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Indonesien

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Indonesien (Flagge und Hymne)Indonesien (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.3

Der Beginn der niederländischen Herrschaft

Die Niederländische Ostindische Kompanie (gegründet 1602) lieferte sich mit den Portugiesen und den Engländern einen Wettstreit um den Handel im Malaiischen Archipel. Generalgouverneur Jan Pieterszoon Coen gründete Batavia (heute Jakarta) als niederländisches Hauptquartier. Die Niederländer weiteten ihren Einfluss durch militärische Gewalt und durch Bündnisse mit einheimischen Herrschern aus. Auf einen kurzen Konflikt mit Mataram 1629 folgte eine Periode der Koexistenz. 1678 trat Mataram die Region Preanger in Westjava an die Kompanie ab. 1641 eroberten die Niederländer Malakka, doch dies garantierte längst nicht mehr die Kontrolle über den Gewürzhandel mit Europa. Die Ostindische Kompanie beschränkte den Anbau von Gewürznelken auf Ambon und von Muskat auf die Banda-Inseln und zerstörte gar die Bäume auf anderen Inseln; auf diese Weise wollte sie eine Monopolstellung erreichen.

Im 18. Jahrhundert führte die Kompanie den Anbau von Kaffee und anderen Nutzpflanzen auf Java ein und erhob Zwangsabgaben von den Bauern. Sie stützte sich dabei auf die Zusammenarbeit mit javanischen Adligen und Zwischenhändlern aus der wachsenden chinesischen Bevölkerung (die Holländer förderten die chinesische Einwanderung). 1755 bewirkten niederländische Interventionen die Teilung des Königreiches Mataram in die politisch unbedeutenden Fürstentümer Surakarta und Yogyakarta. In weiten Teilen des östlichen Archipels, abgesehen von den Molukken, behielten die lokalen Herrscher ihre innere Autonomie, mussten aber einen Sonderstatus der Kompanie akzeptieren. Finanzielle Misswirtschaft und ein Rückgang des Handelsvolumens führten zum Bankrott der Kompanie und 1799 zu ihrer Auflösung. Die niederländische Regierung übernahm danach die Kontrolle über ihre ostindischen Besitzungen.

7.4

Die Festigung der niederländischen Herrschaft

Während der Napoleonischen Kriege eroberten die Briten Java und die Molukken. Von 1811 bis 1816 versuchten sie die Verwaltung von Java zu zentralisieren und reformieren, was nicht gelang. 1816 gaben die Briten die eroberten Gebiete an die Niederlande zurück. In den Jahren 1825 bis 1830 mussten immense Geldsummen aufgewendet werden, um den Widerstand unter Anführung des javanischen Fürsten Diponegoro zu brechen. Die Niederländer annektierten große Teile der Fürstentümer in Mitteljava und führten 1830 das so genannte „Kulturensystem” ein, nach dem die Bauern einen Anteil ihres Landes (offiziell ein Fünftel, in der Regel aber weit mehr) dem Anbau von Exportfrüchten, außer Reis, vorbehalten mussten. Für die Kolonialmacht erwies sich dieses ausbeuterische System als äußerst gewinnbringend. Die Folge waren weit verbreitete Hungersnöte auf Teilen Javas in den vierziger und fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts.

Die Niederländer dehnten ihren Machtbereich weiter aus. Auf Sumatra nahmen sie 1837 große Bereiche in ihren Besitz und annektierten 1858 die Fürstentümer an der Nordostküste.

In den siebziger Jahren hatte eine Kampagne niederländischer Liberaler gegen das Kulturensystem Erfolg: Seine schlimmsten Auswüchse wurden beseitigt. Eine liberalere Politik gewährte nach dem Laisser-faire-Prinzip dem privaten Unternehmertum größere Freiräume. In der Folgezeit traten Öl, Zinn und Kautschuk zunehmend an die Stelle von Kaffee, Zucker und Tabak als Hauptexporte nach Europa. Diese Produkte stammten zum großen Teil nicht aus Java, sondern aus den neu eroberten Gebieten. Nach einem 30 Jahre währenden Krieg wurde 1908 Aceh unterworfen, Bali folgte 1909; zu dieser Zeit hatten die Niederländer bereits die Kontrolle über Sulawesi, die Molukken, die Kleinen Sunda-Inseln und den größten Teil Borneos gefestigt.

7.5

Das Aufkommen des Nationalismus

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts leiteten die Niederländer die so genannte „Ethische Politik” ein: Die Bevölkerung sollte mehr Selbstverwaltung erhalten. Die Landwirtschaft wurde modernisiert, ein Gesundheits- und Bildungswesen aufgebaut, und die Infrastruktur auf und zwischen den Inseln wurde verbessert. Im Zuge dieser Politik bildeten sich zwei neue Gruppierungen heraus: gebildete Indonesier mit nationalen Interessen und eine kleinere Gruppe Unternehmer, die den Konkurrenzkampf mit der immer noch überwiegend chinesischen Händlerschicht aufnahm. Die Unzufriedenheit der Indonesier mit der kolonialen Gesellschaftsstruktur nahm zu; eine politische und wirtschaftliche Rolle, die ihrer Bildung und ihren Fähigkeiten entsprochen hätte, blieb ihnen in diesem System verwehrt.

