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MyanmarEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Zunehmender wirtschaftlicher und politischer Druck durch europäische Mächte war der Hintergrund für Aufstieg und Untergang der letzten birmanischen Dynastie. Während des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts konkurrierten Briten, Niederländer und Franzosen, die in Syriam (in der Nähe des heutigen Rangun) sowie an anderen Orten der Küste Handelsniederlassungen errichteten. 1752 begründete der birmanische Stammesführer Alaungpaya (1752-1760) die Konbaung-Dynastie, die die Herrschaft der Birmanen erst in Ava, später im Deltagebiet wieder herstellte und somit Birma wieder unter einer Herrschaft vereinte. Alaungpaya kämpfte gegen die Briten und startete einen Angriff gegen die Thai, deren Hauptstadt Ayutthaya später von seinem Sohn, König Hsinbyushin (1763-1776), zerstört wurde. Ein weiterer Sohn des Königs, Bodawpaya, verlor die Herrschaft über Siam wieder, brachte jedoch Arakan, eine reiche Küstenprovinz an der Grenze zu Bengalen, unter seine Kontrolle. Anfang des 19. Jahrhunderts nahmen die Spannungen zwischen Birma und den Briten zu und mündeten schließlich in den 1. Britisch-Birmanischen Krieg (1824-1826), in dem Birma unterlag. Im Frieden von Yandabo musste Birma Assam, Arakan und Tenasserim (den Süden des heutigen Myanmar) an die Briten abtreten. Unter der britischen Herrschaft entwickelte sich in diesen Gebieten der Reisanbau, und die relative politische Stabilität führte zu einem starken Bevölkerungswachstum. Nach dem 2. Britisch-Birmanischen Krieg (1852) verlor Birma auch Pegu und das Deltagebiete an die Briten, und auch hier nahmen Wirtschaft und Bevölkerung einen Aufschwung. Weiter reichende machtpolitische und wirtschaftliche Interessen, aber auch die erstarkende französische Konkurrenz führten zum 3. Britisch-Birmanischen Krieg (1885/86), in dem die Briten nach der Eroberung der Königsstadt Mandalay auch den Rest des Landes annektierten. Birma wurde nun zu einer Provinz innerhalb Britisch-Indiens, die Hauptstadt wurde von der Königsstadt Mandalay in die Hafenstadt Rangun verlegt. Die sukzessive Inbesitznahme Birmas durch die Briten in der Zeit der Britisch-Birmanischen Kriege traf bei der einheimischen Bevölkerung auf Widerstand, den die Briten teilweise mit brutaler Gewalt niederschlugen.
Zwar brachte die britische Herrschaft einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich – Birma entwickelte sich im frühen 20. Jahrhundert zum weltweit führenden Reisexporteur – sowie eine Modernisierung der Verwaltung und anderer Bereiche, während das Land zuvor durch Isolationismus und Hofintrigen fast zugrunde gerichtet worden war, aber sie führte auch zur Auflösung der traditionellen sozialen Strukturen und der kulturellen Fundamente und beförderte damit die Entstehung von Bewegungen und Strömungen, die mit zunehmender Intensität die nationale Unabhängigkeit anstrebten. Getragen wurde der Widerstand gegen die britische Herrschaft vor allem von (teilweise in Großbritannien ausgebildeten) Studenten. 1929 gründete der Studentenführer U Nu die Bewegung We Burmans Association, nach dem Titel Thakin (Meister), mit dem die Birmanen die Briten anzureden hatten und den die Studentenführer nun sich selbst gaben, auch Thakin-Bewegung genannt. Die Thakin-Bewegung wurde zur wichtigsten Unabhängigkeitsbewegung in Birma, und Aung San und Ne Win entwickelten sich – neben U Nu – zu ihren prominentesten Führern. Auf dem Land gewann die nicht mit der Thakin-Bewegung in Zusammenhang stehende konservative Saya-San-Bewegung zwar viele Anhänger, aber der von ihr initiierte Bauernaufstand von 1931 wurde niedergeschlagen. In den dreißiger Jahren organisierte die Thakin-Bewegung zahlreiche Aktionen des zivilen Ungehorsams, so u. a. 1936 einen großen Studentenstreik. Angesichts dieses starken Widerstands gegen ihre Herrschaft trennten die Briten Birma 1937 verwaltungsmäßig von Britisch-Indien, machten es zu einer eigenen Kronkolonie und gestanden dem Land innere Autonomie zu. Im 2. Weltkrieg wurde Birma 1942 von Japan besetzt. Die Japaner hatten Birma die Unabhängigkeit in Aussicht gestellt, weshalb die Thakin-Bewegung eine Armee, die Burma Independence Army (BIA), aufstellte, die unter der Führung von Aung San auf der Seite Japans gegen die Briten kämpfte. 1943 rief die birmanische Marionettenregierung mit japanischer Zustimmung die Unabhängigkeit aus. Sowohl das harsche japanische Regime als auch die sich abzeichnende Niederlage Japans veranlassten Aung San Anfang 1945, mit seiner Armee auf die Seite der Briten zu wechseln und gegen die japanischen Besatzer zu kämpfen. Nach Kriegsende übernahm Großbritannien wieder die Herrschaft über Birma, musste aber bald den Forderungen der im Volk fest verankerten Unabhängigkeitsbewegung nachgeben: Nach langwierigen Verhandlungen mit der Unabhängigkeitsbewegung, vertreten durch die 1944 von Aung San gegründete Partei Anti-Fascist People’s Freedom League (AFPFL), gestand Großbritannien 1947 Birma die Unabhängigkeit zu.
