Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Eiskunstlauf", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Eiskunstlauf

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Eiskunstlauf

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Eiskunstlauf: WeltmeisterEiskunstlauf: Weltmeister
Artikelgliederung
1

Einleitung

Eiskunstlauf, künstlerisch-sportliche Darbietung auf Schlittschuhen, choreographiert und zu Musik vorgetragen. Man unterscheidet Einzellauf für Männer und Frauen, Paarlauf, Eistanzen und Formationslauf.

Die Wettbewerbe werden auf einer 60 Meter langen und 30 Meter breiten Kunsteisbahn in der Regel in der Halle ausgetragen. Als Sportgerät dienen Schlittschuhe mit Kufen aus Edelstahl. Die drei bis vier Millimeter breiten Kufen sind mit einem Hohlschliff versehen und an der Sohle eines festen Schnürstiefels aus Leder befestigt. Das vordere Ende der Kufen ist bezahnt, damit sich die Läufer vom Eis abstoßen können.

Die Wettkämpfe setzen sich beim Einzellauf und beim Paarlauf zusammen aus dem Kurzprogramm und der Kür (bis 1991 war als dritter Bestandteil auch die so genannte Pflicht Teil der Gesamtwertung). Beim Kurzprogramm werden in einer Zeit von 2:40 Minuten vorgeschriebene Figuren ausgeführt. Die Kür, die bei den Frauen vier Minuten dauert und bei den Männern sowie bei Paaren 4:30 Minuten, umfasst eine Folge von Übungen, deren Zusammenstellung die Läufer selbst bestimmen. Auch die Auswahl der Musik ist sowohl bei der Kür als auch beim Kurzprogramm selbst gewählt.

Die Übungen werden von Preisrichtern bewertet. Das zur Saison 2004/05 international neu eingeführte Bewertungssystem, das als Reaktion auf die zunehmende Kritik an der Willkür und mangelnden Transparenz der Preisrichter-Urteile eingeführt wurde, ist durch ein vergleichsweise hohes Maß an Objektivität gekennzeichnet. Neben den Preisrichtern werden technische Spezialisten eingesetzt, die jedes vom Athleten absolvierte Element einzeln erkennen und mit seinem grundsätzlichen Schwierigkeitsniveau benennen müssen. Auf dieser Basis benoten die neun Preisrichter dann nach genauen Vorgaben die Qualität jedes durchgeführten Elements, wobei sie mit Hilfe eines digitalen Videosystems in die Lage versetzt werden, Elemente wiederholt zu begutachten. Die Preisrichter bewerten jedes Element mit einer fest definierten Punktanzahl, die auch den Schwierigkeitsgrad berücksichtigt. Die Noten der einzelnen Preisrichter werden zum technischen Ergebnis addiert, das eine Komponente der Gesamtwertung bildet. Die höchste und die niedrigste Preisrichternote werden eliminiert. Die zweite Komponente setzt sich aus Noten für die fünf so genannten Programmbestandteile Eislauffertigkeit, Verbindungselemente, Präsentation/Durchführung, Choreographie/Komposition sowie Interpretation zusammen, bei denen die Preisrichter nach fest definierten Kriterien die künstlerische Gesamtdarstellung der Übung bewerten. Aus der nach einem festgelegten Schlüssel gewichteten Summe von technischem Ergebnis und Ergebnis der Programmbestandteile ergibt sich die für die Platzierung ausschlaggebende Gesamtpunktzahl.

Im Gegensatz zum Eisschnellläufer, der auf geraden Kufen mit vorgebeugtem Oberkörper läuft, um eine hohe Geschwindigkeit zu erreichen, bleibt der Eiskunstläufer aufrecht und versucht, seine Bewegungen harmonisch und mühelos erscheinen zu lassen. Die gebogenen, kürzeren Kufen erlauben dem Eiskunstläufer, enge Wendungen und Drehungen auszuführen. Technische Komponenten im Eiskunstlauf sind verschiedene Varianten von Schritten, Schrittfolgen, Pirouetten und Sprüngen. Besonders Sprünge, die sich nach den Kriterien Absprung, Aufsprung, Drehung usw. unterscheiden, sind im modernen Eiskunstlauf von großer Bedeutung; man unterscheidet getippte Sprünge (Toeloop, Flip, Lutz), Kantensprünge (Axel, Salchow, Rittberger) sowie Verbindungssprünge und Sprungkombinationen. Beim Paarlauf (für Partner verschiedenen Geschlechts) werden neben den technischen Elementen, zu denen im Gegensatz zur Einzelkonkurrenz auch Hebungen, Wurfsprünge und Spiralen zählen, vor allem die Harmonie und Synchronität im Bewegungsablauf der beiden Partner bewertet. Beim Eistanzen wird ein Tanz aus einer der folgenden Gruppen dargeboten: Ravensburger Walzer, Starlight Walzer, Westminster Walzer und Wiener Walzer; Kilian, Quickstepp, Paso Doble, Yankie Polka; Blues, Rumba, Argentinischer Tango, Tango Romantica.