Die ersten antikolonialen Massenbewegungen wurden 1912 von der Islamischen Vereinigung (Sarekat Islam) ins Leben gerufen. Entstanden war die Union als Schutzgemeinschaft für Händler mit Batikwaren, doch bis 1918 zählte die Sarekat Islam bereits mehr als zwei Millionen Mitglieder im gesamten Archipel. Die Niederländer reagierten zunächst beschwichtigend; 1916 wurde der Volksraad („Volksrat”) gegründet, in dem ausgewählte Repräsentanten bedeutender Bevölkerungsgruppen vertreten waren. Nach dem 1. Weltkrieg und insbesondere nach einem fehlgeschlagenen, von Kommunisten geführten Aufstand in den Jahren 1926 und 1927 schlug die Regierung jedoch eine härtere Gangart ein.

Seit Anfang der zwanziger Jahre war die nationalistische Bewegung nicht mehr ausschließlich muslimisch dominiert; insbesondere Sukarno, ein Befürworter völliger Unabhängigkeit, der 1927 die Partai Nasional Indonesia (PNI; Indonesische Nationalpartei) gründete, machte von sich reden. Ungeachtet der mehrmaligen Verhaftung und Ausweisung von Sukarno (1929-1931, 1933-1942) und anderen nationalistischen Führern, wie z. B. Mohammed Hatta (1934-1942), und des Verbots der PNI und weiterer regierungsfeindlicher Parteien, hatte die nationalistische Bewegung weiter großen Zulauf. Erst mit der Verwicklung der Niederlande in den 2. Weltkrieg entspannten sich die Zustände für die indonesischen Parteien.

7.6

Die japanische Besetzung

1942 besetzten die Japaner Niederländisch-Indien. Um unter der indonesischen Bevölkerung Sympathien für ihr Regime zu gewinnen, übertrugen die Japaner Sukarno und seinen Gefährten einen eher symbolisch zu nennenden politischen Handlungsspielraum. Strategische Erwägungen bezüglich des Zugangs zu Bodenschätzen, insbesondere zu Ölquellen, und die Angst vor Gegenangriffen der Alliierten, bewogen die Besetzer jedoch dazu, ein diktatorisches Regime einzuführen.

Ab September 1943 richteten die Japaner auf Java, Bali und Sumatra Milizen ein; Tausende junger Männer wurden dort militärisch ausgebildet und bildeten nach dem Krieg den Kern einer Unabhängigkeitsarmee. Wegen der grausamen Behandlung und der zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatten sich die Indonesier jedoch von den Japanern abgewandt. Diese unternahmen im Oktober 1944 mit dem Versprechen der Unabhängigkeit Indonesiens einen letzten Versuch, die Bevölkerung gegen die befürchteten Angriffe der Alliierten zu mobilisieren und gewährten in der Folgezeit eine begrenzte Selbstverwaltung.

7.7

Der Unabhängigkeitskrieg

Am 17. August 1945, zwei Tage nach der Kapitulation Japans, riefen Sukarno und Hatta die unabhängige Republik Indonesien aus und wurden Präsident und Vizepräsident des neuen Staates. Ende September, als britische Soldaten auf den Inseln landeten, bestand bereits in zahlreichen Teilen Javas und Sumatras eine funktionierende republikanische Verwaltung. 1946 wurde das Abkommen von Linggajati unterzeichnet, in dem die Souveränität der Republik auf Java, Madura und Sumatra von den Niederländern de facto anerkannt wurde und die Bildung einer Föderation Indonesien vorgesehen war.

Im Juli 1947 unterstellten die Holländer der Republik jedoch Verstöße gegen das Abkommen und griffen militärisch an. Sie weiteten ihre Kontrolle über zwei Drittel von Java und große Ländereien und Ölfelder auf Sumatra aus. Proteste vor den Vereinten Nationen (UN) führten zur Bildung einer UN-Völkerrechtskommission, die die Unterzeichnung des Abkommens von Renville zwischen beiden Seiten überwachte. Eine niederländische Blockade des republikanischen Gebiets führte zu schweren Versorgungsengpässen und verstärkte die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung, die weiter mit den Niederländern verhandelte. Dies war eine der Ursachen für den Aufstand der Kommunisten gegen die republikanische Regierung im September 1948 in Madiun.

Im Dezember 1948 griffen die Holländer unter Missachtung der UN-Waffenstillstandslinie erneut an und nahmen die provisorische Hauptstadt Yogyakarta ein. Danach verhafteten sie den größten Teil der Regierung, darunter Sukarno und Hatta, und verwiesen sie des Landes. Trotz des offensichtlichen Erfolgs der Anfangsattacke zwangen der republikanische Guerillakampf und der Druck der internationalen Gemeinschaft die Niederländer zum Einlenken. 1949 willigten sie auf der Konferenz von Den Haag ein, bis zum Ende des Jahres die Souveränität über ganz Indonesien, mit Ausnahme von Westirian, der föderativen Republik der Vereinigten Staaten von Indonesien (RUSI) zu übertragen.

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