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IndianersprachenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In manchen Indianersprachen sind Sprachverhalten und Sprachanwendung geschlechtsspezifisch. Diese Besonderheit findet sich in Nordamerika im Yanan, Muskogee und Atsina und in Südamerika u. a. im Inselkaribischen, im Karif (Arawakisch), Cocama (Tupí-Sprache) und Tacaná. Eine vom übrigen Sprachgebrauch abgehobene, rituelle Sprache – besondere Formen, die Festen und Zeremonien vorbehalten sind – gibt es im Irokesischen, in Zuñi, Maya, Náhuatl, Ketschua und einigen anderen Sprachen. In manchen Gegenden, in denen mehrere Sprachen gesprochen werden, bildeten sich Handelssprachen heraus, die mit reduziertem Wortschatz und vereinfachter Grammatik eine Mischung aus mehreren Sprachen darstellen. Dazu gehören in Nordamerika das Wawa, das Mobilian und die Handelssprache von Delaware. Wieder andere Sprachen entwickelten eine besondere Form der Pfeifsprache, in der die Melodie des Pfeifens dem Tonhöhenverlauf der Sprache entspricht. Solche Pfeifsprachen werden z. B. bei der Brautwerbung eingesetzt. Man findet sie in Mexiko an der Grenze zu Texas im Kickapoo (Algonkin-Ritwan), in Mittelamerika in einigen oto-mangueanischen Sprachen, Náhuatl-Dialekten und den totonakischen Sprachen und in Südamerika im Aguaruna (Jívaro) und Sirionó (Tupi-Sprache).
Die Inka, deren Sprache das Ketschua war, verwendeten das quipu (eine geknotete Schnur, mit der gerechnet wurde) zur Aufzeichnung von Informationen; daneben malten sie Zeichen auf Bohnen und webten ikonographische Symbole in Textilien. Alle diese Mittel dienten der Aufzeichnung und Weitergabe von Informationen, stellen aber noch keine wirkliche Schrift dar. In Nordamerika bildeten sich – meist durch das unmittelbare Studium der europäischen Sprachen oder auch durch Anregungen, die von ihnen ausgingen – bei manchen Indianerstämmen interessante Schreibsysteme heraus. Dazu gehören vor allem die Silbenschriften der Cherokee, Micmac, Cree und Inuit (jedes Symbol stellt den Klang einer bestimmten Silbe dar). Echte Schreibsysteme entwickelten sich in präkolumbianischer Zeit nur in Mittelamerika. Man weiß, dass Hieroglyphenschriften von den Azteken, den Mixteken, den Zapoteken von Oaxaca, den Sprechern der Mixe-Zoque-Sprachen und den Maya verwendet wurden. Sie basieren auf Morphemzeichen, d. h., die Hieroglyphen sind Logogramme, in denen das Zeichen ein ganzes Wort darstellt. Diese Zeichen wurden durch Bilder ergänzt, in denen das Zeichen für ein Wort dazu benutzt wurde, ein anderes Wort darzustellen, das genauso wie das erste klingt. Im klassischen Maya gab es darüber hinaus noch phonetische Zeichen, die den Silbenwert Konsonant + Vokal hatten. Aus der Erforschung der Indianersprachen resultieren lohnende Erkenntnisse bezüglich der linguistischen Theorie, des Sprachwandels, der Vorgeschichte des amerikanischen Kontinents und der Beziehungen zwischen Sprache und Kultur einerseits und Sprache, Denkweisen und Wahrnehmung andererseits. Obgleich viele dieser Sprachen im Aussterben (siehe Sprachtod) begriffen sind, haben sich im 20. Jahrhundert immer mehr Menschen, deren Muttersprache die Indianersprachen sind, ihrer systematischen Erforschung zugewandt.
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