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Pflanzenkrankheiten

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Gallen an einer EicheGallen an einer Eiche
Artikelgliederung
1

Einleitung

Pflanzenkrankheiten, bei Pflanzen Abweichungen vom normalen Wuchs und von der normalen Entwicklung, verursacht durch Pilze, Viren, Bakterien oder andere Mikroorganismen, durch parasitische Blütenpflanzen oder widrige Umweltbedingungen.

Streng genommen versteht man unter Pflanzenkrankheiten nur die von den oben genannten Erregern verursachten Schädigungen, denen man die von tierischen Schädlingen wie Fadenwürmern, Milben, Käfern, Schmetterlingslarven (Raupen), Blattläusen und anderen Insekten verursachten Schäden gegenüberstellt, doch wird diese Trennung nicht immer konsequent beibehalten. Man schätzt, dass es weltweit mehr als 25 000 Pflanzenkrankheiten gibt, die jährlich große Verluste für Land- und Forstwirtschaft bedeuten. Sie sind neben der Unkrautbekämpfung der Grund für die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln, die wegen der durch ihren Einsatz entstehenden Resistenzen ständig weiterentwickelt werden müssen (siehe Schädlingsbekämpfung).

2

Bakterielle Pflanzenkrankheiten

Von Bakterien verursachte Pflanzenkrankheiten zeigen sich durch eine Reihe recht verschiedenartiger Symptome und sind nicht immer leicht zu diagnostizieren. Häufige Merkmale sind Fäule, Blattflecken, das Welken von Blättern und Stängeln, Krebsgeschwülste, Trockenfäule von Blättern und Zweigen und die Bildung von Gallen, doch können insbesondere Gallen und Blattflecken auch andere Ursachen haben.

Eine der bekanntesten bakteriellen Krankheiten ist der durch Erwinia amylovora (siehe Enterobacteriaceae) verursachte Feuerbrand, der viele zu den Rosengewächsen gehörende Zier- und Obstgehölze befällt, wie Apfel- und Birnbäume. Er zählt zu den meldepflichtigen Pflanzenkrankheiten, deren Auftreten in Deutschland und anderen Ländern wegen seiner Infektionsgefährlichkeit und möglichen wirtschaftlichen Schäden den Pflanzenschutzämtern gemeldet werden muss. Feuerbrand ist insofern historisch interessant, als es sich um die erste Pflanzenkrankheit handelt, bei der ein Bakterium als Verursacher nachgewiesen wurde.

Bei den befallenen Bäumen werden Blüten, Blätter und Zweige schwarz und verdorren; schließlich kann die Krankheit den ganzen Baum in Mitleidenschaft ziehen und ihn absterben lassen. Wie bei anderen bakteriellen Erkrankungen wird der Infektionsherd entweder mit Antibiotika bekämpft oder durch Abholzen und Verbrennen des Pflanzenmaterials „entkeimt”. Bei einer in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts in Obstplantagen des Bodenseegebiets aufgetretenen Feuerbrandepidemie wurde das Antibiotikum Plantomycin (Streptomycinsulfat) eingesetzt. Zur Bekämpfungszeit im Frühjahr waren jedoch Bienen in Apfelblüten auf Nektarsuche, wodurch der Bienenhonig mit dem Antibiotikum kontaminiert wurde. Plantomycin darf deshalb nur noch in streng kontrollierten Einzelfällen eingesetzt werden.

Auch der Krebs der Zitrusfrüchte, eine aus Asien eingeschleppte Krankheit, wird durch ein Bakterium verursacht; er ist durch korkige Auswüchse auf Früchten, Blättern und Zweigen gekennzeichnet. Zu den bekanntesten und häufig auftretenden bakteriellen Pflanzenkrankheiten gehören Schorf, Schwarzbeinigkeit und Knollennassfäule der Kartoffel; Letztere wird durch Erwinia carotovora verursacht, wobei es später zu sekundärem Befall durch verschiedene Bazillen (stäbchenförmige Bakterien vor allem der Gattung Bacillus) und Pseudomonaden (Bakteriengattung Pseudomonas) kommen kann. Auch die Bakterienwelke der Tomate und eine Blattfleckenkrankheit der Baumwolle sind bakterielle Pflanzenkrankheiten. Ein weiteres Beispiel ist die Wurzelhalsgalle, verursacht durch das in der Gentechnik als Genfähre genutzte Bakterium Agrobacterium tumefaciens, dessen Schäden auch als Pflanzenkrebs bezeichnet werden. Diese Krankheit tritt bei zahlreichen Holzpflanzen und einigen Gruppen krautiger Gewächse auf.

