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Windows Live® Suchergebnisse LackkunstEnzyklopädieartikel
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Lackkunst, eine kunsthandwerkliche Technik, mit der eine dekorative und schützende Lackschicht auf einen Untergrund (meistens Holz) aufgetragen wird. Lack wird aus dem Saft des asiatischen Lackbaumes (Lack-Sumach, siehe Giftsumach) gewonnen und hat mehrere wichtige Eigenschaften: Er macht die Oberfläche gegenüber hohen Temperaturen und Feuchtigkeit unempfindlich, er lässt sich gut mit Pigmenten (siehe Lacke) oder schmückenden Materialien vermischen, und er ist beständig gegenüber Holzschädlingen. Man geht davon aus, dass die Lackkunst in China entstanden und von dort nach Japan gelangt ist. Es handelt sich um eine hohes Können erfordernde Technik, bei welcher der Lack in sehr dünnen Schichten manchmal bis zu einhundertmal aufgetragen wird. Jede Schicht wird getrocknet und poliert, bevor die nächste aufgetragen wird. Um eine farbige Oberfläche zu erzielen, wird entweder der Lack mit Pigmenten gemischt, oder die lackierte Fläche wird bemalt und vergoldet und anschließend erneut lackiert. Verziert wird der Gegenstand auch mit Schnitzereien oder Einlegearbeiten aus Muscheln, Perlmutt, Korallen oder Metall. Koromandel-Lackarbeiten, die nach der Koromandelküste in Indien benannt sind, von der sie auf die europäischen Märkte verschifft wurden, werden nur in China hergestellt. Hierbei wird ein graviertes Bild durch mehrere Lackschichten bis auf das Holz eingeschnitten; die entstehenden Vertiefungen werden mit gefärbten Lacken oder Elfenbein aufgefüllt. Solche Koromandel-Vertäfelungen wurden oft für Wandschirmrahmen und Schränke verwendet. In Europa wurden im 18. Jahrhundert Nachahmungen der asiatischen Lackkunst (Vernis-Martin-Lackarbeiten) angefertigt, die aber nicht den Glanz der echten Lackarbeiten hatten. Die heutigen synthetischen Lacke aus Cellulosederivaten werden aufgesprüht und ergeben nur einen Hochglanzeffekt.
Die frühesten archäologischen Funde von chinesischen Lackarbeiten sind Bruchstücke aus der Shang-Dynastie (16. Jahrhundert bis ca. 1050 v. Chr.). Tonarbeiten mit Lackbemalung wurden an Fundstellen in Siedlungen aus der westlichen Zhou-Dynastie entdeckt (um 1050 bis 771 v. Chr.). In der nachfolgenden östlichen Zhou-Periode (771-249 v. Chr.) und in der Epoche der Streitenden Reiche (453-249 v. Chr.) wurden Lackarbeiten zu einer wichtigen Handwerkskunst. Die Zhou-Völker, die den größten Teil Mittel- und Südchinas beherrschten, dekorierten Gebrauchsgegenstände wie Schalen und Schminkdöschen mit Lackarbeiten, auf denen Tier- und Menschengestalten dargestellt waren. In Gräbern sind sie jahrhundertelang erhalten geblieben und gehören heute zu den frühesten bekannten Zeugnissen der chinesischen Malerei. Zur Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) erreichte die Oberflächendekoration mit Farbpigmenten und Lacken ihre größte Verbreitung. Gebrauchsgegenstände aus Holz, auch Möbel und Särge, wurden mit Motiven wie Drachen verziert. Silbereinlegearbeiten waren auch üblich, auf Kamm- und Nadelkästchen hat man mehrere Beispiele dafür gefunden. In der Han-Dynastie kannte man ebenfalls eingeschnitzte Verzierungen. Hierbei wurde mit einem spitzen Gerät ein Muster geschnitzt und anschließend die Umrisse mit kontrastierenden Farben aufgefüllt. In der Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.) war es üblich, hölzerne Statuen von buddhistischen Gottheiten durch Lackschichten zu schützen und gleichzeitig zu färben. Damit entstand ein neues Dekorationselement: Muster, die in eine lackierte Oberfläche eingeschnitzt wurden. Diese Technik findet sich nur selten in der nachfolgenden Song-Dynastie (960-1279 n. Chr.), in der man einfachere Lackmalerei in Schwarz oder Rot vorzog. Eine reich verzierte Dekoration kam jedoch in der Yuan-Dynastie erneut auf (1279-1368). Das Oberflächenschnitzwerk erreichte wieder ein hohes Niveau an Kunstfertigkeit, und Intarsien aus Perlmutt waren weit verbreitet. Sie wurden auf Haushaltsgegenständen und persönlichen Dingen angebracht. Geschnittener Rotlack war zu Beginn der Ming-Dynastie sehr beliebt (1368-1644); im 16. und 17. Jahrhundert waren jedoch eine Vielzahl von Farben, darunter Gelb und Grün, hinzugekommen. Möbel und Haushaltsgeräte wie Schüsseln und Tabletts waren weiterhin die am meisten verbreiteten Lackkunst-Objekte. Ornamentierte Oberflächen waren typisch für die Qing-Dynastie (1644-1912), als zum Schnitzwerk noch Halbedelsteine und Vergoldung hinzukamen. Große Wandschirme oder Vertäfelungen, die oft Landschaften mit Personen abbildeten, waren im Ausland begehrt und wurden nach Europa, Japan und Indien exportiert. Im heutigen China arbeiten hochqualifizierte Lackkünstler weiterhin nach verschiedenartigen traditionellen Techniken.
