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Zentralamerika

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Artikelgliederung
4.7

Außenhandel

Etwa die Hälfte des Außenhandels der zentralamerikanischen Staaten wird mit den USA abgewickelt, der Rest mit Westeuropa, Kanada, Mexiko und Staaten in Südamerika. Die wichtigsten Importprodukte Zentralamerikas sind Fertigprodukte wie Motorfahrzeuge, Landwirtschaftsmaschinen, Textilien, elektrische Ausrüstung, verarbeitete Lebensmittel, chemische Erzeugnisse und Pharmazeutika. Bananen, Kaffee, Kakao, Fleisch, Chicle, Baumwolle, Mahagoni, Balsaholz, Häute und Felle sowie Kautschuk werden exportiert.

Der Handel der Staaten Zentralamerikas untereinander hat seit den sechziger Jahren erheblich zugenommen. Der Zentralamerikanische Gemeinsame Markt (Mercado Común Centroamericano), der durch einen Vertrag im Jahr 1960 gegründet wurde, verringerte die Handelsschranken zwischen den zentralamerikanischen Ländern und setzte einen gemeinsamen Außenzoll für viele Güter fest. Eines der Institute dieser Gemeinschaft, die Zentralamerikanische Bank für Wirtschaftliche Integration, vergibt Kredite zur Finanzierung von Entwicklungsprojekten.

5

Geschichte

Das Gebiet zwischen Mexiko und Kolumbien war bereits in präkolumbischer Zeit besiedelt: Wichtigstes Volk waren die Maya, deren Kultur in den Hochländern Guatemalas bereits vor dem ersten Jahrtausend v. Chr. entstand. Diese Kultur erreichte ihre größte Blütezeit zwischen 300 und 900 n. Chr., als die Maya in selbständigen Stadtstaaten im heutigen nördlichen Guatemala, in Honduras, Belize und der Halbinsel Yucatán in Mexiko lebten. Kulturelle und wissenschaftliche Errungenschaften der Maya übertrafen die der zeitgenössischen Europäer. Nach 900 fielen toltekische Völker aus Mexiko in das Gebiet der Maya ein.

Zahlreiche, wenn auch weniger zivilisierte Völker bewohnten den verbleibenden Teil der Landenge. Sie handelten sowohl mit südamerikanischen als auch mit nordamerikanischen Stämmen und machten so das alte Zentralamerika zur wirtschaftlichen und kulturellen Brücke zwischen Nord- und Südamerika. Am Vorabend der spanischen Eroberung lag die Bevölkerungszahl nach Schätzungen bei sechs Millionen Menschen, eine Zahl, die erst wieder im 20. Jahrhundert erreicht wurde.

5.1

Die Kolonialzeit

Christoph Kolumbus begründete den Anspruch Spaniens auf Zentralamerika 1502, als er die Küste entlang vom Golf von Honduras nach Panamá segelte. Seine Berichte von großem Reichtum hinter den Bergen führten dann zur Eroberung durch die Spanier, die zunächst von Hispaniola aus unter Kolumbus’ Sohn Diego erfolgte. Der charismatische Vasco Núñez de Balboa gründete 1510 Spaniens erste Kolonie in Amerika in Darién und erreichte als erster Europäer auf seinem weiteren Weg 1513 den Ostrand des Pazifischen Ozeans. Sein Nachfolger Pedrarias Dávila, der 1517 Balboas Hinrichtung befahl, weitete die Kolonie beträchtlich aus und gründete 1519 die Stadt Panamá. Von dort aus begann er, Nicaragua und Honduras zu unterwerfen. Anschließend weiteten die Spanier in einem blutigen Kampf ihre Interessen auf Panamá, Hispaniola und Mexiko aus. Pedro de Alvarado wurde der erste Gouverneur, Generalkapitän und Adelantado von Mexiko. Durch die Eroberung wurde eine große Zahl von Indianern getötet; noch mehr starben jedoch durch verheerende Epidemien an Pocken, Pest, Ruhr und Syphilis, die von den Europäern eingeschleppt wurden. Die verbleibenden Indianer wurden von den Spaniern versklavt oder zu Leibeigenen gemacht. Allerdings konnten sich die Indianer ihr Brauchtum und ihre Traditionen erhalten, da die meisten Spanier in den Städten blieben.

Das koloniale Zentralamerika war in zwei Hoheitsgebiete unterteilt. Das Königreich Guatemala erstreckte sich von Chiapas (dem südlichsten Bundesstaat im heutigen Mexiko) bis nach Costa Rica. Obwohl es nominell Teil des Vizekönigreiches Neuspanien war, war es relativ selbständig. Seine Hauptstadt Antigua wurde ein Zentrum für Verwaltung, Geistliche sowie die Großgrundbesitzer und Handelseliten der Kolonie. Der Rest Zentralamerikas (das heutige Panamá) mit seiner wichtigen Transitstrecke wurde Neugranada (dem heutigen Kolumbien) im Vizekönigreich von Peru angegliedert.

Der Niedergang der Spanier während des 17. Jahrhunderts erlaubte der Oberschicht steigende Unabhängigkeit. Diese Elite unterdrückte mit Hilfe von Kirche und Staat die Indianer und Mestizen (spanisch-indianischer Abstammung), die die Arbeiterklasse bildeten. Im 18. Jahrhundert versuchten die spanischen Bourbonenkönige, das Reich wieder aufzubauen, indem sie Reformen durchführten, die die wirtschaftliche Entwicklung förderten. Durch diese Neuerungen wurden allerdings auch die traditionellen Verbindungen zwischen der Elite der Großgrundbesitzer und der Verwaltung gefährdet.

