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Bayern

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Bayern: Landschaften, Städte und OrteBayern: Landschaften, Städte und Orte
Artikelgliederung
7.4

Kurfürstentum Bayern

Der frühabsolutistisch regierende Maximilian I.., seit 1609 an der Spitze der von ihm ins Leben gerufenen Katholischen Liga, spielte auf der Seite der Katholischen eine führende Rolle im Dreißigjährigen Krieg. 1623 gewann er die Pfälzer Kurwürde für das bayerische Herzogtum und 1628 die Oberpfalz. Während des Dreißigjährigen Krieges war Bayern ein Hauptkriegsschauplatz; Verwüstungen, Seuchen, Hungersnöte und ein drastischer Bevölkerungsrückgang waren die Folge.

Unter Maximilians Nachfolger Ferdinand Maria (1651-1679) erholte sich das Land relativ rasch von den Kriegsfolgen und entwickelte sich zu einem Zentrum des Barock in Süddeutschland (u. a. Bau des Schlosses Nymphenburg). Kurfürst Maximilian II. Emanuel stand im Spanischen Erbfolgekrieg auf der Seite Frankreichs und verlor nach der Niederlage der bayerisch-französischen Truppen gegen die kaiserlich-österreichischen und englischen 1704 bei Höchstädt alle Länder und Würden; Bayern wurde von Österreich besetzt. Gegen die drückende österreichische Herrschaft erhob sich ein Volksaufstand, der u. a. in der so genannten Sendlinger Mordweihnacht 1705 blutig niedergeschlagen wurde. Nach Kriegsende 1714 erhielt Maximilian II. Emanuel Länder und Würden zurück.

Sein Sohn Karl VII. Albrecht war mitverantwortlich für den Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekrieges. 1742 wurde er von der antihabsburgischen Partei im Reich zum Kaiser gewählt, musste aber wenig später eine schwere Niederlage gegen die Österreicher hinnehmen, die nun Bayern ein weiteres Mal besetzten. Kurfürst Maximilian III. Josef beendete bei seinem Regierungsantritt 1745 die bayerische Beteiligung am Österreichischen Erbfolgekrieg. 1759 gründete er, ein Herrscher im Geiste der Aufklärung, die Akademie der Wissenschaften in München, und 1773 hob er den Jesuitenorden auf. Mit Maximilian III. Josef starb 1777 die bayerische Linie der Wittelsbacher aus, und Bayern kam an Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz aus der pfälzischen Linie der Wittelsbacher. Infolge des Bayerischen Erbfolgekrieges (1778/79), den hauptsächlich Österreich und Preußen um ihre jeweiligen Ansprüche auf bayerisches Gebiet austrugen, verlor Bayern das Innviertel an Österreich. Karl Theodors aufklärerische Geisteshaltung wich in den achtziger Jahren einem reaktionären Herrschaftsstil, u. a. mit strikten Zensurverordnungen, insbesondere nachdem 1784 der von dem Ingolstädter Professor Adam Weishaupt gegründete Illuminatenorden aufgedeckt worden war.

Als auch Karl Theodor – wie sein Vorgänger – ohne legitime Erben gestorben war, fiel Bayern 1799 an Maximilian IV. Josef aus der Linie Pfalz-Zweibrücken. Dessen leitender Minister, Maximilian Graf von Montgelas, schuf die Grundlagen des modernen bayerischen Staates, der nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und in enger Anlehnung an Napoleon zum größten deutschen Mittelstaat aufstieg. Denn infolge des Reichsdeputationshauptschlusses sowie nachfolgender Friedensschlüsse vergrößerte sich das bayerische Territorium durch Gebietsgewinne u. a. in Österreich, Schwaben und Franken auf etwa das Doppelte. Die Säkularisation 1803 zerstörte die vielfältige, über 1 000-jährige bayerische Klosterkultur.

7.5

Königreich Bayern

Im Frieden von Preßburg vom Dezember 1805 wurde Bayern als Königreich anerkannt; 1806 nahm Kurfürst Maximilian IV. Josef als Maximilian I. die Königswürde an und schloss sich dem Rheinbund an. 1808 schaffte Montgelas die Leibeigenschaft und die Steuerfreiheit des Adels ab. 1813 trat Bayern auf die Seite der Gegner Napoleons über. Für die damit einhergegangenen Gebietsabtretungen an Österreich wurde Bayern auf dem Wiener Kongress 1815 mit Würzburg, Aschaffenburg und der linksrheinischen Pfalz entschädigt und erlangte so im Wesentlichen den heutigen Gebietsumfang (mit Ausnahme der Pfalz).

1815 trat das Königreich Bayern dem Deutschen Bund bei. Durch die Verfassung von 1818 wurde Bayern konstitutionelle Monarchie. König Ludwig I. baute München zu einer führenden Kunststadt in Bayern aus, verlegte die bayerische Landesuniversität nach München und schuf mit Kanal- und Eisenbahnbau Voraussetzungen für die spätere industrielle Entwicklung; 1835 wurde zwischen Nürnberg und Fürth die erste deutsche Eisenbahnlinie eröffnet.

In der Märzrevolution von 1848 dankte Ludwig I., der zunächst einen liberalen Kurs verfolgt hatte, dann aber auf eine reaktionäre Linie eingeschwenkt war, zugunsten seines Sohnes Maximilian II. Josef ab. 1864 entstand als erste politische Partei in Bayern die linksliberale bayerische Fortschrittspartei; von größerem Gewicht war jedoch die klerikale Patriotische Partei, die lange Jahre den Landtag dominierte und sich 1887 dem Zentrum anschloss. Ende der sechziger Jahre gab es Anfänge einer sozialdemokratischen Arbeiterbewegung.

Unter Ludwig II. stand Bayern im Deutschen Krieg 1866 auf der Seite Österreichs gegen Preußen; 1870/71 beteiligte es sich aufgrund eines Bündnisses mit Preußen am Deutsch-Französischen Krieg, und 1871 trat das Land dem Deutschen Reich bei. Nach der Entmündigung bzw. dem Tod Ludwigs II. 1886 übernahm anstelle des regulären, aber amtsunfähigen Thronfolgers Otto I. Prinzregent Luitpold die Regierungsgeschäfte. In der spät einsetzenden Industrialisierung erlangten bis zum 1. Weltkrieg hauptsächlich der Lokomotiv-, Maschinen- und Motorenbau (in München, Nürnberg, Würzburg), die Elektro- und die chemische Industrie über Deutschland hinausreichende Bedeutung.

7.6

Bayern in der Weimarer Republik

In der Novemberrevolution 1918 proklamierte Kurt Eisner, Vorsitzender der Arbeiter- und Soldatenräte, die Republik Bayern und erklärte König Ludwig III. für abgesetzt. Nach dem Attentat auf Eisner, unterdessen Ministerpräsident, am 21. Februar 1919 und den folgenden Unruhen in München wich die Landesregierung nach Bamberg aus; in München dagegen rief im April 1919 der Zentralrat der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte die „Räterepublik Baiern” (siehe Münchener Räterepublik) aus, die mit der Besetzung Münchens durch Reichstruppen und Freikorps jedoch im Mai 1919 zusammenbrach. Im September 1919 trat die unter Ministerpräsident Johannes Hoffmann (SPD) erarbeitete „Bamberger Verfassung”, die Bayern zum Freistaat erklärte, in Kraft. Die in den Wirren der Novemberrevolution in Bayern erstarkten antikommunistischen und antisemitischen Strömungen sowie die schlechte Wirtschaftslage riefen eine allgemeine Ablehnung der Weimarer Republik hervor.

Stärkste Partei war bis 1932 die Bayerische Volkspartei (BVP), die unter Gustav Ritter von Kahr, Ministerpräsident von 1920 bis 1924, nach der Devise „Ordnungszelle Bayern” eine strikt restaurativ-nationalistische Politik betrieb und den Aufstieg der NSDAP in Bayern duldete; München wurde zur „Hauptstadt der Bewegung” der Nationalsozialisten. Der Hitler-Putsch am 9. November 1923 in München, den von Kahr zunächst unterstützte, war der Höhepunkt des seit 1920 bestehenden Konflikts zwischen der Reichsregierung und dem rechtsradikalen Bayern. Nach dem Rücktritt von Kahrs 1924 führte Heinrich Held (BVP), der den Gegensatz zwischen dem Reich und Bayern beendete, bis 1933 die Regierung. In den Krisenjahren nach der Weltwirtschaftskrise 1929 fand die NSDAP besonders in protestantisch geprägten Gebieten in Franken und der Pfalz großen Zulauf, wogegen die BVP in traditionell katholischen Wahlkreisen noch die meisten Stimmen erhielt. Bei den Landtagswahlen 1932 behauptete sich die BVP knapp vor der NSDAP.

7.7

Unter der nationalsozialistischen Diktatur

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 wurde auch Bayern gleichgeschaltet. Franz Ritter von Epp wurde Reichsstatthalter in Bayern, Reichsführer SS Heinrich Himmler der Polizeipräsident von München. Unmittelbar nach der Machtergreifung wurde unweit von München in Dachau das erste Konzentrationslager in Deutschland errichtet, das als „Modell” für alle weiteren Konzentrationslager diente. In Nürnberg, der „Stadt der Reichsparteitage”, wurden 1935 die Nürnberger Gesetze erlassen, die die gesetzliche Grundlage für die Judenverfolgung und in der Konsequenz für den Holocaust schufen. 1938 wurde in der bayerischen Hauptstadt das Münchner Abkommen unterzeichnet. Unter den antinationalsozialistischen Widerstandskämpfern in Bayern sind insbesondere Georg Elser und die Weiße Rose zu nennen.

Im 2. Weltkrieg zerstörten ab 1943 alliierte Luftangriffe Eisenbahn- und Industrieanlagen und Städte wie Augsburg, München, Nürnberg und Würzburg. Nach Kriegsende war die ehemalige „Stadt der Reichsparteitage” Schauplatz der Nürnberger Prozesse gegen die Kriegsverbrecher des nationalsozialistischen Deutschland.

7.8

Bayern seit der Nachkriegszeit

Nach Kriegsende gehörte das heutige Bayern zur amerikanischen Besatzungszone, während die linksrheinische Pfalz französisch besetzt war und 1946 Rheinland-Pfalz zugeschlagen wurde. 1946 gab sich Bayern als Freistaat unter Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD) eine neue Verfassung, und 1949 wurde es Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Mit Ausnahme der Jahre 1954 bis 1957, in denen wiederum Wilhelm Hoegner regierte, stellte ununterbrochen die CSU die bayerischen Ministerpräsidenten: Hans Ehard (1946 bis 1954 und 1960 bis 1962), Hanns Seidel (1957-1960), Alfons Goppel (1962-1978), Franz Josef Strauß (1978-1988), Max Streibl (1988-1993), Edmund Stoiber (1993-2007) und Günther Beckstein (seit 2007). Eine Besonderheit in der deutschen Nachkriegsgeschichte ist die ungebrochene Vorherrschaft der CSU, die seit 1962 über die absolute Mehrheit der Landtagsmandate verfügt; 2003 gewann sie sogar die Zweidrittelmehrheit der Sitze im Bayerischen Landtag.

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