Die frühesten japanischen Lackarbeiten stammen aus der Nara-Zeit (710-794 n. Chr.), sie weisen einen starken Einfluss der chinesischen Lackkunst auf. Aus dem 8. Jahrhundert sind buddhistische Statuen mit Trockenlack (Kanshitsu) erhalten geblieben, dabei handelt es sich um eine Technik, die in der Tang-Zeit aus China eingeführt wurde. Die bemerkenswerteste Entwicklung in der Heian-Zeit (794-1185) war die gesprenkelte Malerei (Maki-e), eine typisch japanische Technik. Hierbei wurde das Muster mit Lack auf ein Blatt faserigen Papiers gemalt und anschließend die bemalte Seite auf eine Lackoberfläche gepresst. Dann wurde das Papier entfernt, und auf den noch feuchten Lack wurde Gold- und Silberpulver gestäubt. In der Kamakura-Zeit (1192-1333) wurde geschnitzte Lackkunst bei den Japanern immer beliebter. In der Momoyama-Zeit (1573-1603) entwickelte die japanische Lackkunst ihren eigenen Charakter. Die bekanntesten Beispiele aus Momoyama-Werkstätten sind schwarzlackierte Oberflächen mit goldenen Blumenmotiven, die auf Miniaturen aufgebracht wurden. Besondere Merkmale der Momoyama-Lackkunst sind die Verwendung von Blattgold und Farben auf einfarbigem (meist schwarzem) Lackuntergrund, die ihre Blütezeit in der Tokugawa-Zeit (1603-1867) erreichte. Am bekanntesten sind kleine rechteckige Döschen für Schnupftabak oder Kosmetik (inro), die an einer um die Taille befestigten Schärpe getragen wurden. Tasse, Teekanne und Wasserbehälter, Gegenstände, die bei der japanischen Teezeremonie verwendet werden, waren ebenfalls beliebte Objekte der japanischen Lackkunst. Im heutigen Japan sind Teegeräte und Haushaltsgegenstände noch ähnlich dekoriert, die Muster japanischer Lackarbeiten haben sich über die Jahrhunderte nur geringfügig verändert.
Die Lackkunst wurde in Europa zum ersten Mal in der Renaissance bekannt. Erst im 17. Jahrhundert entwickelte sich ein blühender Handel mit asiatischen Lackmöbeln. Die hohen Transportkosten der echten Lackarbeiten führten dazu, dass man in Europa Nachbildungen herstellte. Diese Technik wurde als Japanlack bekannt. Man überzog Holzplatten mit einer sehr dünnen Schicht Jesso (Mischung aus Gips und Leim), um eine feste und undurchlässige Oberfläche zu erhalten, und trug dann eine Schicht schwarzer oder farbiger Glasur auf. Diese Glasur bestand aus Schellack, der in Alkohol gelöst und mit einem Pinsel aufgetragen wurde. Die weitere Verzierung wurde dann entweder aufgelegt, aufgemalt oder geschnitzt, oft in einem pseudoorientalischen Stil. Diese Technik wurde für Möbel wie Sekretäre und Truhen verwendet. Ein Buch zu diesem Thema, das 1688 von John Stalker und George Parker in England veröffentlicht wurde, führte dazu, dass Japanlackarbeiten in England, Frankreich, Deutschland und Holland in großen Mengen hergestellt wurden. Der bedeutendste Vertreter dieses Handwerkes war Gerhard Dagly de Liège, der am Hof von Friedrich II. von Preußen tätig war. Der ihm eigene Dekorationsstil ist an der Verwendung von Primärfarben auf weißem Untergrund erkennbar, ganz im Unterschied zum asiatischen Stil, bei dem eher Schwarz, Rot und Gold verwendet werden. Abgesehen von einigen sehr kunstvollen Gegenständen fehlte es den in Europa hergestellen Objekten jedoch am Glanz und an der feinen handwerklichen Ausführung der asiatischen Lackarbeiten. In der Mitte des 18. Jahrhunderts ging die Japanlackkunst zurück. Sie lebte aber im 19. Jahrhundert erneut auf, als man Objekte aus Pappmaché, die zu der damaligen Zeit in England, Frankreich und in den Vereinigten Staaten sehr beliebt waren, mit Japanlack schützte und dekorierte.
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