Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Glocke

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Glocke

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Die Glocke der HMS LutineDie Glocke der HMS Lutine
Artikelgliederung
1

Einleitung

Glocke, hohler, kelchförmiger Klangkörper aus Metall, Holz, Ton oder anderem Material, der mit einem Klöppel oder Hammer angeschlagen wird und dadurch einen Klang erzeugt. Der Klöppel ist an der Innenseite der Glocke befestigt. Der Hammer dagegen schlägt die Glocke von außen an, wobei er entweder mechanisch bewegt wird oder von Hand angeschlagen wird. Glocken gehören zu den so genannten Idiophonen (Instrumenten, bei denen der schwingende, massive Instrumentenkörper selbst und nicht etwa eine Membran oder eine Saite den Ton erzeugt) und schwingen vor allem am unteren Rand. Glocken werden bis in die heutige Zeit nicht nur im kirchlichen, sondern auch im profanen Bereich verwendet: zur Regelung des Tagesablaufs (Früh-, Mittags-, Abend-, Nachtläuten), als Signalglocke und zur Ankündigung wichtiger Ereignisse.

2

Geschichte

Glocken waren in China bereits vor 2000 v. Chr. bekannt, ebenso in Ägypten, Indien, Griechenland, Rom, in asiatischen Hochkulturen und in Afrika. Sie wurden als Signalinstrumente, rituelle Gegenstände und magische, oft schützende Amulette, die man in den Türstock oder um den Hals von Tieren hängte, verwendet. Der Gebrauch von Glocken in kirchlichen Zeremonien bürgerte sich vom 6. bis zum 11. Jahrhundert in ganz Europa ein, ausgehend von der Verwendung in den christlichen Kirchen des Ostens im 9. Jahrhundert.

Die ersten Glocken wurden vermutlich aus Eisenblech zusammengebogen und gehämmert. Als das Gießen von Metall erfunden wurde, goss man Glocken aus Bronze. Seit circa 800 n. Chr. wurden Glocken in bestimmten Stimmungen (Tonhöhen) gegossen.

Die kleine, halbkugelförmige Glocke der Antike entwickelte sich im Osten und im Westen unterschiedlich weiter. Im Osten verlängerte man die Kelchform so, dass eine bienenkorbförmige Glocke mit geraden und gleichmäßig dicken Wänden entstand. Im Westen spielte man ab etwa 800 n. Chr. Anordnungen kleiner, halbkugelförmiger, mit einem Holzhämmerchen angeschlagener Glocken in Musikensembles. Größere Glocken, die mit Klöppeln angeschlagen wurden, gab es in Kirchtürmen. Um das häufige Brechen am unteren Rand zu verhindern, statteten die Glockengießer ihre Glocken mit innenliegenden Klöppeln und einem breiten Ring um den Rand aus. Um 1400 hatte sich schließlich die charakteristische Form der westlichen Glocke herausgebildet: kantige Haube mit gerader oder leicht konkaver Seitenwand (der so genannten Flanke), die sich zum unteren Rand (der Schlagwulst) hin nach außen verbreitert und verdickt. Diese Form verbesserte auch die Klangqualität. Im 16. Jahrhundert bereits konnten Glockengießer in den Niederlanden so präzise gestimmte Glocken gießen, dass die Instrumente gleichzeitig gespielt werden konnten, um Harmonien zu erzeugen (siehe Carillon).

In der Subsahara-Region Afrikas entwickelte sich eine Form der Handglocke aus Eisen, die auch heute noch ein zentrales Element der zahlreichen afrikanischen Musiktraditionen ist. Da Handglocken in der Regel keinen Klöppel besitzen, werden sie mit einem kleinen Schlegel angeschlagen. Der scharfe, durchdringende Klang der Handglocke aus Eisen findet sich auch in der von der afrikanischen Musiktradition beeinflussten Musik Lateinamerikas.

3

Glockengießen

Glocken werden aus einer Bronzelegierung, der so genannten Glockenspeise (dem Glockengut) gegossen. Diese besteht in der Regel aus vier Teilen Kupfer und einem Teil Zinn. Andere Metalllegierungen erzeugen einen schlechteren Klang. Der Klang der Glocke wird außerdem bestimmt von dem Verhältnis zwischen Höhe, Breite, Dicke und Form. Ein klarer Glockenton ist das Ergebnis eines komplizierten Zusammenspiels aus einzelnen Partialtönen, die jeweils durch die Schwingungen an unterschiedlichen Stellen der Glocke erzeugt werden. Ist die Stimmung dieser unterschiedlichen Stellen nicht sauber, so erklingen Dissonanzen, wenn mehrere Glocken gleichzeitig gespielt werden.

Beim Glockengießen wird zunächst ein Kern aus Lehm aufgebaut, der die Größe und die Form der Innenseite der Glocke genau widergibt. Über diesen Kern wird dann der Mantel gebaut (ebenfalls meist aus Lehm), dessen Innenfläche der Außenwand der zukünftigen Glocke entspricht. Zwischen Mantel und Kern besteht jetzt ein Hohlraum, der dem Glockenkörper genau entspricht. In diesen Hohlraum gießt man nun die flüssige Legierung. Ist das flüssige Metall erkaltet und erstarrt, werden Mantel und Kern beseitigt, und die Außenwand der Glocke kann geglättet und poliert werden. Die Innenwand wird auf einer Drehbank gehobelt, bis die richtigen Wandstärken erzielt sind, die für die Stimmung der Partialtöne des Glockentones benötigt werden. Die größte Glocke der Welt, die Zar Kolokol in Moskau, wurde 1733 gegossen. Sie ist 5,8 Meter hoch und wiegt rund 181 Tonnen. Die große Glocke im Kölner Dom wiegt 25 Tonnen.

4

Andere als Glocken bezeichnete Instrumente

Tubular Bells oder Röhrenglocken werden im modernen Orchester eingesetzt und bestehen aus einer Anordnung von gestimmten Metallröhren, die mit einem Holzhammer angeschlagen werden. Elektronische Glocken sind kleine Stäbe aus Metall, die mit einem Hammer angeschlagen werden, und deren Klang dann elektronisch verstärkt wird. Jingle Bells sind kleine, hohle Metallschellen, in denen sich Kügelchen befinden, die beim Bewegen der Schellen klingeln. Sie gehören theoretisch zu den Rasseln und nicht zu den echten Glocken, doch verbindet sie mit letzteren eine ähnliche Geschichte hinsichtlich ihres Gebrauchs als schützende, magische und rituelle Gegenstände.

In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft