Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Taubheit und Schwerhörigkeit", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Taubheit und Schwerhörigkeit

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Taubheit und Schwerhörigkeit

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Unterricht für gehörlose KinderUnterricht für gehörlose Kinder
Artikelgliederung
1

Einleitung

Taubheit und Schwerhörigkeit, Fehlen bzw. Minderung des Hörvermögens.

Taubheit oder gravierende Schwerhörigkeit hat einschneidende Auswirkungen auf das soziale Leben der betroffenen Person. Von dem Leiden sind alle Altersgruppen betroffen, und die Folgen können geringfügig, aber auch sehr schwerwiegend sein. In Deutschland gibt es etwa 95 000 Gehörlose oder Schwersthörgeschädigte, deren Hörverlust so stark ist, dass selbst eine Geräuschverstärkung mit technischen Mitteln ihnen nicht hilft. Dagegen können Personen, die teilweise hörbehindert sind, von solchen Geräten in unterschiedlichem Ausmaß profitieren.

2

Arten und Ursachen von Schwerhörigkeit und Taubheit

Man kann vier Arten der Hörbehinderung unterscheiden: Die erste, Schallleitungs-Schwerhörigkeit genannt, entsteht durch Erkrankungen oder Hindernisse im Außen- oder Mittelohr – etwa bei Schäden an Trommelfell oder Gehörknöchelchen. Sie ist in der Regel nicht sehr schwerwiegend. Den Betroffenen kann meist mit einem Hörgerät geholfen werden. In vielen Fällen lässt sich die Schallleitungs-Schwerhörigkeit auch durch einen chirurgischen Eingriff oder mit anderen medizinischen Mitteln beheben. Eine harmlose Form von Schallleitungs-Schwerhörigkeit ist der Verschluss des Gehörganges durch einen Fremdkörper oder durch Ohrenschmalz.

Die zweite Art der Schwerhörigkeit, die Schallempfindungs-Schwerhörigkeit, hat ihre Ursache in Schäden der Sinneshaarzellen, der Nervenzellen im Innenohr oder des Hörnervs. Das Spektrum der Ausprägungsformen reicht von mäßiger Schwerhörigkeit bis zur völligen Taubheit. Manche Schallfrequenzen werden dabei schlechter wahrgenommen als andere, und das führt auch bei Verstärkung der Geräusche zu Verzerrungen der Wahrnehmung. Schallempfindungs-Schwerhörigkeit kann angeboren bzw. ererbt sein. Ursachen können Komplikationen bei der Geburt sein oder Erkrankungen während der Schwangerschaft (Röteln, Syphilis). Eine akute Form der Schallempfindungs-Schwerhörigkeit kann durch einen Hörsturz entstehen. Dieser tritt meist als Folge einer Durchblutungsstörung im Innenohr auf (z. B. durch einen Gefäßkrampf), Betroffene nehmen insbesondere mittlere und höhere Frequenzen schlechter war. Darüber hinaus kann sich eine Schallempfindungs-Schwerhörigkeit als Lärmschwerhörigkeit oder Altersschwerhörigkeit entwickeln. Lärmschwerhörigkeit tritt auf, wenn das Gehör permanent Lärm über 85 bis 90 Dezibel (z. B. Diskothekenlärm) ausgesetzt ist. Altersschwerhörigkeit ist eine Folge des Abbaus von Nerven und Sinneszellen in der Cochlea (Schnecke) des Innenohres, sie wird vermutlich durch Störungen der Durchblutung verursacht. Nach einer 1999 veröffentlichten Mitteilung des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried kann Altersschwerhörigkeit auch dadurch verursacht werden, dass Nervenzellen, welche die Schallempfindung vom Ohr zum Gehirn leiten, zu wenig Neurotransmitter produzieren.

Die dritte Form von Schwerhörigkeit ist eine gemischte Schwerhörigkeit, die auf Störungen im Außen- oder Mittelohr und im Innenohr zurückgeht. Und schließlich gibt es noch den zentralnervösen Hörverlust, dessen Ursachen in Schäden oder Störungen des Zentralnervensystems zu suchen sind. Taubheit oder Schwerhörigkeit kann generell durch Krankheit oder Unfall eintreten.

3

Erziehung und Ausbildung tauber Menschen

Bis ins Mittelalter herrschte die Ansicht, taube Menschen könnten weder Sprache lernen noch seien sie in anderer Form der Erziehung zugänglich. Im 16. Jahrhundert dachten jedoch einige Philosophen und Erzieher neu über den Zustand tauber Menschen nach. Als erster Lehrer für taube Schüler gilt der spanische Benediktinermönch Pedro de Ponce, und 1620 schrieb Juan Paulo Bonet, ebenfalls Spanier, das erste Buch über die Ausbildung tauber Menschen. Es enthielt ein Zeichenalphabet, das der heute üblichen Zeichensprache ähnelte.

Im 18. Jahrhundert gründeten der Abbé Charles Michel de l’Épée in Frankreich und der Erzieher Samuel Heinicke in Deutschland die ersten Schulen für Taube. Aus dieser Zeit stammt eine Meinungsverschiedenheit, die bis heute nicht ausgeräumt ist: Sollen taube Kinder lernen, von den Lippen abzulesen und zu sprechen, oder sollen sie sich der Zeichensprache mit den Fingern bedienen? Der Abbé de l’Épée bevorzugte die Zeichensprache, Heinicke lehrte das Lippenlesen. Beide beschäftigten sich aber auch mit der jeweils anderen Methode.

Taubheit beeinträchtigt die geistigen Möglichkeiten und die Lernfähigkeit nicht. Allerdings fehlt einem Kind, das frühzeitig das Hörvermögen einbüßt, der sprachliche Anreiz, den hörfähige Kinder erleben. Die Verzögerung beim Erlernen der Sprache kann langsamere schulische Fortschritte nach sich ziehen. Diese Beeinträchtigung addiert sich meist im Laufe der Zeit, so dass taube Jugendliche unter Umständen in ihrer Ausbildung um vier bis fünf Jahre hinter ihren hörfähigen Altersgenossen herhinken. Taube Kinder, die frühzeitig durch Zeichensprache einen sprachlichen Anreiz erhalten, machen jedoch im Allgemeinen in der Schule gute Fortschritte.

4

Hilfsmittel für die Verständigung

In Schulen für taube Kinder setzt sich zunehmend die Lehre von der umfassenden Verständigung durch. Danach sollen alle Kommunikationsmittel, die sich für das taube Kind eignen, kombiniert angewandt werden: Dazu zählen Sprache, Lippenlesen, Zeichensprache (Finger und Gesten), Kunst, elektronische Hilfsmittel, Mimik, Lesen und Schreiben. Bei der Zeichensprache (auch Gebärdensprache genannt) werden Buchstaben oder Wörter mit Gesten der Finger, Hände und Arme dargestellt. Unterstützend wird dabei auch die Mimik eingesetzt. Ein anderes System unterstützt das Lippenlesen mit acht Handbewegungen, welche die Aussprache der einzelnen Silben angeben. Von mündlicher Kommunikation spricht man, wenn taube Kinder Sprache und Lippenlesen als Mittel zur Weitergabe von Gedanken einsetzen.

Zurück
|
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft