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Ökumenische Bewegung (von Ökumene, griechisch oikoumené: bewohntes Land), Bewegung, die eine weltweite Zusammenarbeit der christlichen Kirchen anstrebt. Sie orientiert sich an den frühchristlichen ökumenischen Konzilen. Das erste Konzil fand 325 in Nicäa statt. Die Ökumene des 20. Jahrhunderts wurde von den protestantischen Kirchen initiiert, die über die christliche Ökumene hinaus sich auch für eine Verständigung und ein Miteinander mit nichtchristlichen Glaubensgemeinschaften und Gläubigen einsetzen. Im 19. Jahrhundert kam es zu Gründungen verschiedener Organisationen: Missions- und Bibelgesellschaften, des Christlichen Vereins Junger Männer sowie des Christlichen Studentenweltbundes, in denen sich verschiedene protestantische Gruppen zusammenschlossen.
Die Weltmissionskonferenz in Edinburgh von 1910 markierte den Beginn der modernen ökumenischen Bewegung, wobei drei Grundziele bestimmend waren: gemeinsames Handeln in der Mission, Einheit in der Verkündigung von Jesus Christus sowie gemeinsamer Dienst an der Welt. Diesen drei Aufgaben widmet sich heute der Ökumenische Rat der Kirchen, der 1948 gegründet wurde und dem 1994 über 320 Kirchen in mehr als 90 Ländern angehörten. Die Bemühungen um die Verkündung des Evangeliums fanden 1921 ihren Ausdruck in der Gründung des Internationalen Missionsrates, dem 17 nationale missionarische Organisationen angehörten. Er koordinierte die Missionsstrategien und unterstützte neu gegründete Kirchen. Kirchendienst über Bekenntnis- und Staatsgrenzen hinweg konnte u. a. 1925 in Stockholm bei der ersten Weltkonferenz für Praktisches Christentum, die das Motto „Lehre trennt, Dienst aber verbindet” hatte, realisiert werden. Die Bemühungen um Einheit in der Lehre führten 1927 zur Einberufung der 1. Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung wiederum in Stockholm. Die Nachfolgekonferenz 1937 in Edinburgh und die im selben Jahr abgehaltene Konferenz für Praktisches Christentum entwickelten die zehn Jahre zuvor formulierten Ziele eines einheitlichen Glaubens weiter. 1961 schloss sich die missionarisch orientierte protestantische ökumenische Bewegung, der Internationale Missionsrat, dem Ökumenischen Rat der Kirchen an. In der Bundesrepublik wurde 1948 analog zum Weltkirchenrat die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Bundesrepublik und in Berlin (West) gegründet, und 1950 schlossen sich 29 verschiedene Glaubensrichtungen in den Vereinigten Staaten zum National Council of Churches (Staatsrat der Kirchen) zusammen. Die katholische Kirche lehnte die ökumenischen Bestrebungen jedoch weiterhin ab. Für den Vatikan war eine Einigung nur durch die Rückkehr der Schismatiker (siehe Schisma) zur „einzig wahren Kirche”, der katholischen Kirche, zu vollziehen. Die Enzyklika Mortalium animos von Papst Pius XI. aus dem Jahr 1928 hatte diese Position festgelegt. 1954 war Katholiken die Teilnahme an der zweiten Vollversammlung des Weltkirchenrates untersagt.
Die Haltung der katholischen Kirche änderte sich durch das Zweite Vatikanische Konzil. Zunächst wurde ein Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen eingerichtet. 1961 konnten die ersten offiziellen katholischen Beobachter an der dritten Vollversammlung des Weltkirchenrates teilnehmen. Protestantische und orthodoxe Gäste waren bei der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Peterskirche 1962 dabei und wurden auch zu allen Arbeitssitzungen zugelassen. Die 2 500 Bischöfe der römisch-katholischen Kirche, die an den vier Konzilssitzungen teilnahmen (1962-1965), befassten sich auch mit der Frage der Einheit des Christentums. In ihrem Dekret zur Ökumene von 1964 werden die nichtkatholischen Kirchen erstmals nicht mehr als „Schismatiker”, sondern als „abtrünnige Brüder” bezeichnet. Außerdem wird betont, dass sowohl Katholiken wie Protestanten zur Spaltung beigetragen hätten. Nach dem Tod von Papst Johannes XXIII. 1963 verkündete sein Nachfolger Papst Paul VI. seine Absicht, die Ökumene als „Gegenstand ständigen Interesses, systematischer Erforschung und fortwährender Nächstenliebe” fortzuführen. 1964 kam es zwischen dem Papst und dem orthodoxen Patriarchen in Jerusalem zum ersten offiziellen Treffen beider Kirchenoberhäupter seit mehr als 500 Jahren; 1966 kam es zu einem Treffen zwischen dem Erzbischof von Canterbury, Oberhaupt der anglikanischen Kirche, mit Papst Paul VI., 1967 zu einem Treffen mit dem orthodoxen Patriarchen in der Türkei. Nach dem Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 wurde eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Vatikans und des Ökumenischen Rats der Kirchen eingesetzt. Bis heute ist die katholische Kirche kein Mitglied im Ökumenischen Rat, sie entsendet zu seinen Sitzungen aber regelmäßig Beobachter.
Seit den achtziger Jahren ist die ökumenische Bewegung durch eine zunehmende Übereinstimmung in allgemeinen Glaubensfragen und durch eine stärkere Zusammenarbeit in vielen Bereichen gekennzeichnet. In den Bereichen Friedensarbeit, internationale Entwicklungshilfe und Katastrophenhilfe arbeiten die römisch-katholische Kirche und der Weltkirchenrat eng zusammen. Umstritten zwischen der katholischen Kirche und der Ökumene sind nach wie vor die Fragen der Ordination von Frauen und des Zölibats, die Autorität des Papstes, die Mariologie und die Empfängnisverhütung. Nach fast 500 Jahren Streit legten Katholiken und Lutheraner ihre Differenzen über die Rechtfertigungslehre 1999 bei. Wie der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Ishmael Noko, und der Präsident des Vatikanischen Einheitsrates, Kardinal Edward Cassidy, erklärten, herrsche von nun an konfessionsübergreifender Konsens darüber, dass ein Mensch von Gott allein aus Gnade und nicht auch aufgrund von Verdiensten angenommen werde. Da die Rechtfertigungslehre einer der Hauptgründe für die Kirchenspaltung war, wurde die Einigung von beiden Seiten als entscheidender Durchbruch für den Prozess der Ökumene gewertet.
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