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Schrift

Enzyklopädieartikel
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Stein von RosetteStein von Rosette
Artikelgliederung
1

Einleitung

Schrift, Zeichensystem zur zwischenmenschlichen Kommunikation mit Hilfe optisch wahrnehmbarer, systematisch organisierter, willkürlicher (arbiträrer) Zeichen. Schrift besteht entweder aus einem eingeschränkten oder aus einem vollständig entwickelten System. In einem vollständig entwickelten Schriftsystem lassen sich alle Vorstellungen unzweideutig darstellen, die sich mit gesprochener Sprache ausdrücken lassen.

2

Eingeschränkte Schriftsysteme

Eingeschränkte Schriftsysteme werden im Allgemeinen in der Buchführung benutzt oder dienen als Hilfsmittel mit mnemotechnischer Funktion (als Lernhilfe zur leichteren Einprägung schwieriger Sachverhalte, z. B. Eselsbrücke). Zu diesen eingeschränkten Schriftsystemen gehören Bilderschrift (oder: Piktographie), Ideographie und die Verwendung von markierten oder unmarkierten Objekten als mnemotechnische Hilfsmittel. Charakteristisch für derartige Systeme ist ein hohes Maß an Mehrdeutigkeit, da es keine festgelegte Entsprechung zwischen den Zeichen des Schriftsystems und der dadurch dargestellten Sprache gibt. Aus diesem Grund ist die Auslegung eines eingeschränkten Schriftsystems in der Regel sprachabhängig. Piktogramme, Ideogramme oder Objekte haben die Aufgabe, Vorstellungen oder Eindrücke in Erinnerung zu bringen, die anschließend durch die Sprache ausgedrückt werden. Dieses Verfahren wurde auch in der altamerikanischen Bilderschrift angewandt. Auch ohne Kenntnisse der altamerikanischen Indianersprachen kann im Prinzip jeder diese Bilder „lesen”. Die Assoziationen, die von solchen Bildern hervorgerufen werden, sind jedoch bedeutungslos oder missverständlich, wenn man den kulturellen Hintergrund des Schreibers nicht kennt. Piktographie ist das älteste Schriftsystem.

3

Vollständige Schriftsysteme

Ein vollständig entwickeltes Schriftsystem kann jeden mündlich formulierten Gedanken darstellen. Es zeichnet sich durch eine mehr oder weniger festgelegte Entsprechung zwischen den Zeichen des Schriftsystems und den Elementen der damit dargestellten Sprache aus. Die dargestellten Sprachelemente können Wörter, Silben oder Phoneme (die kleinsten sprachlichen Einheiten, die zwischen zwei verschiedenen Äußerungen in einer Sprache unterscheiden) sein. Schriftsysteme lassen sich daher in Wortschriften (oder Logographien), Silbenschriften oder Alphabetschriften einteilen. Da ein vollständig entwickeltes Schriftsystem die Elemente einer Sprache darstellt, muss man eine Sprache kennen, um die von einem Schreiber beabsichtigte Bedeutung verstehen zu können. Das bedeutet nicht, dass ein Schriftsystem an eine bestimmte Sprache gebunden ist. Schriftsysteme lassen sich vielmehr verhältnismäßig leicht von einer Sprache auf die andere übertragen. Es bedeutet nur, dass ein vollständig entwickeltes Schriftsystem anders als ein piktographisches System einem Leser ohne Kenntnis der zugrunde liegenden Sprache keine Bedeutung vermittelt.

4

Wortschrift (Logographie)

Kennzeichen der Wortschrift sind zahlreiche, Logogramme genannte graphische Zeichen, die ganze Wörter darstellen. Häufig stellen solche Zeichen eine Reihe verwandter Wörter dar. In einigen Fällen steht ein Zeichen für mehrere nicht aufeinander bezogene unterschiedliche Wörter. In einer rein logographischen Schrift werden solche Unterscheidungen meist nicht aufgelöst, weshalb das Geschriebene mehrdeutig ist. Mit speziellen Zeichen lässt sich diese Mehrdeutigkeit auflösen, das Logogramm kann somit richtig gedeutet werden. Diese Zeichen zeigen semantische und phonetische Eigenschaften an und werden oft Determinative und phonetische Ergänzungen genannt. Determinative sind Zeichen, die die Klasse oder Kategorie des vom Logogramm dargestellten Wortes anzeigen. Sie haben keinen Lautwert, sondern dienen ausschließlich der semantischen Differenzierung. Die phonetische Ergänzung (phonetisches Komplement) wird in ähnlicher Weise verwendet. Sie hat aber eine spezifischere Funktion, da sie Hinweise auf die Aussprache des vom Logogramm dargestellten Wortes gibt. In der heutigen deutschen Alphabetschrift wird beispielsweise das Logogramm „2” als „zwei” gelesen. Um aber die Ordnungszahl darzustellen, wird die phonetische Ergänzung „.” (Punkt) an das Logogramm angehängt, und das Logogramm sowie die phonetische Ergänzung werden als „zweite”, „zweiter” usw. gelesen. In diesem Beispiel wird erstmals ein Zeichen für rein phonetische (oder nichtlogographische) Zwecke eingesetzt. Das heißt, das Zeichen dient nicht dazu, einen Gedanken und das damit verbundene Wort, sondern einen Laut, der Teil des als Logogramm gelesenen Wortes ist, zu rekapitulieren. Phonetische Ergänzungen werden wie Determinative nicht mitgelesen, sondern sollen ausschließlich das Lesen des betreffenden Logogramms erleichtern.

Die Darstellungsform mit Hilfe von Logogrammen genügt zur Identifizierung der meisten Substantive und einfachen Verben, nicht jedoch der Mehrzahl der Adjektive und Adverbien und keinesfalls der Pronomen und Eigennamen. Allein durch die Verwendung von Logogrammen können nicht alle Schattierungen der Flexionsendungen von Kasus und Verben abgebildet werden. Ohne diese Fähigkeit kann ein rein logographisches Schriftsystem nicht als vollständig entwickeltes Schriftsystem bezeichnet werden, auch wenn es semantische und phonetische Ergänzungen beinhaltet.

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