3

Pilzkrankheiten

Die meisten Pflanzenkrankheiten werden durch Pilze verursacht. Schon vor Jahrtausenden wurden Pilzkrankheiten beobachtet und beschrieben. So wissen wir aus der Bibel von Brandkrankheiten und Mehltaubefall an Getreide und Wein im alten Israel. Von Pilzen verursachte Krankheiten haben in verschiedenen Gebieten der Erde große Hungerkatastrophen ausgelöst. Besonders zu nennen ist die Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel, deren Verursacher Phytophtora infestans um 1840 nach Europa eingeschleppt wurde und besonders in Irland schwere Hungersnöte verursachte (siehe Hungersnot in Irland). Durch den obligaten Export des angebauten Getreides nach England war die Ernährung der Bevölkerung vom Kartoffelanbau abhängig; der Ausfall der Kartoffelernte in mehreren aufeinander folgenden Jahren zwang Hunderttausende von Iren (unter ihnen die später berühmt gewordene Familie Kennedy) zur Auswanderung in die USA.

Der in Amerika heimische Falsche Mehltau der Gattung Peronospora wurde nach Frankreich eingeschleppt und vernichtete den französischen Weinbau fast völlig. Die Bekämpfung gelang erst durch die Entwicklung der so genannten Bordeaux-Brühe (siehe Fungizide), die das hellblaue, basische Kupferhydroxidsulfat enthält und auch heute noch verwendet wird (den Einsatz solcher kupferhaltigen Spritzmittel in Weinbergen erkennt man daran, dass die Spalierpfähle blau gefärbt sind). Der als Kaffeerost bezeichnete wurzelparasitische Pilz Hemileia vastatrix zerstörte im 19. Jahrhundert die Kaffeeplantagen in Sri Lanka vollständig und erzwang auf diese Weise eine Umstellung der Landwirtschaft auf den Anbau von Tee. Der Kaffeerost ist auch heute noch in Kaffeeplantagen als Schädling gefürchtet. In den Vereinigten Staaten wurde die Kastanie, ein wichtiger Produzent von Holz, Früchten und Tanninen (Gerbstoffen), von einem aus Asien eingeschleppten Pilz fast völlig vernichtet, der durch einen Holz bewohnenden Käfer von Baum zu Baum verbreitet wird.

Weitere wichtige Beispiele für Pflanzenkrankheiten, die von Pilzen verursacht werden, sind Blattfleckenkrankheiten verschiedenster Art, Geschwüre, Trocken- und Nassfäule, Echter Mehltau, Baumkrebs und Holzfäule, Hirserost und Schwarzbeinigkeit, Stängelbrand und Wurzelfäule, Welkekrankheiten und Kohlhernie. Allein in Nordamerika kommen über 1 400 Arten von parasitischen Rostpilzen und mehrere hundert Arten von Brandpilzen vor, die Verursacher der wichtigsten Pflanzenkrankheiten sind; Ähnliches gilt auch für Europa.

4

Virusinfektionen

Viren rufen ebenso vielfältige Reaktionen der Wirtspflanzen hervor wie Bakterien und Pilze. In den letzten Jahren stieg die Zahl der bekannten Viruserkrankungen von Pflanzen sprunghaft an, denn viele Symptome wurden früher übersehen oder konnten aufgrund mangelnder Nachweismethoden nicht mit den Erregern in Zusammenhang gebracht werden. Typische Symptome von Virusinfektionen sind u. a. mosaikartige oder ringfleckige Muster auf den Blättern, Gelbwerden des Laubes oder der Blattadern, Verkümmerung, vorzeitiges Absterben, Missbildungen und Wachstumsstörungen. Unter bestimmten Umständen sind die Symptome nicht direkt erkennbar, dann sind Erkrankungen besonders schwer nachzuweisen. Die Vergilbung und Kleinwüchsigkeit der Pfirsichbäume, die Tabakmosaikkrankheit, die Kräuselkrankheit der Rüben sowie die Blattrollkrankheit der Kartoffel beeinträchtigen die befallenen Nutzpflanzen schwer und verursachen große Ernteverluste. Für alle Nutzpflanzen gibt es eine oder mehrere dieser häufig noch in ihrer Ökologie unverstandenen Pflanzenkrankheiten.

Viruserkrankungen sind ansteckend; übertragen werden sie hauptsächlich von saugenden Insekten oder Spinnentieren, besonders von Blattläusen, Wanzen und Spinnmilben. Deshalb lässt sich das Auftreten dieser Krankheiten am besten durch Bekämpfung der Überträgerorganismen bzw. Unterbrechung der Übertragungswege verringern. Auch können beim Okulieren und Pfropfen (siehe Veredlung) über den Boden oder (allerdings seltener) durch Samen oder parasitische Blütenpflanzen Viruserkrankungen übertragen werden. Beispiele für derartige parasitische Blütenpflanzen sind Misteln, Teufelszwirn und Wurzelparasiten der Gattungen Striga und Orobanche (Sommerwurz), die in manchen Gebieten immer wieder größere Ertragsausfälle verursachen, allerdings mehr durch direkte Schädigung als durch Virusübertragung. Eine probate Bekämpfungsstrategie von Virosen ist die Züchtung resistenter Sorten und die sorgfältige Verwendung von kontrolliert virusfreiem Saatgut.

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