5.2

Die Föderation

Die kreolische Elite im Königreich Guatemala folgte dem Vorbild der mexikanischen Führung und erklärte 1821 die Loslösung von Spanien. Das Gebiet wurde dann Teil von Agustín de Itúrbides mexikanischem Reich, aber als Itúrbides konservative Regierung 1823 fiel, übernahmen Liberale die Kontrolle, erklärten die Unabhängigkeit von Mexiko und bildeten die Vereinigten Provinzen von Zentralamerika (Zentralamerikanische Föderation). Chiapas blieb jedoch bei Mexiko, Panamá trat Simón Bolívars Großkolumbien bei.

Die Vereinigten Provinzen machten sich an ein ehrgeiziges, allerdings unrealistisches Programm republikanischer und wirtschaftlicher Reformen, wobei sie jedes spanische Erbe ablehnten. Starke Regionalbestrebungen, politische Intrigen innerhalb der Elite und ein Bürgerkrieg waren die Folge. Im Jahr 1834 verlegten die Liberalen die Hauptstadt von Guatemala nach San Salvador, aber ihre Politik traf immer noch auf erbitterten Widerstand und Rebellion durch konservative Mitglieder der Elite und der Landbevölkerung. Nachdem der guatemaltekische Bauernführer Rafael Carrera die Stadt Guatemala 1838 erobert hatte, begann sich die Föderation aufzulösen. Schließlich trat der Präsident der Föderation, Francisco Morazán, 1840 zurück. Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica entstanden als unabhängige, konservative Republiken.

5.3

Die zentralamerikanischen Republiken

Großbritannien hatte zu dem Zeitpunkt bereits Spanien als herrschende Macht in der Region abgelöst. Die britische Siedlung in Belize hatte sich vom Seeräuber- und Holzfällerlager des 17. Jahrhunderts zum wichtigsten Hafen für den zentralamerikanischen Außenhandel entwickelt. Der britische Einfluss erstreckte sich entlang der karibischen Küste bis nach Panamá. 1862 wurde Belize offiziell eine britische Kolonie (Britisch-Honduras). Nach 1849 traten jedoch Interessenkonflikte zwischen Briten und Amerikanern zutage, denn die Landenge stellte die schnellste Verbindung zu den Goldminen in Kalifornien dar. Mit dem Clayton-Bulwer-Vertrag von 1850 sollte die Neutralität der Briten und US-Amerikaner für einen künftigen Kanal durch die Landenge von Panamá garantiert werden. 1855 marschierte William Walker, ein reicher US-Soldat, zusammen mit seinen Anhängern in Nicaragua ein. Eine zentralamerikanische Armee vertrieb ihn mit britischer Hilfe 1857. Zwischenzeitlich wandte sich der zentralamerikanische Handel durch die Fertigstellung der Panamá-Eisenbahn 1855 von Belize ab und orientierte sich auf die Häfen der zugänglicheren Küste des Pazifischen Ozeans. Der britische Einfluss ging immer weiter zurück und versiegte schließlich.

Nach 1870 entstand eine Diktatur, die den Kaffeeanbau als Hauptexportgut der Region förderte. Der Bananenanbau, der größtenteils von ausländischen Gesellschaften gesteuert wurde, erlangte steigende Bedeutung. So wurde nach 1900 die United Fruit Company, eine Handelsgesellschaft aus den USA, ein Hauptfaktor für die zentralamerikanische Wirtschaft. Sie baute Eisenbahnnetze und Schiffswege aus und entwickelte vielfältige geschäftliche Interessen, so dass sie von den verärgerten Einwohnern auch „Oktopus” genannt wurde. Mit der Erklärung der panamáischen Unabhängigkeit im Jahr 1903 wurden amerikanische Investitionen und die Regierung der USA zu beherrschenden Elementen der Landenge von Panamá. Die Vereinigten Staaten halfen bei der Einrichtung des zentralamerikanischen Gerichtshofes, aber die militärische Besetzung Nicaraguas durch die USA von 1912 bis 1933 minderte dessen Wirksamkeit.

Das Wirtschaftswachstum im 20. Jahrhundert schuf eine neue Mittelklasse, die die andauernde Herrschaft der traditionellen Oberschicht in Frage stellte. Zunächst entstanden in Costa Rica reformistische und revolutionäre Parteien, die es bis zur Mitte des Jahrhunderts in jedem anderen zentralamerikanischen Land gab.

Der Zentralamerikanische Gemeinsame Markt bot in den sechziger Jahren eine Grundlage für Zusammenarbeit und zwischenstaatlichen Handel; aber die wirtschaftliche Einheit entwickelte sich nur langsam. Bis zu den achtziger Jahren hatten die zentralamerikanischen Staaten eine Vielzahl von Regierungs- und Wirtschaftssystemen. Die Region war durch Armut, Gewalt durch paramilitärische Gruppen und Guerillaaufstände gezeichnet. Ende der achtziger Jahre bemühte sich der Präsident Costa Ricas, Oscar Arias Sánchez, darum, durch regionale Zusammenarbeit Frieden und Stabilität zu gewinnen. Aufgrund seiner Bemühungen nahmen die Feindseligkeiten ab, und neue, demokratisch geführte Regierungen in Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nicaragua und Panamá konnten mit Erfolg wirtschaftliches Wachstum in Zentralamerika in Gang setzen. Die Region ist von weitgehender politischer Stabilität gekennzeichnet. Die soziale und wirtschaftliche Lage verbessert sich schrittweise.

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