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Indianersprachen

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5

Sprachliche Merkmale

Wenn man die extremen genetischen Unterschiede zwischen den einzelnen Indianersprachen bedenkt, nimmt es nicht wunder, dass sie auch in Lautung und Grammatik stark auseinanderfallen. Es findet sich jedoch kein sprachliches Merkmal, das ausschließlich für Indianersprachen typisch ist. Die Vielfalt wird im Folgenden anhand des breiten Spektrums von Merkmalen gezeigt, aus denen die strukturellen Eigenschaften dieser Sprachen erkennbar werden.

5.1

Phonologie

Die Indianersprachen weisen eine große lautliche Vielfalt auf.

5.1. 1

Konsonanten

Glottalisierte Konsonanten entstehen, wenn die Stimmbänder geschlossen sind, während der Laut mit verstärktem Druck produziert wird. Solche Laute kommen in Nordamerika u. a. in den athabaskischen, Sioux- und Salish-Sprachen vor, in Mittelamerika u. a. in den Maya-Sprachen und in Südamerika u. a. im Ketschua und Aymara.

Aspirierte Konsonanten entstehen, wenn auf die Explosion des Konsonanten ein kurzer Moment der Behauchung folgt (z. B. ist das t in tip aspiriert). In Nordamerika besitzen die Vertreter der Sioux-, der Pomo- und der Yuman-Sprachgruppe solche Laute, in Mittelamerika die taraskischen und die Oto-Mangue-Sprachen und in Südamerika u. a. das Inselkaribische (arawakischer Herkunft) und das Ketschua.

Retroflexive Konsonanten entstehen, wenn die Zungenspitze nach hinten eingerollt gegen den harten Gaumen artikuliert. (Wenn Inder Englisch sprechen, sind manche ihrer d- und t-Laute retroflexiv.) In Nordamerika besitzen die Pomo-, die Yuman- und verschiedene kalifornische Sprachen diese Konsonanten, in Mittelamerika die Mam- und die Kanjobal-Zweige der Maya-Sprachen und in Südamerika Vertreter der Pano- und der Tacaná-Familien, das Araukanische und einige andere Sprachen.

Uvulare Konsonanten entstehen noch weiter hinten im Mund als das k oder g; sie kommen auch im Hebräischen und Arabischen vor (der Verschluss wird in der Schrift als q wiedergegeben). Diese Laute finden sich in Nordamerika in der Eskimo-Alëut-Familie, den nördlichen utoaztekischen Sprachen und dem kalifornischen Athabaskischen, in Mittelamerika im Totonakischen und den Maya-Sprachen und in Südamerika im Toba (Guaikuru-Familie), Ketschua und Aymara.

Der velare nasale Konsonant ist der Laut ng im deutschen Fang. Er findet sich in Nordamerika in den Eskimosprachen, im Haida, den Yuman-Sprachen, den kalifornischen athabaskischen Sprachen und den nördlichen utoaztekischen Sprachen, in Mittelamerika in den Maya-Sprachen und im Zoque und in Südamerika u. a. im Araukanischen und in den Jívaro-Sprachen.

Stimmlose Nasal- und Gleitlaute sind Laute ähnlich einem geflüsterten m, n, w und y. In Nordamerika finden sie sich in den östlichen Pomo-Dialekten und im Tuscarora (Irokesisch), in Mittelamerika im Náhuatl, in den oto-mangueanischen Sprachen und, als Endkonsonanten, im Quiché und Totonakischen und in Südamerika als Endkonsonanten im Toba und als Nasale im Zamuko.

Ein stimmloses I (wie ein geflüstertes I) findet sich in Nordamerika in einigen Yupik-Eskimo- und kalifornischen Sprachen sowie bei den Vertretern der athabaskischen, der Salish- und der Muskogee-Familie, in Mittelamerika im Tequistlatekischen und in Südamerika u. a. im Araukanischen und im Machoto.

Laterale Affrikaten (Verbindungen eines Verschlusslautes mit einem unmittelbar nachfolgenden Reibelaut derselben Stimmqualität) ähneln einem kräftig aspirierten tl. In Nordamerika finden sich diese Laute bei den Vertretern der athabaskischen, der Sahaptin- und der Wakashan-Sprachen und in Mittelamerika bei den Náhuatl- und den Totonak-Sprachen.

5.1. 2

Vokale

Stimmlose Vokale finden sich in Nordamerika im Zuñi, Hopi und Keres (Pueblo-Sprachen), in den Plateau-Shoshone-Sprachen (utoaztekisch) sowie im Cheyenne (Algonkin-Ritwan), in Mittelamerika im Totonakischen und einigen oto-mangueanischen Sprachen und in Südamerika u. a. in den Tukuna-Sprachen.

Nasalierte Vokale (wie im französischen bon) kommen in Nordamerika in den athabaskischen, östlichen Algonkin-, Irokesen-, Sioux-, Muskogee- und Kiowa-Tano-Sprachen vor. In Mittelamerika finden sie sich in den Oto-Mangue-Sprachen und in Südamerika in verschiedenen Sprachen, vor allem denen der Makro-Gê-, der Tupí- und der Pano-Gruppe.

Der Vokal i, ein hoher, zentraler, ungerundeter Laut, kommt in Nordamerika im Comanche (Plateau-Shoshone) und im Küsten-Tsimshian vor, in Mittelamerika in der Mixe-Zoque-Familie, im Chol- und im yukatekischen Maya, in Otomí (oto-mangueanisch) und einigen anderen Sprachen. Er ist auch in Südamerika verbreitet, u. a. im Araukanischen, im Guaraní, Guaymí (chibchanisch) sowie in den Pano- und den Tukana-Familien.

5.1. 3

Tonaler Akzent

In einer Sprache mit tonalem oder Tonhöhenakzent unterscheidet ein Wechsel in der Tonhöhe Wörter, die andernfalls genau gleich klingen würden. Der tonale Akzent findet sich in Nordamerika in den folgenden Sprachen und Sprachgruppen: im Athabaskischen, Mohikanischen und Cherokee (irokesisch), im Crow (Sioux-Sprache), im Cheyenne, Arapaho und Penobscot (Algonkin-Ritwan) sowie in einigen Pomo-Dialekten. In Mittelamerika kommt er u. a. im Yukatekischen und im Uspanteco-Mayanischen sowie den oto-mangueanischen Sprachen vor, in Südamerika im Tukana und den Pano-, Chibcha- und Witoto-Sprachen.

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