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Wörterbuch

Enzyklopädieartikel
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Wilhelm und Jacob GrimmWilhelm und Jacob Grimm
Artikelgliederung
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Einleitung

Wörterbuch, in der Regel alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk mit Wörtern einer Sprache (oder mehrerer Sprachen), dessen Systematik nach seiner Funktion bestimmt wird. Demnach unterscheidet man verschiedene Typen von Wörterbüchern. Das orthographische Wörterbuch etwa gewährt einen Einblick in die Regeln der Rechtschreibung (im deutschen Sprachraum ist hierbei der Rechtschreib-Duden verbindlich). Andere Wörterbücher erläutern die korrekte Aussprache. Neben Bedeutungswörterbüchern gibt es Fremdwörterbücher (Erklärung von Wörtern fremder Sprachen), Mundartenwörterbücher (Erklärung von Dialektwörtern), ideomatische Wörterbücher (Erklärung von Redewendungen) und etymologische Wörterbücher (Erklärungen der Wortherkunft). Synonymwörterbücher geben alternative Begriffe zu einzelnen Wörtern an, während Häufigkeitswörterbücher deren quantitatives Auftreten berücksichtigen. Eine weitere Sonderform ist das Bildwörterbuch, das Abbildungen der Dingwelt die entsprechende Bezeichnung zuordnet. Phraseologische und syntagmatische Wörterbücher illustrieren die Verwendung einzelner Begriffe im Satzzusammenhang. Außerdem gibt es Wörterbücher zu Fach-, Sonder- und Gruppensprachen und solche, die individualsprachlich ausgerichtet sind (Goethe-Wörterbuch). Manche Wörterbücher ordnen alphabetisch nicht vom Anfang, sondern vom Ende der Wörter her (rückläufige Wörterbücher).

Das Wörterbuch ist eine Sonderform des Lexikons. Es ist von der Enzyklopädie insofern unterschieden, als es eher den sprachlichen und nicht so sehr den Bedeutungsaspekt einzelner Wörter in den Vordergrund stellt.

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Geschichte

Die ältesten bekannten Wörterbücher wurden in der Bibliothek des assyrischen Königs Assurbanipal in Ninive gefunden. Sie stammen aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. Die auf Tontafeln in Keilschrift festgehaltenen Erläuterungen sind heute der Schlüssel zum Wissen über die mesopotamische Kultur. Erste indische, chinesische und arabische Wortlisten, die je nach Kulturraum zwischen dem 2. und 8. Jahrhundert n. Chr. entstanden, interpretieren die verschiedenen heiligen Schriften. Den ersten Versuch, das gesamte arabische Vokabular systematisch zu erfassen, unternahm wahrscheinlich Khalil ibn Ahmad von Oman, der eine Anordnung entwickelte, die auf bestimmten phonetischen (lautlichen) Prinzipien beruhte. Die Zusammenstellung hebräischer Wörterbücher begann etwa im 10. Jahrhundert und erhielt ihre Anregung durch das Studium des Arabischen.

Die ersten Wörterbücher der Griechen und Römer dienten nicht zur systematischen Erfassung der eigenen Sprache, sondern waren Glossare ungewöhnlicher Wörter oder Redewendungen. Die griechische Lexikographie beginnt in der hellenistischen Periode mit einer Sammlung von Ausdrücken Homers, die der Philosoph Apollonius im 3. Jahrhundert v. Chr. zusammentrug. Das älteste überlieferte Wörterbuch des lateinischen Sprachraumes ist De verborum significatu (Über die Bedeutung der Worte) von Verrius Flaccus. Das alphabetisch geordnete Werk aus der augustinischen Zeit diente während des Mittelalters den Verfassern von Handbüchern als wichtige Quelle. Eines der ältesten zweisprachigen Wörterbücher stammt von dem Mönch Ambrogio Calepino. 1502 fertig gestellt, war es zunächst als lateinisch-griechisches Fremdwörterbuch gedacht und wurde dann hinsichtlich des Italienischen, Französischen und Spanischen erweitert. Eine Baseler Ausgabe von 1590 enthält elf Sprachen.

