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Windows Live® Suchergebnisse Thomas EakinsEnzyklopädieartikel
Thomas Eakins (1844-1916), amerikanischer Maler, wichtigster Vertreter der realistischen Malerei in den USA. Er arbeitete unabhängig von den damals in Europa vorherrschenden Stilrichtungen und war nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865) der erste amerikanische Maler, der ein tiefgründiges und ausdrucksstarkes Gesamtwerk schuf, das direkt aus der Erfahrung seiner unmittelbaren Lebenswelt entstand. Eakins wurde am 25. Juli 1844 in Philadelphia geboren und absolvierte von 1861 bis 1866 ein Zeichenstudium an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts. Parallel hierzu betriebene Anatomiestudien am Jefferson Medical College bezeugen sein tief greifendes wissenschaftliches Interesse, und die Medizin sollte auch fortan ein bevorzugtes Sujet seiner Malerei bleiben. 1866 bis 1869 setzte er seine Ausbildung an der École des Beaux-Arts in Paris fort, wo er bei Jean-Léon Gérôme und Léon Bonnat studierte und mit den Werken der Meister des 17. Jahrhunderts in Berührung kam, insbesondere Rembrandt, Jusepe de Ribera, Diego Velázquez und Frans Hals, deren eindringlicher psychologischer Realismus Eingang in seine eigenen Darstellungen fand. Ungeachtet dieser Einflüsse kann Eakins als der erste originäre amerikanische Maler angesehen werden, ähnlich wie Henry David Thoreau auf literarischem Gebiet. Er bemühte sich vornehmlich um eine exakte Wiedergabe seiner alltäglichen Erfahrungswelt in Philadelphia, und neben Genreszenen verschiedener Provenienz trat immer wieder die Anatomie des menschlichen Körpers in den Mittelpunkt seines Schaffens, wobei er von seinen präzisen medizinischen Studien profitierte. Zu seinen bekanntesten Gemälden zählt eine Reihe großformatiger Krankenhausbilder von großer Ausdruckskraft, darunter Die Gross-Klinik (1875, Jefferson Medical College, Philadelphia), das gleichermaßen als psychologische Studie wie als realistisches Abbild des Operationsvorgangs überzeugt. Als Direktor der Pennsylvania Academy of the Fine Arts initiierte Eakins einen neuen Lehrplan, der u. a. ein umfassendes Studium der Anatomie einschließlich der analytischen Sektion beinhaltete und insgesamt stark die naturwissenschaftliche Perspektive hervorhob. Seine Lehrmethoden fanden weite Verbreitung und revolutionierten seinerzeit das Kunststudium in Amerika. Dabei bestand Eakins auf Aktstudien an lebenden Modellen, was ihn in Konflikt mit der Schulverwaltung brachte, die ihn 1886 aufforderte, sein Amt niederzulegen. In Eakins’ Spätwerk machte sich zunehmend ein starkes Interesse für Psychologie und Charakterstudien bemerkbar. Entsprechend beherrschen Porträts von Freunden, Wissenschaftlern, Musikern und Künstlerkollegen diese Schaffensphase. Sie vermitteln nicht nur einen anschaulichen Eindruck der Persönlichkeit des Dargestellten, sondern zeichnen sich auch durch einen ungeschminkten Realismus und plastisches Formverständnis aus, das besonders in der Modellierung der physiognomischen Details zutage tritt. Ein typisches Beispiel für seine Ganzkörperporträts ist The Pathetic Song (1881, Corcoran Gallery of Art, Washington), das eine Sängerin in Seidenrobe zeigt, die sich silhouettenhaft vor dem Hintergrund eines schwach beleuchteten Musikzimmers abhebt. Obwohl Eakins mit seiner Malerei wirtschaftlich wenig erfolgreich war und keines seiner Bilder auf Anerkennung bei der zeitgenössischen Kritik stieß, übten sein Schaffen und Lehren mit ihrem realistischen Ansatz großen Einfluss auf die weitere Entwicklung der amerikanischen Malerei aus. Eakins starb am 25. Juni 1916 in Philadelphia.
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