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Artikelgliederung
Abendländische Philosophie, Philosophie des europäischen Kulturraumes von der Antike bis zur Gegenwart. Der Begriff „Abendland” (auch Okzident, lateinisch sol occidens: untergehende Sonne, Abend, Westen) steht in Abhebung von dem als „Morgenland” bezeichneten Orient (lateinisch sol oriens: aufgehende Sonne, Morgen, Osten) für den europäischen Kulturraum, der sich seit dem Mittelalter als einheitlich begreift. Der Begriff der „abendländischen Philosophie” ist jedoch nicht rein geographisch bestimmt; in der Philosophie zählt dazu ebenfalls die Philosophie der nordafrikanischen Antike (Alexandria, Kyrene und andere) wie das Denken der Neuen Welt, also auch Amerika nach der europäischen Eroberung. In der philosophischen Ausbildung wird abendländisches Denken heute an den Universitäten in fast aller Welt unterrichtet. Gegenstand der Philosophie (griechisch philosophia: Liebe zur Weisheit), deren Vielfalt sich einer allgemein gültigen Definition entzieht, sind die Fragen nach dem Grund, dem Ursprung und dem Sinn allen Seins. Die Philosophie fragt weiter nach dem, was der Mensch sei; diese Frage fasste Kant näher in die drei Hauptfragen der Philosophie: „1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen?” In gewisser Weise sind bereits Mythologie und Religion Anfänge der Philosophie, da auch sie versuchen, Sinndeutungen für unerklärliche Erscheinungen des Wesens der Natur und des Menschen zu geben, allerdings nicht „wissenschaftlich” wie die Philosophie. Manche philosophischen Schriften des alten Ägypten (siehe ägyptische Literatur) sind schwer von Religion und Literatur zu trennen. Die eigentliche Geschichte der abendländischen Philosophie beginnt jedoch in der griechischen Antike etwa mit dem 6. Jahrhundert v. Chr., da man hier erstmals über schriftliche Überlieferungen von namentlich bekannten Philosophen verfügt.
Die Ursache der Philosophie erkennen Platon und Aristoteles im Staunen darüber, dass überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts, also in der Infragestellung des bislang Selbstverständlichen. Über das Staunen kommt der Mensch zum Fragen, warum etwas ist, ob und was hinter all den Erscheinungen wirkt, warum wir leben, und warum die Natur und die Dinge so beschaffen sind, wie der Mensch sie vorfindet. Neben dem Staunen werden der Zweifel an der Erklärungskraft des vertrauten Wissens und das Wissen um den eigenen Tod als weitere Anstöße zum Philosophieren gesehen.
Die Frage nach dem Verhältnis des Philosophen zu seinem Gegenstand stand bereits in den Anfängen als eine der wichtigsten im Vordergrund. An der jeweiligen Erkenntnistheorie lässt sich daher die Richtung einer Philosophie bestimmen. Dabei wird unterschieden zwischen dem zu erkennenden Objekt, dem Gegenstand, und dem erkennenden Subjekt, dem Wahrnehmenden bzw. Wissenschaftler. Typisch für die abendländische Philosophie ist, dass beide in der Regel als einander gegenüberstehend aufgefasst werden, wobei das Subjekt entweder als tätig konstruierend oder als passiv empfangend gedacht wird. Abhängig von der „Stellung zur Objektivität” (Hegel), die man dabei einnimmt, ergibt sich für den Erkenntnisprozess eine Auseinandersetzung, die je nach Betonung der philosophischen Schule als fruchtbare Spannung oder als problematische Spaltung aufgefasst wird.
Wird beim Erkenntnisprozess eher die passive empfangende Rolle des Subjekts betont, so steht der stoffliche Aspekt stärker im Vordergrund, die Untersuchung der zu erkennenden Materie, und weniger die Rolle der menschlichen Ideen und Begriffe für die Erkenntnis (Materialismus, Realismus). Die Gegenposition geht von der konstitutiven Bedeutung des menschlichen Geistes für die Erkenntnis aus und sucht deren Ideen und Denkprinzipien im Gegenstand wiederzufinden (Idealismus). Diese Konzeption kann bis zum Zweifel darüber führen, ob die Wirklichkeit erkennbar ist und nicht vielmehr nur menschliche Kategorien an die Gegenstände herangetragen werden, um sie gleichsam zu konstruieren. Beide Denkweisen vertreten die Ansicht, dass die Wirklichkeit selbst nach idealistischen bzw. materialistischen Prinzipien aufgebaut ist. Im ersten Fall gilt als Antrieb der Entwicklung – sei es die Evolution der Natur oder die Geschichte der Menschheit – ein sich entfaltender Geist, der in Gestalt von Ideen die Entwicklung vorantreibt; im zweiten Fall wird die Selbständigkeit der Materie betont, die sich geistlos entwickle und bestimmte geistige Formen wie Ideen, Ideologien, Weltanschauungen hervorbringt. Dabei wird unter Materie nicht nur das körperliche Sein von Gegenständen, sondern auch die Substanz geschichtlicher Epochen, die Grundlagen einer Gesellschaft, verstanden. Besonders deutlich wird dieser Gegensatz in der philosophischen Entwicklung von Hegels dialektischem Idealismus zu Marx’ dialektischem Materialismus.
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