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Deutschsprachige Anfänge

Im deutschsprachigen Raum nimmt die Wörterbuchtradition in den althochdeutschen Glossen ihren Anfang. Diese Randbemerkungen in Handschriften erklärten ungebräuchliche oder fremdsprachige Wörter bzw. Redewendungen. Sie wurden zwischen die Zeilen des zu erläuternden Textes oder an den Seitenrand geschrieben (Interlinear- bzw. Marginal-Glosse). Oftmals wurden die in einer Handschrift verzeichneten Glossen in Sammelbüchern (Glossaren) zusammengefasst. So entstanden im Spätmittelalter Wörterbücher, die lateinische Begriffe ins Volkssprachliche übersetzten, Synonyme anboten oder Benutzerhinweise hinsichtlich von Betonungs- und Rechtschreiberegeln (oftmals in Merkgedichten) gaben. Das erste überlieferte Beispiel hierfür ist das lateinisch-griechisch-hebräisch-niederdeutsche Wörterbuch des Chronisten Dietrich Engelhus (1362-1434), das dieser für den Schulgebrauch anfertigte. Erstmals gedruckt wurde ein deutschsprachiges Wörterbuch von G. van der Schueren in Köln. Sein Teuthonista oder Duytschlender von 1477 steht ganz im Zeichen des Humanismus. Andere Wörterbücher dienten der Verbreitung von Sprichwörtern (z. B. Georg Henischs Teütsche Sprach und Weißheit, 1616). Seit dem 17. Jahrhundert dann begann man damit, gesamtsprachbezogene Wörterbücher und Stammwörterbücher zu verfassen, was etwa in Caspar Stielers Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs oder Teutscher Sprachschatz von 1691 zum Ausdruck kommt. Ein Konzept für ein gesamtsprachliches Wörterbuch entwickelten u. a. Johannes Brödiker, Gottfried Wilhelm Leibniz und Daniel Ernst Jablonski. Daneben wurden im 18. Jahrhundert Wörterbücher geplant, die eine literatursprachliche Leitschnur für angemessenes Reden und Schreiben sein sollten. Unter anderem Gotthold Ephraim Lessing, Friedrich Gottlieb Klopstock und Christoph Martin Wieland traten dafür ein. Beide Projekte konnten nicht verwirklicht werden. Allerdings erschien der für die Entwicklung des deutschen Wörterbuches einschneidende fünfbändige Versuch eines vollständigen, grammatisch-kritischen Wörterbuchs der hochdeutschen Mundart, den Johannes Christoph Adelung zwischen 1774 und 1786 herausgab. Anfang des 19. Jahrhunderts dann kam Joachim Heinrich Campes Wörterbuch der Deutschen Sprache (5 Bde., 1807-1811) heraus.

Den eigentlichen Beginn der modernen Lexikographie im deutschsprachigen Raum aber markiert das Großprojekt des Deutschen Wörterbuchs von Jacob und Wilhelm Grimm, das 1854 begonnen und erst 1971 abgeschlossen wurde.

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Weitere bedeutende Wörterbücher

Das 1440 von dem Dominikanermönch Galfridus Grammaticus herausgegebene Promptorium Parvulorum Sive Clericorum, das etwa 10 000 lateinische Entsprechungen für englische Begriffe aufführt, kann als erstes englischsprachiges Wörterbuch angesehen werden. Zu den ersten bedeutenden Wörterbüchern, die nicht in Latein, sondern in einer Volkssprache geschrieben wurden, gehören das italienische Vocabulario degli Accademici della Crusca (1612) und das Dictionnaire der Académie française (1694). Ein Diccionario de la langua Española (Wörterbuch der spanischen Sprache) wurde zwischen 1726 und 1736 von der Akademie in Madrid herausgegeben. Der erste historisch bedeutende Beitrag zur amerikanischen Lexikographie war A New and Accurate Standard of Pronounciation (1783) von Noah Webster. Ein wichtiges Wörterbuch des Französischen ist das zweibändige Dictionnaire de l’Académie-Française (8. Auflage, 1931-1935). Moderne französische Wörterbücher sind das Dictionnaire de la langue française (7 Bde., 1956-1958), das auf einem Werk des Sprachwissenschaftlers und Philosophen Maximilien Paul Émile Littré (1863-1878) basiert, und der Grand Larousse de la langue française (7 Bde., 1971-1978). Das Standardlexikon der modernen italienischen Sprache ist das Grande dizionario della lingua italiana (seit 1961), das der spanischen Sprache das Diccionario de la lengua española (19. Auflage, 1970). Für die russische Sprache gelten die beiden Wörterbücher Slovar’ russkogo iazyka (4 Bde., 1957-1961) und Slovar’ sovremennogo russkogo literaturnogo iazyka (17 Bde., 1950-1965) als verbindlich. Das umfangreichste lexikographische Wörterbuch weltweit ist The Oxford English Dictionary, ein inzwischen zwanzigbändiges Werk, das bereits 1857 begonnen wurde.

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