2

Geschichte

Durch archäologische Funde ist das Eislaufen auf einfachen „Kufen” aus Knochen bereits in der Frühgeschichte der Menschheit belegt. Eine englische Chronik aus dem 12. Jahrhundert berichtet von Menschen, die sich mit Hilfe von Schienen aus Knochen schnell über das Eis bewegen. Im Jahr 1662 ist in London die Verwendung von Metallkufen bezeugt. In der Folgezeit fand das Eislaufen auch in Nordamerika und Europa Verbreitung, als Sportart jedoch zunächst als Eisschnelllauf. 1763 fand in London ein Schaulaufen statt, bei dem der Amerikaner B. West seine Eislaufkünste darbot. Die Einführung von gebogenen Stahlkufen in der Mitte des 19. Jahrhunderts trug wesentlich zur Entwicklung des Eiskunstlaufs bei. Ein Pionier des Eiskunstlaufs im 19. Jahrhundert war der Amerikaner Jackson Haynes, der diesen Wintersport auch in Europa beeinflusste und einen Schuh mit befestigter Stahlkufe erfand. Erste Wettbewerbe wurden ausgetragen, und Eiskunstlaufclubs wurden ins Leben gerufen.

Der technische Fortschritt im Eiskunstlauf wurde entscheidend geprägt durch Einführung und kontinuierliche Weiterentwicklung von Sprungtechniken. Stationen auf diesem Weg waren der erste einfache Axel durch den Norweger Axel Paulsen 1882 in Wien, der einfache Salchow durch den Schweden Ulrich Salchow 1900 in Stockholm, der einfache Lutz durch den Österreicher Alois Lutz 1909 in Wien, der einfache Rittberger durch den Deutschen Werner Rittberger 1910 in Berlin, der zweifache Salchow durch den Österreicher Karl Schäfer 1930 in New York, der Doppelaxel durch den Amerikaner Richard Button 1948 in Sankt Moritz, der dreifache Lutz durch den Kanadier Donald Jackson 1962 in Prag, der dreifache Axel durch den Kanadier Vern Taylor 1978 in Ottawa, der Dreifachaxel in Kombination mit einem Doppel-Toeloop durch den Russen Alexander Fadejew 1984 in Budapest, der vierfache Toeloop durch den Tschechoslowaken Jozef Sabovčík, die Kombination aus vierfachem und zweifachem Toeloop durch den Kanadier Elvis Stojko 1994 in Makuhari, der vierfache in Kombination mit dem dreifachen Toeloop durch Stojko 1997 in Hamilton sowie die Kombination aus zwei vierfachen Toeloops durch den Chinesen Zhengxin Guo 1997 in Lausanne.

Die ersten Weltmeisterschaften im Eiskunstlaufen fanden für Männer 1896, für Frauen 1906 und für Paare 1908 statt. Europameisterschaften der Männer gibt es seit 1891 (Frauen seit 1930). Die ersten olympischen Eiskunstlaufwettbewerbe fanden im Rahmen der Sommerspiele 1908 in London statt, ab 1924 waren sie Bestandteil der Olympischen Winterspiele. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts erlangte auch der Eistanz zunehmend Bedeutung, der 1929 in die Statuten des Internationalen Eislaufs aufgenommen worden war. In dieser Eislaufdisziplin gibt es seit 1952 alljährlich ausgetragene Weltmeisterschaften, seit 1954 Europameisterschaften, 1976 stand Eistanz erstmals auf dem Programm der Olympischen Winterspiele. 1999 wurde der Formationslauf in das Wettkampfprogramm aufgenommen, und es wurde erstmals eine WM in dieser Mannschaftsdisziplin ausgetragen. Die Popularität des Eiskunstlaufs als Zuschauersport wuchs, auch als Unterhaltung in Form von aufwendig inszenierten Eisrevuen mit großen Ensembles von Eisläufern, Musik und prächtigen Kostümen.

Weltweit ist der Eiskunstlaufsport unter dem Dach der International Skating Union (ISU; gegründet 1892, Sitz in Davos) organisiert, in Deutschland wird er betreut durch die Deutsche Eislauf-Union (DEU; gegründet 1964, Sitz in München), in Österreich durch den Österreichischen Eislaufverband (ÖEV; gegründet 1889, Sitz in Wien) und in der Schweiz durch den Schweizer Eislauf-Verband (SEV; gegründet 1911, Sitz in Lugano).

In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft