Vorbild hinsichtlich des thematischen Spektrums und der äußeren Form galt unbestritten Goethes 1795 und 1796 erschienener Roman Wilhelm Meisters Lehrjahre, außerdem Wilhelm Heinses Ardinghello und die glückseligen Inseln (1787) sowie die Romane von Jean Paul. Die Romanprojekte der Frühromantik, wie Novalis’ Heinrich von Ofterdingen (1802) und Tiecks Geschichte des Herrn William Lovell (1795-1796), der deutlich an Heinse anknüpfte, folgten dem Muster des Bildungs- und Entwicklungsromans oder gewannen, wie Friedrich Schlegels Aufsehen erregende Lucinde (1799), den Charakter eines Essays in epischem Gewand (bei Schlegel eine Abhandlung über das romantische Konzept der Ehe, mit deutlichen autobiographischen Bezügen). Das Ideenlastige sowie das Aufbrechen der Form durch die Einlage von Gedichten, Liedern und narrativen Binnentexten beeinträchtigte indessen (ähnlich wie im Fall des romantischen Dramas) häufig das Ergebnis, so dass der Roman innerhalb der Erzählprosa wenig Bedeutung gewann.

Eine Ausnahme machte der – allerdings meist in trivialer Form auftretende – Schauerroman, wie E. T. A. Hoffmanns durch Matthew Gregory Lewis angeregte Elixiere des Teufels (1815-1816). Die romantische Novellistik zeichnete sich gleichfalls durch phantastische Prägung aus. Sie lehnte sich an das Vorbild des Volksmärchens an, wie Tiecks Der blonde Eckbert (1797), Fouqués Das Galgenmännlein (1816) und Eichendorffs Aus dem Leben eines Taugenichts (1826), oder bewegte sich im Bereich einer gespenstisch-verfremdeten, unheimlichen Alltagswelt, wie die Fantasiestücke in Callots Manier (1813-1815) und die Nachtstücke (1816) von E. T. A. Hoffmann. Hoffmann schuf mit Der Goldene Topf zugleich ein exemplarisches romantisches Kunstmärchen, in dem sich übernatürliche Elemente mit Gesellschaftssatire und kunstphilosophischen Betrachtungen mischen. Sehr populär war in der Phantastik das – auch in Goethes Faust präsente – Motiv des Teufelspaktes, das u. a. Chamisso in seiner Meistererzählung Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1814) aufgriff.

Ein populäres Verfahren war die Einbindung mehrerer Erzählungen oder Novellen in einen fiktiven Gesprächsrahmen, in dem poetologische, kunsttheoretische und andere Fragen im Zusammenhang mit den Binnentexten diskutiert wurden. Neben Boccaccios langfristig wirksamem Muster (Decamerone, 1348-1353) waren hier Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (1794-1795) vorbildlich für Tieck (Phantasus, 1812-1816) und Hoffmann (Die Serapionsbrüder, 1819-1821). In beiden Werken ist in Text und Gespräch ein zentrales Thema das „Wunderbare in der Literatur”, das – ausgehend von den Schriften Johann Jacob Bodmers (Kritische Abhandlung von dem Wunderbaren in der Poesie, 1740) und Johann Jakob Breitingers (Kritische Dichtkunst, 1740) – die gesamte Erzählkunst der Romantik beherrschte und sich als wirkungsmächtigstes poetologisches Erbe der Epoche erwies. Vor allem bei Hoffmann standen phantastisch-transzendentale Phänomene als Manifestationen eines „höheren Seins” durchweg im Zusammenhang mit der Suche nach Welterkenntnis und der Vervollkommnung des Menschen im Kunstwerk.

4.4

Übersetzungen

Zunächst angeregt durch die Beschäftigung mit älteren literarischen Vorbildern, wie Shakespeare und Calderón, später durch die Idee einer nationenübergreifenden Literatur, entstanden in der deutschen Romantik zahlreiche Übersetzungen von hohem Niveau. Die bedeutendste Leistung war die Übertragung der Dramen Shakespeares, die von Caroline und A. W. Schlegel begonnen (1797-1810) und von Tieck, seiner Tochter Dorothea und Wolf Graf von Baudissin vollendet wurde (1825-1840). Schlegel übersetzte ferner die Dramen Calderóns (1803), Tieck CervantesDon Quijote (1799-1801).

Übersetzungen und Nachdichtungen der Werke von Homer, Vergil, Ovid, Horaz u. a. durch Johann Heinrich Voß erschlossen die Literatur der griechisch-römischen Antike erstmals breiten Bevölkerungsschichten. Mit angeregt durch Friedrich Schlegels Beschäftigung mit der indischen Dichtung folgten Übersetzungen der chinesischen und anderer asiatischer sowie orientalischer Literaturen. Die hierdurch ermöglichte Verbreitung dieser Werke war von weit reichender Wirkung auf die deutsche Literatur- und Theaterwelt.

