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Windows Live® Suchergebnisse LukianEnzyklopädieartikel
Lukian, griechisch Lukianos, lateinisch Lukianus, (um 120 bis nach 180), griechischer Schriftsteller und Rhetoriker. Berühmt wurde er durch seine satirischen Dialoge nach dem Vorbild des Menippos von Gadera und die drastisch-ausschweifende Phantasie seiner Lügengeschichten. Er stammte aus Samosata (heute Samsat, Türkei). Nach dem Abbruch seiner Bildhauerlehre widmete er sich bereits in jungen Jahren dem Studium der Rhetorik und der Philosophie. In der Tradition der Sophisten bereiste er Griechenland, Asien, das Römisches Reich inklusive Galliens als Vortragender und Wanderredner. Später ließ er sich in Athen nieder, wo er Dialoge in Prosa zu schreiben begann. Später war er Sekretär des Statthalters von Ägypten. Seine von Ironie und Parodie geprägte Satire zeugt von einer rationalen Skepsis und richtet sich hauptsächlich gegen Aberglauben, religiösen Wahn, menschliche Schwächen, literarische Redundanz und falsche philosophische Lehren. Zu Lukians bekanntesten Schriften gehören Theon Dialogoi (Göttergespräche), Nekrikoi Dialogoi (Totengespräche) und Bion Prasis (Der Verkauf der Philosophen). Lukians phantastischer Reise- und Abenteuerroman mit dem bezeichnenden Titel Alethe Dihegemata (2 Bde., Wahre Geschichten) ist eine Parodie auf jene Geschichten, die von früheren Dichtern und Geschichtsschreibern – Lukian selbst nennt Ktesias, Iambulos und Herodot – als Tatsachenberichte ausgegeben wurden: „Ich werde nämlich in dem einen Punkt die Wahrheit sprechen, wenn ich sage, daß ich lüge. Ich schreibe also über Dinge, die ich weder selbst sah noch erlebte noch von anderen erfuhr, ja, die weder sind noch überhaupt vorkommen könnten. Deshalb sollen meine Leser ihnen unter keinen Umständen Glauben schenken.” Unter anderem enthält der Roman die Schilderung einer Reise zum Mond, eine Gefangenschaft auf der Sonne, eine Odyssee zur Käseinsel und Abenteuer im Bauche eines riesigen Walfisches; damit sind die Wahren Geschichten ein Vorläufer von Satiren wie Pantagruel des Franzosen François Rabelais und Gullivers Reisen des Engländers Jonathan Swift. Als kritischer Rationalist wirkte Lukian bis hin zu den Humanisten (etwa auf Ulrich von Hutten) und den Aufklärern der Neuzeit. Im deutschsprachigen Raum versuchte der Expressionist Albert Ehrenstein gegenüber der geglätteten Übersetzung Christoph Martin Wielands dem derbdeftigen Charme des Originals in einer sprachgewaltigen Übertragung gerecht zu werden. Des Weiteren bemühten sich u. a. Johann Christoph Gottsched und, in neuerer Zeit, Hans Magnus Enzensberger um Eindeutschungen. Weitere Werke Lukians sind u. a. Alexandros e Pseudomantis (entstanden zwischen 150 und 170, Alexander oder Der falsche Prophet), Halieus e Anabiuntes (entstanden um 161-165, Der Fischer oder die Wiederauferstehenden), Dis Kategorumenos (entstanden um 162-165, Der zweimal Verklagte), Oneiros a Alektryon (entstanden um 163, Der Traum oder Der Hahn), Enhalioi Dialogoi (Meergöttergespräche), Peri tu Enhypniu Etoi Bios Lukianu (Über den Traum oder Das Leben Lukians), Hetairikoi Dialogoi (Hetärengespräche) und Ikaromenippos e Hypernephelos (Ikaromenippos oder Die Luftreise), die fiktiv-burleske Reiseerzählung von einer Fahrt zum Mond und durchs Götteruniversum, die das Vorbild Menippos und den Ikarusmythos im Namen des Titelhelden vereint (siehe Reiseliteratur).
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