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BayernEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In Bayern gibt es Universitäten in München, Augsburg, Erlangen-Nürnberg, Eichstätt, Passau, Regensburg, Bamberg, Bayreuth und Würzburg, Fachhochschulen in Augsburg, Freising, Kempten, Landshut, München, Nürnberg, Regensburg und Rosenheim, Akademien der Bildenden Künste in München und Nürnberg, Hochschulen für Musik in München und Würzburg sowie eine Hochschule für Fernsehen und Film in München und eine Theologische Hochschule in Benediktbeuern. Weltweit bekannt ist Bayern für die Märchenschlösser König Ludwigs II. (Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee), das alljährlich in München stattfindende Oktoberfest und das bayerische Brauchtum. Mit seinen Kunstgalerien, Museen und Theatern ist München ein überregional bedeutendes kulturelles Zentrum; das 1903 gegründete Deutsche Museum ist das größte Technische Museum Europas. In Bayreuth finden alljährlich im Sommer Festspiele statt, die 1872 von Richard Wagner zur Aufführung seiner Musikdramen gegründet wurden. Bekannte Schriftsteller des Freistaates sind Oskar Maria Graf und Ludwig Thoma. Vor allem um die Wende zum 20. Jahrhundert war München Anziehungspunkt für viele bekannte deutsche Künstler, u. a. studierten hier Berthold Brecht, Rainer Maria Rilke, Wassily Kandinsky, Paul Klee und Walter Gropius. Thomas Mann lebte hier von 1894 bis 1936, Richard Strauss, Carl Orff , Franz Marc und Carl Spitzweg wurden hier geboren. Der berühmteste Sohn der Stadt Nürnberg ist Albrecht Dürer.
In Bayern werden vorrangig Getreide (Weizen und Silomais im Süden, Roggen im Norden), Zuckerrüben, Kartoffeln, Hopfen und Trauben angebaut. Kornkammern des Landes sind der Dungau (das Donautal zwischen Regensburg und Passau), das tertiäre Hügelland und die fränkische Gäulandschaft um Würzburg. In der Hallertau wird vor allem Hopfen, im Maintal Wein und Gemüse angebaut. Es werden Rinder, Schweine und Pferde gezüchtet, in den Gebirgsausläufern der Bayerischen Alpen (vor allem im Allgäu) ist die Milchviehhaltung verbreitet. In der Oberpfalz werden u. a. Braunkohle und Eisenerz abgebaut, bei Passau Graphit und im Berchtesgadener Land Steinsalz. Im oberfränkischen Industrierevier werden hauptsächlich Textilien, Glas-, Porzellan- und Metallwaren hergestellt. München, Augsburg und Nürnberg sind Zentren der Mikroelektronik und des Maschinenbaus. In Ingolstadt, München, Regensburg und Dingolfing werden Automobile produziert. Im Raum München konzentrieren sich zudem Betriebe der Luft- und Raumfahrtindustrie; im so genannten Chemiedreieck, zwischen den Flüssen Inn, Alz und Salzach, Betriebe der chemischen Industrie. Bayern ist das beliebteste Urlaubsland innerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Vor allem die Regionen Bayerischer Wald, Allgäu, die Alpen und das Alpenvorland, mit seinen Klöstern, Barockkirchen und Königsschlössern, ziehen zahlreiche Touristen an.
Die ältesten menschlichen Spuren in Bayern sind Funde in den Regionen um Kelheim und Nördlingen, die aus der Altsteinzeit vor etwa 200 000 Jahren datieren. 7 300 Jahre alte Gräberfunde bei Aufhausen belegen, dass Niederbayern in der Jungsteinzeit dauerhaft besiedelt war. Im 5. Jahrhundert v. Chr. wanderten Kelten ins Gebiet des heutigen Bayern ein: Im Westen siedelten die Vindeliker, im Osten die Noriker und im Norden die Bojer, die jedoch später unter dem Druck einrückender Germanen nach Böhmen abwanderten. Bedeutende keltische Oppida aus der späteren La-Tène-Zeit-Zeit (ab etwa 225 v. Chr.) waren Michelsberg bei Kelheim und insbesondere Manching bei Ingolstadt, der Hauptort der Vindeliker. 15 v. Chr. eroberten die Römer das Alpenvorland bis zur Donau und gliederten den größten Teil des heutigen bayerischen Gebiets der Provinz Rätien (Raetia) ein, den Teil östlich des Inns der Provinz Noricum. Wichtige römische Militärstützpunkte, aus denen sich später Städte entwickelten, waren Augsburg (Augusta Vindelicum), Kempten (Cambodunum), Regensburg (Castra Regina) und Passau (Castra Batava). Der im 2. Jahrhundert n. Chr. vollendete obergermanisch-rätische Limes konnte die Provinz nicht vor den zunehmenden Germaneneinfällen, insbesondere vor denen der Markomannen und Alemannen schützen. In der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts brach die römische Herrschaft in Bayern endgültig zusammen. Das Land wurde neu besiedelt: Germanen aus Böhmen, Alemannen, Langobarden, Thüringer, Römer und romanisierte Kelten verschmolzen zum Stamm der Bajuwaren, der Mitte des 6. Jahrhunderts erstmals schriftlich erwähnt wurde. Das bayerische Gebiet kam im Zuge der fränkischen Expansion spätestens 531 unter die Oberherrschaft der fränkischen Merowinger, aus der sich die bayerischen Herzöge aus dem Geschlecht der Agilolfinger immer wieder zu lösen versuchten. Der Agilolfinger Garibald, 555 zuerst bezeugt, begründete das bayerische Stammesherzogtum. 788 wurde der letzte Agilolfinger-Herzog Tassilo III. durch Karl den Großen abgesetzt. Bayern wurde dem Frankenreich eingegliedert und im Zuge der Reichsteilungen 843 Teil des Ostfrankenreiches. Bis 907 unterstand Bayern der Herrschaft der Karolinger, die es durch Markgrafen aus dem Geschlecht der Luitpoldinger verwalten ließen. Hauptstadt war bis ins 13. Jahrhundert Regensburg. Die Christianisierung Bayerns, dessen erste Bistümer Augsburg und Regensburg im 4. Jahrhundert gegründet wurden, organisierte im 8. Jahrhundert der angelsächsische Missionsbischof Bonifatius. In Freising, Passau und Salzburg entstanden Bischofssitze und u. a. in Niederaltaich, Frauenchiemsee, Polling oder Wessobrunn Klöster als frühmittelalterliche Kulturzentren.
König Otto I. schaltete die Luitpoldinger, die sich eine weitgehend unabhängige Stellung erkämpft und zu Beginn des 10. Jahrhunderts die Herzogswürde angenommen hatten (Arnulf der Böse), aus und ernannte 947 seinen Bruder Heinrich zum Herzog. Otto I. gliederte das Herzogtum Friaul dem bayerischen Herrschaftsgebiet ein, das sich im 10. Jahrhundert vom Fichtelgebirge über den Wienerwald bis zur Adria erstreckte und damals seine größte Ausdehnung während des Mittelalters erreichte; die Herzöge erlangten jedoch vorerst nicht mehr die starke, unabhängige Stellung, wie sie die Agilolfinger und die Luitpoldinger innehatten. Erst die Welfen bauten im letzten Drittel des 11. Jahrhunderts die Macht der bayerischen Herzöge wieder aus. Der letzte Welfenherzog in Bayern, Heinrich der Löwe, zugleich Herzog von Sachsen, errang eine königsgleiche Macht im Reich; er gründete 1158 die spätere Hauptstadt München. Jedoch hatte Kaiser Friedrich I. Barbarossa, als er Heinrich mit dem Herzogtum Bayern belehnte, im Privilegium minus 1156 die Ostmark (das spätere Österreich) von Bayern abgetrennt und als Herzogtum den Babenbergern übertragen. Bereits zuvor hatte Bayern einige Gebiete verloren wie etwa 976 Kärnten. Nach der Absetzung Heinrichs des Löwen 1180 kam das Herzogtum Bayern an Herzog Otto I. (1180-1183) aus dem Geschlecht der Wittelsbacher, das Bayern bis 1918 ohne Unterbrechung regierte. Ludwig I., der Kelheimer, (1183-1231) gründete die neue Hauptstadt Landshut und erwarb die Pfalzgrafschaft bei Rhein (Rheinpfalz) sowie die Oberpfalz. Das Erlöschen mächtiger bayerischer Adelsgeschlechter seit dem Ende des 12. Jahrhunderts, insbesondere der Andechs-Meranier, und die wittelsbachische Hausmachtpolitik begünstigten im 13. Jahrhundert die Entwicklung Bayerns zu einer geschlossenen Territorialherrschaft. Die Bistümer Freising, Passau und Regensburg sowie das Erzbistum Salzburg errichteten eigene Landesherrschaften. 1255 wurde Bayern bei der ersten Erbteilung in Niederbayern (Residenz Landshut) und Oberbayern mit der Rheinpfalz und der damit verbundenen Kurwürde (Residenz München) geteilt. Kaiser Ludwig IV., der Bayer, trennte im Hausvertrag von Pavia 1329 die rheinische Kurpfalz und die Oberpfalz vom übrigen Bayern. 1392 entstanden bei einer weiteren Teilung die Wittelsbacher Linien Bayern-München, Bayern-Landshut, Bayern-Straubing und Bayern-Ingolstadt. Herzog Ludwig der Reiche von Ingolstadt gründete 1472 die Universität Ingolstadt, die mit Gelehrten wie Konrad Celtis zu einem Zentrum des Humanismus wurde. Einer ihrer bedeutendsten Schüler war Johann Turmair aus Abensberg (1477-1534), genannt Aventinus, der Vater der bayerischen Geschichtsschreibung.
Herzog Albrecht IV., der Weise, vereinigte durch den Landshuter Erbfolgekrieg (1503-1505) Ober- und Niederbayern wieder unter einer Herrschaft und beendete mit dem Primogeniturgesetz von 1506 die Landesteilungen. Infolge des Erbfolgekrieges verlor Bayern jedoch bedeutende Gebiete wie Kufstein und das Zillertal an die Habsburger und Pfalz-Neuburg an die Erben des 1503 gestorbenen Landshuter Herzogs Georg der Reiche. 1505 entstand das Herzogtum Pfalz-Neuburg (Residenz Neuburg an der Donau), das unter Herzog Ottheinrich (1522-1557) zu einem süddeutschen Mittelpunkt der Renaissance wurde. Die Reformation verbreitete sich in den Städten und unter dem Adel, wurde aber von Herzog Wilhelm IV. (1508-1550) mit Hilfe der 1542 nach Ingolstadt berufenen Jesuiten bekämpft. Unter Albrecht V. verdrängte die Gegenreformation den Protestantismus aus Bayern, und Wilhelm V. (1579-1597) machte Bayern zum Vorkämpfer des Katholizismus in Deutschland.
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