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Windows Live® Suchergebnisse TermitenEnzyklopädieartikel
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Termiten, Gruppe Staaten bildender Insekten mit über 2 000 Arten. Termiten sind überwiegend in tropischen Ländern verbreitet, einige jedoch auch in den gemäßigten Zonen; zwei Arten kommen in Südeuropa vor. Sie weisen in Aussehen und Verhalten oberflächliche Ähnlichkeiten zu Ameisen auf. Diese gehören jedoch der höher entwickelten Insektenordnung der Hautflügler an, zu der auch Bienen und Wespen zählen, während Termiten relativ ursprüngliche Insekten sind. Neuen DNA-Analysen zufolge sind Termiten so eng mit Schaben verwandt, dass sie sogar in deren Ordnung gehören (Biology Letters, 2007). Termiten haben eine breite Taille und einen weichen Körper; sie machen während ihrer Individualentwicklung nur eine unvollständige Metamorphose (Verwandlung) durch. Termiten haben bemerkenswerte soziale Verhaltensmuster entwickelt, die fast so komplex sind wie die von Ameisen und Staaten bildenden Bienen und Wespen.
Alle Termiten bilden Staaten. Ein Termitenstaat kann zwischen 100 und einer Million Tiere umfassen und wird – neben den Larvenstadien – von mehreren Formen dieser Insekten mit unterschiedlichem Körperbau gebildet, die als Kasten spezielle Aufgaben im Leben des Volkes wahrnehmen. Bei sozial höher entwickelten Arten gibt es drei Hauptkasten: Geschlechtstiere, Soldaten und Arbeiter. Geschlechtstiere und Soldaten treten in zwei oder drei unterschiedlichen Formen auf, die jeweils bestimmte Arbeiten übernehmen. Alle Formen sind zweigeschlechtig, jedoch werden die Fortpflanzungsorgane nur bei den Geschlechtstieren vollständig ausgebildet. Unter den Geschlechtstieren gibt es dunkel gefärbte männliche und weibliche Tiere mit voll entwickelten Flügeln und Komplexaugen. Sobald diese das Reifestadium erreicht haben, schwärmen sie aus. Nach diesem Flug werfen sie ihre Flügel ab und paaren sich. Ein männliches und ein weibliches Tier bilden dann jeweils die Keimzelle eines neuen Termitenstaates. Im Gegensatz zu manchen Ameisenstaaten haben Termitenstaaten nur ein Paar Geschlechtstiere. Die Geschlechtstiere sind ausschließlich mit der Produktion von Nachkommen beschäftigt. Sie leben länger als andere Termiten, diejenigen mancher tropischer Arten werden zehn Jahre alt. Das Weibchen, die Königin, ist größer als die anderen Angehörigen des Volkes, ihre Länge kann zehn Zentimeter überschreiten. Ihr Hinterleib wird von der Vielzahl der Eier so aufgetrieben, dass sie sich schließlich nicht mehr bewegen kann. Die Eier werden mit enormer Geschwindigkeit gelegt, bei manchen Arten bis zu 30 000 am Tag. Alle anderen Kasten sind unfruchtbar und flügellos; ihre Körperfarbe ist weißlich. Im typischen Fall sind die Arbeiter zahlenmäßig am stärksten vertreten. Sie sind auch die kleinsten adulten (erwachsenen) Tiere. Arbeiter errichten den Bau, versorgen die Kolonie und pflegen die Brut. Bei einigen Arten gibt es keine eigentliche Arbeiterkaste; die Arbeiten werden hier von noch undifferenzierten Jugendstadien übernommen. Bei allen Arten finden sich Soldaten mit stark vergrößerten Köpfen. Zur Verteidigung des Staates sind die Soldaten mancher Arten mit großen Kiefern ausgestattet, bei anderen Arten hingegen haben sie lange nasenartige Vorsprünge (Nasuti), aus denen sie eine klebrige giftige Substanz verspritzen; damit umhüllen sie ihre Feinde und machen sie wehrlos. Lange nahm man an, dass in den Erbanlagen festgelegt sei, welches Tier sich zu einem Angehörigen einer bestimmten Kaste entwickelt. Neuerdings konnte man jedoch zeigen, dass sich die Jugendstadien je nach dem Bedarf im Staat zu unterschiedlich spezialisierten Formen entwickeln können. Die Geschlechtstiere scheiden an der Körperoberfläche Pheromone aus, die verhindern, dass weitere Elterntiere entstehen. Diese Substanzen werden von den Arbeitern aufgeleckt, wenn sie das Elternpaar pflegen, und – wahrscheinlich mit der Nahrung – an die anderen Angehörigen des Staates weitergegeben. Stirbt jedoch das Paar und fehlen diese Hemmstoffe, so können Tiere bestimmter Jugendstadien schnell Fortpflanzungsorgane entwickeln und fruchtbar werden. Auf ähnlichem Weg wird immer für die erforderliche Anzahl an Soldaten gesorgt. Ob sich eine Termite zu einem Arbeiter oder einem (genetisch identischen) Soldaten entwickelt, hängt letztlich davon ab, ob bestimmte Gene abgelesen werden. Die enormen Unterschiede hinsichtlich Körperbau und Verhalten werden durch die Aktivität von nur etwa 25 Genen gesteuert.
Termiten ernähren sich hauptsächlich von Holz und anderen cellulosehaltigen Substanzen. Zum Teil wird die Cellulose von Protozoen verdaut, die symbiotisch in den Eingeweiden der Arbeiter leben. Von den Protozoen produzierte Enzyme wandeln die Cellulose in Bestandteile um, die von den Termiten genutzt werden können. Die Arbeiter geben die verdaute Cellulose an diejenigen Angehörigen ihres Volkes weiter, die keine Protozoen beherbergen. Einige Arten ernähren sich auch von Schimmelpilzen, die sie kultivieren. Wieder andere Arten erhalten ein bestimmtes flüssiges Sekret von einigen Käferarten, die als „Gäste” im Termitenvolk leben (diese Käfer werden unter der Sammelbezeichnung Termitophile zusammengefasst).
Termitenbauten sind sehr unterschiedlich geformt. Die Nester bestimmter tropischer Arten sind große, hügelartige Bauwerke, oft bis zu sechs Meter hoch. Diese Bauten haben zementharte Wände, die aus mit Speichel vermischtem Erdreich bestehen und von der Sonne „gebrannt” werden. Innerhalb des Baues finden sich zahlreiche Kammern und Galerien, die durch ein komplexes Gangsystem miteinander verbunden sind. Aufgrund eines komplexen Belüftungssystems und durch den Einsatz wärmedämmender Schichten wird das Innere des Baues optimal klimatisiert: Auch in tropischen Klimaregionen findet keine Überhitzung statt, und die Luftfeuchtigkeit bleibt konstant hoch. Die Frischluftzufuhr wird dadurch bewirkt, dass Luft an dem hoch aufragenden Bauwerk von dem vorbeistreichenden Wind in den Bau gedrückt wird; das von Termiten und Pilzen gebildete Kohlendioxid wird gleichzeitig an der windabgewandten Seite abgeleitet. Um das Klima im Bau zu regulieren, wird der Bau ständig verändert: Material wird hinzugefügt oder abgetragen, auch die Höhe des Bauwerkes wird reguliert.
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