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Frauenbewegung

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Emmeline Pankhurst (1913)Emmeline Pankhurst (1913)
Artikelgliederung
1

Einleitung

Frauenbewegung, zusammenfassende Bezeichnung für soziale Bewegungen, die die politische, rechtliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Gleichstellung von Mann und Frau anstrebten. Zu den gleichen Rechten, denen dieser Kampf galt und noch immer gilt, gehören die Verfügungsgewalt über den persönlichen Besitz, gleiche Bildungs- und Einstellungschancen, gleiches Wahlrecht und gleiche sexuelle Freiheit. Die Frauenbewegung ist eine heterogene, nicht hierarchisch strukturierte Bewegung, deren Ziele häufig in Zusammenhang mit nicht frauenspezifischen sozialen Forderungen standen und manchmal auch noch stehen. Sie wird von einem übergreifenden Konsens getragen: der Tatsache, dass alle Frauen gemeinsam unter einer Unterdrückung leiden, die die Männer nicht erfahren und von der diese im Allgemeinen politisch, gesellschaftlich, emotional und wirtschaftlich profitieren.

Die Bewegung lässt sich grob in drei Richtungen untergliedern:

  • 1. der Aufbau von Solidarität und das Entstehen eines Frauen-Bewusstseins, das die Beurteilung der politischen und sozialen Stellung erleichtert;
  • 2. öffentliches Engagement in Fragen wie Abtreibung, gleicher Bezahlung, staatlicher Kinderbetreuung und Gewalt in der Ehe;
  • 3. die akademische Disziplin der Frauenstudien, die eine theoretische Analyse der Bewegung erstellt.

Die Ziele der Frauenbewegung sind u. a. gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, staatliche Unterstützung bei der Kindererziehung und die Anerkennung der Rechte von Lesbierinnen sowie die Legalisierung der Abtreibung. In der jüngsten Zeit sind vor allem zwei Bereiche ins Blickfeld öffentlichen Interesses gerückt: Die Vergewaltigung in der Ehe, die seit 1996 in Deutschland Straftatbestand ist, sowie sexuelle Belästigung, insbesondere am Arbeitsplatz.

Die Frauenrechtsbewegung konnte bereits viele Erfolge verbuchen. In mehr als 90 Prozent aller Länder können Frauen wählen und öffentliche Ämter bekleiden. Unterstützt von der United Nations Commission on the Status of Women, des Frauenrats der UNO (1946), sind Frauenrechte in vielen Ländern gesetzlich festgeschrieben, die Bildungschancen und beruflichen Möglichkeiten haben sich verbessert.

2

Anfänge

Das Zeitalter der Aufklärung mit der Betonung politischer Gleichheit und die industrielle Revolution, die enorme wirtschaftliche und soziale Umwälzungen mit sich brachte, boten im späten 18. Jahrhundert die Voraussetzungen für die Entstehung von Frauenrechtsbewegungen. Während der Französischen Revolution plädierten republikanische Frauenklubs dafür, dass die Ziele Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für alle gelten sollten, unabhängig vom Geschlecht. Aber durch den Code Napoléon, der auf römischem Recht beruhte, wurden auf dem Kontinent jegliche Hoffnungen auf eine sofortige Realisierung solcher Forderungen zerschlagen. In England schrieb unterdessen Mary Wollstonecraft A Vindication of the Rights of Woman (1792), das erste bedeutende feministische Werk, das in einem sehr mutigen, revolutionären Ton die Gleichstellung von Mann und Frau forderte.

Die industrielle Revolution ließ Frauen der unteren Schichten, von denen die meisten bis dato zu Hause unbezahlte Handwerks- und Hausarbeiten ausgeführt hatten, zu Lohnempfängerinnen in den neuen Fabriken werden. Dies war der Beginn ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit. Die Arbeitsbedingungen in den Fabriken waren gefährlich und die Frauenlöhne lagen weit unter denen der Männer. Zur selben Zeit setzte sich im Bürgertum ein neues Frauenbild durch; Frauen wurden auf die Rolle einer Hausmutter reduziert. Die einzige andere Möglichkeit für respektable Frauen von Stand war beispielsweise die Arbeit als Gouvernante, Lehrerin oder weibliche Büroangestellte.

