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Afrikanische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Die Bedeutung der Kunst in der afrikanischen Gesellschaft; Regionale Unterschiede; Zeitgenössische Kunst in Afrika
Der elegante hölzerne Antilopenkopfschmuck zu Ehren der Gottheit Chi Wara wird bei den Bambara in Mali bei Pflanz- und Erntezeremonien getragen. Chi Wara, der sagenhafte und mythenumwobene Begründer des Feldbaus, hat sich den Legenden zufolge in einem Akt der Selbstopferung in der Erde begraben. Der Tanz der Maskierten, die Chi Wara darstellen, findet traditionell auf den Feldern, Chi Waras Grab, statt und dient sowohl der Verehrung dieses Wesens als auch der Erinnerung an die Mühen, die die jungen Bauern der Bambara jedes Jahr für die Bearbeitung der Ackerflächen aufwenden. Bei den Senufo an der Elfenbeinküste werden zierlich geschnitzte Figuren dazu verwendet, die Bauern bei ihrer beschwerlichen Arbeit zu ermutigen und anzuspornen. Zu diesem Zweck werden Daleu-Stäbe mit Frauen- oder Vogelabbildungen am Ende der Pflanzreihen in den Boden gesteckt und sollen so als Zielpunkt, Symbol und Trophäe bei Pflanzwettbewerben dienen.
Afrikanische Kunst dient auch der sichtbaren und greifbaren Erinnerung an bedeutende Menschen und Ereignisse der Vergangenheit. Die Dogon in Mali haben ihre legendären Ahnen, die Nommo, die zu Beginn der Zeit vom Himmel auf die Erde herabstiegen, immer wieder in unterschiedlichsten Formen abgebildet. Die Nommofiguren, die manchmal mit erhobenen Händen auf ihre ursprüngliche Heimat im Himmel deuten, wurden an wichtigen Orten angebracht – vor allem an den Türen der Vorratsspeicher und an sakralen Bauwerken – und erscheinen auch in Höhlenmalereien. Im mächtigen Reich Benin in Nigeria bildeten komplizierte, im Wachsausschmelzverfahren hergestellte Bronzen die Gesichter berühmter Persönlichkeiten ab oder stellten bedeutende geschichtliche Ereignisse dar, u. a. Zusammentreffen mit fremden Würdenträgern, Kampfszenen, Hofzeremonien, Edelleute in Staatstracht, religiöse Zeremonien und Musiker.
Die traditionelle afrikanische Heilkunst hat ebenso die Entwicklung einer besonderen Kunstform mit sich gebracht. Prophezeiungen und Weissagungen, also die Kunst, Schwierigkeiten und ihre jeweiligen Lösungsmöglichkeiten zu erkennen, war der Schwerpunkt der künstlerischen Aktivitäten in diesem Bereich. Die Ifa-Seher der Yoruba in Nigeria verwendeten beispielsweise kompliziert geformte Weissagungstafeln, Schalen und Stößel, die einen festen Bestandteil des Rituals bildeten. Die Baule an der Elfenbeinküste benutzten zum Erkennen eines Orakels ebenfalls besonders geformte Weissagungsgefäße, und bei den Kongo in der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaire) besaßen puppenähnliche Holzfetische, die mit Eisennägeln durchstochen wurden, die Macht, Personen vor Gefahr und traumatischen Erlebnissen zu schützen.
Obwohl sich die afrikanischen Kulturen stark voneinander unterscheiden, werden sie in der Kunstgeschichte nach vorherrschenden Klimabedingungen, Topographie und sozialen Strukturen in geographische Regionen zusammengefasst.
Zu den sicherlich bekanntesten künstlerischen Traditionen der Völker der westlichen Savanne zählen die Arbeiten der Dogon, Bambara, Mossi, Bobo und Tamberma, die in den trockenen und weiträumigen Grasebenen von Mali, Burkina Faso und Togo siedeln. Herausgehoben wird dabei immer wieder die Kunst der Dogon. Der Grundriss eines typischen Dogon-Dorfes weist z. B. die Form eines Menschen auf und stellt so die Nommo dar, die als erste Menschen von dem Schöpfer und Sonnengott der Dogon erschaffen wurden. Besondere Bedeutung innerhalb des Dorfes nehmen der Kopf (Schmiede und Häuser der Männer), der Brustkorb (Standort der Häuser der nach Abstammung wichtigsten Dorfangehörigen), die Hände (Häuser der Frauen), die Genitalien (Altar und Stätte für die Mörtelherstellung) und die Füße (Kultstätten und Schreine) ein. Die Masken des Dogon-Männerbundes Awa stellen in ihrer Gesamtheit das Weltbild der Dogon mit den in ihr lebenden Menschen und Tieren dar. Antilope, Vogel, Hase, Fulani-Frauen und Samana-Männer sind nur einige der Charaktere, die bei den Bestattungszeremonien dieser Gemeinschaft immer wieder auftauchen. Andere Masken, die ebenfalls zu diesen Anlässen vorgeführt werden, spiegeln abstraktere Konzepte wider. So erinnert z. B. die neun Meter lange gewundene Maske der Großen Mutter an den Ursprung des Todes, während die ansatzweise kreuzförmige Kanaga-Maske in Zusammenhang mit dem Tanz des Maskenträgers die Erschaffung der Erde symbolisiert. Weiter im Osten bei den sprachlich mit den Dogon verwandten Taberma in Togo hat die Baukunst der Wohnhäuser einen Höhepunkt an Perfektion und Symbolhaftigkeit erreicht. Die zweigeschossigen Schlösser aus Lehm dienen den Taberma nicht nur als Wohnhäuser, sondern auch als Festungen, Andachtsstätten, Theater und kosmologische Diagramme. Angehörige dieses Volkes bezeichnen sich selbst als Batammariba (Volk der Architekten), was auf die Bedeutung der Architektur bei diesem Volk hinweist. Ähnlich wie bei den Dörfern der Dogon gilt bei den Tamberma jedes Haus als anthropomorph (mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet). Dem entsprechend wird das Äußere der Häuser mit den gleichen Mustern versehen, die für die traditionellen Ziernarben der Frauen verwendet werden. Auch die Teile des menschlichen Körpers finden sich hier wieder: Die Tür bildet den „Mund”, die Fenster sind „Augen”, der Mahlstein ist mit den „Zähnen” gleichzusetzen.
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