Im April 1947 fanden Wahlen zu einer verfassunggebenden Versammlung statt, aus denen die AFPFL als absolut stärkste Kraft hervorging. Ministerpräsident wurde Aung San, der AFPFL-Vorsitzende, der aber bereits im Juli zusammen mit einigen Ministern dem Attentat eines politischen Kotrahenten zum Opfer fiel. Sein Nachfolger an der Spitze von Partei und Regierung wurde U Nu. Am 4. Januar 1948 trat die Verfassung in Kraft, und am selben Tag wurde die Union of Burma, wie der neue Staat nun hieß, unabhängig. Neben der ehemaligen Kronkolonie umfasste der Staat auch Gebiete der ethnischen Minderheiten der Shan und der Karen, die bisher in einem besondern Schutzverhältnis zu den Briten gestanden hatten.
Unmittelbar nach der Unabhängigkeit sah sich die Regierung U Nu mit einer Reihe politisch und ethnisch motivierter Aufstände konfrontiert: 1948 mit einem Aufstand der Kommunisten, der niedergeschlagen wurde, und ab 1949 mit Erhebungen der Minderheit der zum großen Teil christlichen Karen. Den Karen war nach der Unabhängigkeit Autonomie zugesagt worden, die sie jedoch nie erhielten; im Gegenteil sahen sie sich bis in die Gegenwart immer wieder ethnischer und religiöser Verfolgung, Gewalt und Vertreibung ausgesetzt, die sie zu immer neuen Widerstandsaktionen provozierten. Unter der Regierung U Nu betrieb Birma eine streng blockfreie Außenpolitik. Innenpolitisch bemühte sich U Nu um den Wiederaufbau des vom Krieg stark in Mitleidenschaft gezogenen Landes und seiner Wirtschaft, aber trotz verschiedener Maßnahmen wie der Verstaatlichung von ausländischen Unternehmen und einer Bodenreform stagnierte der Wiederaufbau, was nicht zuletzt an einer drastisch gesunkenen Nachfrage nach dem Hauptexportgut Reis lag. Auch sein Versuch eines „buddhistischen Sozialismus”, eines Sozialstaates auf buddhistischen und sozialistischen Grundlagen, scheiterte weitgehend. Die Wahlen von 1952 und 1956 bestätigten die AFPFL-Regierung; 1958 aber zwangen wachsende Differenzen innerhalb der Partei U Nu zum Rücktritt; neuer Machthaber wurde das Militär unter General Ne Win als Ministerpräsidenten. Als 1960 der unter dem Namen Union Party reorganisierte U-Nu-treue Flügel der AFPFL die Wahlen gewann, überließ Ne Win das Amt des Ministerpräsidenten wieder U Nu – allerdings nur für zwei Jahre: Die Erhebung des Buddhismus zur Staatsreligion durch U Nu 1961 provozierte bei religiösen und ethnischen Minderheiten Widerstand, was Ne Win im März 1962 zum Anlass nahm, U Nu in einem unblutigen Staatsstreich zu stürzen und selbst die Macht zu übernehmen.
Als Vorsitzender des von ihm geschaffenen Revolutionsrates und zugleich Ministerpräsident und Staatspräsident schlug Ne Win einen sozialistischen Kurs ein, verstaatlichte wesentliche Bereiche der Wirtschaft, was zu einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung und einer zunehmenden Verarmung der Bevölkerung führte, suspendierte die Verfassung, löste das Parlament auf und verbot alle Parteien außer der von ihm gegründeten Einheitspartei Burma Socialist Programme Party (BSPP). Den Minderheiten war zwar Gleichberechtigung zugesagt worden, aber sie wurden weiterhin verfolgt, Aufstände wurden weiterhin blutig niedergeschlagen, zahlreiche Angehörige von Minderheiten flohen aus dem Land. Nach außen schottete das zunehmend diktatorische Regime Ne Win das Land weitgehend ab; 1979 verließ es auch die Bewegung der blockfreien Staaten. Am 4. Januar 1974 trat eine neue Verfassung in Kraft, zugleich wurde die Sozialistische Föderative Republik Burma proklamiert. Die neue Verfassung hatte zwar volksdemokratischen, zivilen Charakter, die Macht war aber weiter in den Händen der Militärs: Staatsoberhaupt blieb auch unter der neuen Verfassung Ne Win. 1981 trat Ne Win als Staatsoberhaupt zurück – sein Nachfolger wurde General San Yu –, behielt aber den Vorsitz der BSPP und damit weitgehend die Macht im Land.
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