Auf dem Kontinent tauchten sporadisch feministische Gruppierungen auf, denen es jedoch an Stärke fehlte. Die römisch-katholische Kirche bekämpfte die Frauenbewegung von Anfang an, mit der Begründung, sie zerstöre die patriarchalische Familie. Im überwiegend protestantischen Großbritannien, wo die Industrialisierung rasch voranschritt, und in den Vereinigten Staaten war der Feminismus erfolgreicher. Seine Anführerinnen waren meist gebildete, auf Reformen drängende Frauen der Mittelschicht. 1848 beteiligten sich mehr als 100 Personen an der ersten Frauenrechtsversammlung in Seneca Falls im Bundesstaat New York. Unter der Leitung der Abolitionistin Lucretia Mott und der Frauenrechtlerin Elizabeth Cady Stanton forderten die Feministinnen gleiche Rechte, einschließlich des Wahlrechts. Britische Feministinnen kamen zum ersten Mal im Jahr 1855 für das Teilziel des Eigentumsrechts zusammen. Die Veröffentlichung des Buches The Subjection of Women (1869; Die Hörigkeit der Frau) des britischen Philosophen John Stuart Mill, das teilweise von Diskussionen mit seiner Frau, Harriet Taylor Mill, angeregt worden war, lenkte die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das feministische Anliegen.

Es entstanden Colleges für Frauen, wie das Mount Holyoke College (1837) in den USA und Girton (1869) in England. Das Zugangsrecht zu von Männern dominierten Universitäten wurde allerdings erst später erstritten. Durch Eigentumsgesetze für verheiratete Frauen, die 1870 in England und zu verschiedenen Zeitpunkten in den USA verabschiedet wurden, erhielten Frauen die Verfügungsgewalt über Eigentum. Später wurden Bestimmungen bezüglich Scheidung, Unterhaltszahlungen und Alimenten getroffen. In der Zwischenzeit verbesserte das Arbeitsrecht auch die Arbeitszeiten und -löhne für Frauen.

Die deutsche Frauenbewegung bildete sich vor dem Hintergrund der bürgerlichen Revolutionen von 1848/49. Die industrielle Revolution im Deutschland des 19. Jahrhunderts führte zur sozialen Not unter den Arbeiterinnen und Dienstmädchen. Berufsmöglichkeiten für unverheiratete Frauen des Mittelstands existierten kaum. Frauen organisierten sich erstmals 1865 im Allgemeinen Deutschen Frauenverein, einem Verbund von Frauenbildungs- und -erwerbsvereinen. Gemäßigte Frauenführerinnen forderten die Reform der Mädchenschule und der Lehrerinnenausbildung und strebten verbesserte Bedingungen für das Studium von Frauen an den Hochschulen an. Radikale Gruppierungen setzten sich für die Gleichstellung lediger Mütter und nichtehelicher Kinder ein und problematisierten Themenbereiche wie die herrschende sexuelle Doppelmoral oder die Prostitution. Sie riefen 1888 den Verein Frauenwohl ins Leben, der sich als erste Organisation in Deutschland für das Frauenwahlrecht einsetzte.

3

Entwicklungen im 20. Jahrhundert

Der Kampf um das allgemeine Wahlrecht war das Hauptanliegen der modernen Frauenbewegung. So brachte die Suffragettenbewegung, die von 1860 bis etwa 1930 vehement für gleiches Wahlrecht kämpfte, Frauen der unterschiedlichsten gesellschaftlichen Herkunft und Bildung zusammen.

3.1

Frauenwahlrecht

Das Wahlrecht erhielten Frauen in Deutschland erst 1918, nach dem Ende des 1. Weltkrieges, nicht zuletzt wegen der bedeutenden Rolle, die die Frauen während des Krieges nicht nur im wirtschaftlichen, sondern auch im gesellschaftlichen und politischen Bereich erlangt hatten. In Großbritannien bekamen 1928 Frauen ab 21 Jahren das Wahlrecht; in der Sowjetunion war das Wahlrecht für Frauen bereits 1917 eingeführt worden, in Polen, Österreich und Schweden 1919. Später erhielten auch die Frauen in Frankreich (1944), Italien (1945), China (1947) und Indien (1949) das Wahlrecht. In der Schweiz durften Frauen erst ab 1971 an nationalen Wahlen teilnehmen, und das Wahlrecht für die regionalen Volksvertretungen blieb Frauen in einigen Kantonen bis 1990 verwehrt. In einigen arabischen Staaten wird das Wahlrecht Frauen heute noch ganz oder teilweise verweigert; Kuwait immerhin beschloss 2005 das allgemeine Wahlrecht für Frauen.

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