5

Die Romantik außerhalb Deutschlands

Die Romantik in anderen europäischen Ländern fußte teils auf selbständigen literarischen Entwicklungen, erhielt jedoch durch die deutsche Spielart – die meist in Zusammenhang mit der deutschen Klassik gesehen wurde, vor allem in Bezug auf Goethe – die entscheidenden Impulse. In Einzelfällen ergaben sich auch persönliche Bekanntschaften oder zumindest eine briefliche Korrespondenz, wie zwischen Goethe und Byron.

Byron zählte mit Shelley, William Wordsworth und Samuel Taylor Coleridge zu den bedeutendsten Repräsentanten der englischen Romantik, die in der Lyrik von John Keats zu kühneren Positionen vordrang als die deutsche. In Frankreich regte François René de Chateaubriand mit seinem Roman René (1802) die romantische Bewegung mit an. Doch erst nach der Begegnung mit der zeitgenössischen deutschen Literatur, die vor allem durch die persönliche Mittlerschaft von Germaine de Staël (die zeitweise mit A. W. Schlegel liiert war) und ihr Werk De l’Allemagne (1813, Über Deutschland) in Frankreich bekannt wurde, setzte ihre Blütezeit ein. Die nachhaltigste Wirkung auf Autoren wie Alfred de Musset, Théophile Gautier, Gérard de Nerval, Alphonse de Lamartine, Alfred de Vigny und andere erzielten die Werke E. T. A. Hoffmanns, der hier oftmals als bedeutendster deutscher Autor über Goethe gestellt wurde. Die gesamteuropäische Romantik erhielt wiederum richtungweisende Impulse durch die Poetologie Victor Hugos, die er in der Vorrede zu seinem Drama Cromwell (1827) niederlegte.

Während sich die Entwicklung zur romantischen Poesie in Italien (Giacomo di Leopardi, Alessandro Manzoni), Spanien (Gustavo Alfredo Bécquer) und Portugal (Alexandre Herculano de Carvalho e Araújo) relativ selbständig vollzog, wurde sie in Skandinavien durch die häufigen Deutschlandreisen des Dänen Adam Oehlenschläger und des Schweden Per Daniel Otterbom sowie den in Jena wirkenden Norweger Henrik Steffens befördert. In Russland war die französische Literatur neben der (oftmals in französischer Übersetzung verbreiteten) deutschen von größtem Einfluss auf die Generation von Aleksandr Puschkin und Michail Lermontow. Die Romantik in den USA orientierte sich vorrangig an englischen Vorbildern und brachte so bedeutende Autoren wie James Fenimore Cooper, Washington Irving, Nathaniel Hawthorne und Herman Melville hervor.

6

Nachwirkung

Die Romantik relativierte das Gedankengut der Aufklärung mit tranzendentalphilosophischen Ansätzen, in denen sich die Philosophie des deutschen Idealismus vollendete, und bereicherte entscheidend die Ausdrucksskala von Dichtung, Kunst und Musik. Darüber hinaus initiierte ihr Interesse an der deutschen Vergangenheit (besonders am Mittelalter) erste systematische Forschungen auf den Gebieten der Geschichtswissenschaft (Leopold von Ranke), Germanistik (Jakob und Wilhelm Grimm), vergleichenden Sprachwissenschaft (Jakob Grimm), Romanistik (Friedrich Christian Diez), Religionsgeschichte (Görres, Johann Jakob Bachofen) und Rechtsgeschichte (Friedrich Karl von Savigny, Bachofen).

Der zunächst kosmopolitisch-universale politische Horizont der Romantik wich in den Befreiungskriegen endgültig einem national-konservativen Staatsverständnis, das zwar das Bewusstsein für den Volkscharakter schärfte, jedoch im Zuge der politisch-ökonomischen Umwälzungen des Vormärz im Verein mit einer subjektivistischen Welthaltung scheitern musste. Die sich bereits bei Kleist, Nikolaus Lenau und Georg Büchner andeutende Problematisierung der poetischen Subjektivität wandelte sich bei Heinrich Heine und den Autoren des Jungen Deutschland zum gesellschaftlich engagierten Dichtertum.

Andererseits wirkten viele kunsttheoretische Innovationen, wie das Prinzip des Gesamtkunstwerks, auf folgende Generationen (Richard Wagner, Thomas Mann), ebenso die zivilisations- und erkenntniskritische Haltung. Innerhalb der Dichtung fand die Romantik starken Widerhall im Symbolismus und Surrealismus, sowie in zahlreichen neuromantischen Strömungen.

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