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Veda

Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Veda (Sanskrit veda: Wissen), auch Weda, Plural: Veden bzw. Weden oder Vedas bzw. Wedas, die älteste religiöse Literatur der Inder. Die Veden begründeten die vedische Religion und gehören zugleich zu den heiligen Schriften des Hinduismus.

Der Veda besteht aus vier Hymnensammlungen, getrennten poetischen Abschnitten und zeremoniellen Formeln. Die ältesten Sammlungen heißen Rigveda, Samaveda, Yajurveda und Atharvaveda. Manchmal werden sie auch als die Samhitas (Lied- und Spruchsammlungen) bezeichnet. Siehe auch Sanskrit-Literatur

Die vier Veden wurden in Vedisch geschrieben, einer frühen Form des Sanskrit. Die Entstehung der ältesten Teile wird auf die Zeit zwischen 1300 bis 1000 v. Chr. datiert. In ihrer heutigen Form reicht die Geschichte der Veden nur bis etwa ins 3. Jahrhundert v. Chr. zurück. Vor der Niederschrift der heute verwendeten Texte wurde der Stoff der Veden mündlich von hinduistischen Weisen, den so genannten Rischis, überliefert. Dabei blieben viele der Erzählungen, die wahrscheinlich ursprünglich aus der indogermanischen oder der dravidischen Kultur Indiens stammten, erhalten und sind noch in den Texten zu erkennen (siehe indische Literaturen).

2

Inhalt

Bei den ersten drei Samhitas handelt es sich um rituelle Anleitungen, die in der vedischen Zeit von jenen drei Priesterklassen verwendet wurden, die für die Durchführung der Opferzeremonien verantwortlich waren. Es sind dies der Rigveda, der Samaveda und der Yajurveda. Der Rigveda enthält über 1 000 Hymnen (Sanskrit Rig: Hymne), die in verschiedenen Versmaßen geschrieben und in zehn Büchern zusammengefasst sind. Es wurde von den so genannten Hotri, oder Rezitanten, benutzt, die durch das laute Lesen der Hymnen die Götter anriefen. Der Samaveda enthält Versteile, die überwiegend dem Rigveda entnommen worden sind. Es wurde von den so genannten Udgatri, den Sängern, verwendet, die seine Hymnen bzw. Melodien (Sanskrit Sama: Melodie) sangen. Der Yajurveda besteht aus zwei revidierten Teilen, die teilweise in Prosa und teilweise in Versen abgefasst sind. Beide enthalten Opferformeln (Sanskrit Dschaja: Opfer), die jedoch unterschiedlich angeordnet sind. Es wurde von den so genannten Adhvaryu verwendet, Priestern, die die geeigneten Formeln aus dem Yajurveda rezitierten, während sie die Opferhandlungen vollzogen.

Der vierte Veda, der Atharvaveda erhielt seinen Namen, da er der Überlieferung zufolge teilweise einem Rischi namens Atharvan zugeschrieben wird. Er besteht fast ausschließlich aus einer großen Vielfalt von Hymnen, Zaubergesängen und Zaubersprüchen. Der Atharvaveda war insbesondere für den häuslichen Gebrauch bestimmt und ursprünglich von den Priestern nicht akzeptiert, vor allem, weil sein Inhalt von den anderen Texten abwich. Erst, nachdem die Brahmanen, Angehörige der vierten und höchsten hinduistischen Priesterkaste, das Buch bei den Opferzeremonien als rituelle Anleitung benutzten, wurde er offiziell anerkannt.

3

Ergänzende Schriften

Zum Textbestand der Veden gehören zusätzlich die so genannten Brahmanas und die Mantras. Erstere sind in Prosa verfasste Kommentare, die jedem einzelnen der vier Veden zugeordnet sind. Sie befassen sich mit den Details und der Interpretation der Opferliturgie. Bei den Mantras handelt es sich um die poetischen Verse der vier Veden, wobei der Begriff mantra speziell für diese Teile der vier Verssammlungen verwendet wird. Manche Gelehrte halten die Mantras für den ältesten Teil der Veden.

Als Ergänzungen zu den Brahmanas entstanden später esoterische Schriften, die so genannten Aranyakas oder Waldabhandlungen, wobei erster Begriff von dem Sanskrit-Wort für Wald (aranya) abgeleitet ist. Die Aranyakas wurden von brahmanischen Eremiten geschrieben und erläutert, die davon ausgingen, dass der endgültige Sinn der Schriften nur in völliger Abgeschiedenheit erfasst werden könne. Teile der Aranyakas werden als Upanishaden bezeichnet. Diese metaphysisch-spekulativen Meditationen stehen in einem engen Zusammenhang zu den Brahmanas. Sie betonen die Macht des geheimen Wissens und stellen die ersten hinduistischen Versuche dar, philosophische und theologische Gedanken systematisch zu erfassen und zu ordnen. Die Vedanta und die meisten anderen indischen philosophischen Systeme entwickelten sich aus den Upanishaden.

Die so genannten Sutras sind die jüngsten Schriften der vedischen Kultur. Der Begriff stammt ebenfalls aus dem Sanskrit und bedeutet wörtlich „Fäden”, womit hier eine „Kette” von Regeln, Unterweisungen und Anleitungen gemeint ist. Als Aphorismensammlungen, in denen die vedischen Opferriten und häuslichen Zeremonien (wie Heirats- und Bestattungsrituale) sowie das religiöse und weltliche Gesetz dargelegt werden, sind die Sutras vor allem aufgrund ihres Einflusses auf die Entwicklung des hinduistischen Gesetzes von Bedeutung. Hinsichtlich der ihnen zuerkannten Autorität stehen sie unter den Veden, Brahmanas und Upanishaden. Jene Texte, insbesondere aber die Veden, werden als quasi gottgegebene Apaurusheya verehrt (Sanskrit apaurusheya: nicht von menschlicher Abstammung).

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