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TuvaluEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die Wirtschaft Tuvalus ist kaum entwickelt; der Inselstaat ist der wirtschaftlich schwächste aller pazifischen Staaten. Tuvalu hat von allen unabhängigen Staaten das weltweit niedrigste Bruttosozialprodukt. Eine wichtige Einnahmequelle der Tuvaluaner ist der Fischfang. Um möglichst hohe Erträge zu erzielen, entwickelten die Bewohner spezielle Techniken, wie die Herstellung sortenspezifischer Angelhaken oder die Konstruktion widerstandsfähiger Auslegerboote. Aufgrund des Mangels an Nährstoffen lassen die Böden nur in sehr beschränktem Umfang Landnutzung zu. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Kokosnüsse, Taro und einige Gemüsesorten. Kopra (getrocknetes, ölhaltiges Kokosfleisch) ist Tuvalus einziges Exportprodukt. Darüber hinaus dient es den Insulanern als Grundstoff für die Herstellung von Kokosfett. Importiert werden vor allem Nahrungsmittel und Maschinen. Zu den wichtigsten Handelspartnern von Tuvalu zählen Australien, Neuseeland und Fidschi. Traditionelle Bedeutung hat das Kunsthandwerk. Zu den gefertigten Artikeln gehören Taschen, Matten und Fächer. Das Land besitzt praktisch keine Bodenschätze und ist stark auf ausländische Wirtschaftshilfe angewiesen. Geplant ist die Erschließung von Lagerstätten (vor allem Mangan und Cobalt) im Meeresboden. Viele Tuvaluaner arbeiten als Gastarbeiter im Ausland, vor allem in den Phosphatminen auf Nauru, dem kleinen Inselstaat nordwestlich von Tuvalu. Die Geldüberweisungen an Angehörige in der Heimat bilden einen erheblichen Teil des Volkseinkommens in Tuvalu. Auf dem Funafuti-Atoll befinden sich ein Flughafen und ein Hafen. Nur auf der Hauptinsel spielt der Straßenverkehr eine Rolle. In den kommenden Jahren soll der Tourismus verstärkt gefördert werden. Der Tuvalu-Dollar entspricht dem Australischen Dollar und ist die offizielle Währung.
Es wird vermutet, dass die Inselwelt von Tonga und Samoa aus von polynesischen Einwanderern besiedelt wurde. Einige Inseln wie Nui und Niulakita wurden gegen Ende des 16. Jahrhunderts von spanischen Seefahren gesichtet. 1764 besuchte der britische Marineoffizier und Entdeckungsreisende John Byron die Inseln, aber erst 1826 wurde die Inselgruppe von Europäern vollständig entdeckt. Mitte des 19. Jahrhunderts dezimierten Sklavenhandel und Epidemien die ursprüngliche polynesische Bevölkerung erheblich. 1877 wurden die Inseln der Zuständigkeit der British Western Pacific High Commission (Britische Hochkommission für den Westpazifik) unterstellt. Zu jener Zeit lebten auf den neun Inseln etwa 9 000 Menschen. 1892 errichtete Großbritannien ein Protektorat, das gemeinsam mit den Gilbert-Inseln (dem heutigen Kiribati) verwaltet wurde. In einem Referendum von 1974 sprach sich die überwiegende Mehrheit der polynesischen Bewohner der Ellice-Inseln für die Trennung von den Gilbert-Inseln aus, deren Einwohner Mikronesier sind. Ab 1975 durften sich die Inseln selbst verwalten und wurden in Tuvalu umbenannt. 1978 erlangte Tuvalu die vollständige Selbständigkeit. 1987 schufen Großbritannien, Australien und Neuseeland mit dem Tuvalu Trust Fund eine Grundlage für Tuvalus finanzielle Unabhängigkeit. Ein gravierendes Problem des Staates ist der globale Anstieg des Meeresspiegels, der die Inseln in ihrem Bestand bedroht. Angesichts der sich abzeichnenden Katastrophe forderte Tuvalu die neuseeländische Regierung auf, in größerem Umfang Zuwanderer aus Tuvalu aufzunehmen. Im September 2000 wurde Tuvalu als 189. Staat in die Vereinten Nationen (UN) aufgenommen.
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