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ÄthiopienEnzyklopädieartikel
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Äthiopien gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Wirtschaft Äthiopiens ist immer noch stark von den Einnahmen aus der Landwirtschaft abhängig. Die Teilnahme der Menschen am monetären Kreislauf ist begrenzt, denn ein großer Teil des Handels wird auf lokalen Märkten durch Tauschgeschäfte abgewickelt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 13 315 Millionen US-Dollar (2006; Dienstleistungen 39,2 Prozent, Industrie 13,5 Prozent, Landwirtschaft 47,3 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 172,60 US-Dollar.
Die Landwirtschaft, in der 78 Prozent der Erwerbstätigen beschäftigt sind, ist für das Land prägend. In Großbetrieben, von denen viele von der Regierung geleitet werden, baut man Zuckerrohr, Baumwolle, Früchte und Gemüse an; diese Erzeugnisse werden an die weiterverarbeitende Industrie und in den Export geleitet. Hülsenfrüchte, wie Kichererbsen, Linsen und Brechbohnen, sowie Ölsaaten werden ebenfalls in großem Umfang angepflanzt. Getreidesorten sind die wichtigsten Nutzpflanzen und werden hauptsächlich für den eigenen Bedarf angebaut. Periodisch auftretende Dürren reduzieren immer wieder das Erntevolumen erheblich und zwingen den Staat, Grundnahrungsmittel zu importieren. Außerdem hat der Bürgerkrieg (1962-1992) die Infrastruktur weitgehend zerstört und damit die Verteilung der Lebensmittel nachhaltig erschwert. Trotz eines Regierungsprogramms, mit dessen Hilfe die landwirtschaftliche Produktion diversifiziert werden soll, ist Kaffee immer noch das dominierende Erzeugnis, von dem die Wirtschaft in starkem Maß abhängig ist. Möglicherweise hat die Kaffeepflanze in Äthiopien ihren Ursprung; man nimmt an, dass der Name aus der äthiopischen Region Kaffa stammt, in der es wild wachsende Kaffeesträucher gibt. Fast ein Viertel der Bevölkerung ist in der Kaffeeproduktion beschäftigt.
Äthiopien ist reich an Bodenschätzen. Eisen-, Kupfer-, Zink- und Bleierze, die teilweise zutage treten, werden seit der Antike abgebaut. Weitere Lagerstätten mit Mangan, Gold und Platin, mit Kalisalzen sowie Erdöl und Erdgas werden ebenfalls genutzt. Äthiopien verfügt über beträchtliche, noch ungenutzte Vorkommen an hochwertigem Kalium.
Die industrielle Produktion konzentriert sich überwiegend auf die Verarbeitung landwirtschaftlicher Güter. An zweiter Stelle folgt die Textilindustrie. Während der sechziger Jahre wuchs der jährliche Bruttowert der produzierten Güter beträchtlich an. Die industrielle Basis wurde durch die Errichtung mehrerer Metall verarbeitender Betriebe erweitert, und in Fabriken werden Konsumgüter und industrielle Grundstoffe hergestellt. Das wichtigste industrielle Zentrum ist Addis Abeba.
Der äthiopische Birr (= 100 Cents) wird von der Nationalbank von Äthiopien herausgegeben. Weitere Banken im Land sind u. a. die Äthiopische Handelsbank (Commercial Bank of Ethiopia) und die Landwirtschaftliche und Industrielle Entwicklungsbank (Agricultural and Industrial Development Bank). Äthiopien ist vor allem ein Exportland landwirtschaftlicher Erzeugnisse und Importeur von Konsum- und Investitionsgütern. Die Handelsbilanz ist stark defizitär. Mehr als 60 Prozent der gesamten Ausfuhr sind Kaffee-Exporte, die zugleich das einzige und wertvollste Gut sind, mit dem der Staat Devisen erwirtschaften kann. Andere wichtige Exportgüter sind Hülsenfrüchte, Tierhäute und Leder sowie Ölsaaten. Die wichtigsten Handelspartner sind Italien, die USA, Deutschland und Japan.
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