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Südamerika, der viertgrößte der sieben Kontinente (nach Asien, Afrika und Nordamerika). Er umfasst insgesamt 17,8 Millionen Quadratkilometer. Südamerika wird vom Äquator und dem südlichen Wendekreis durchzogen. Der über die Festlandsbrücke von Panamá mit Mittel- und Nordamerika verbundene Kontinent dehnt sich von der Karibik im Norden bis zum Kap Hoorn im Süden über eine Länge von 7 400 Kilometern aus und erreicht zwischen dem östlichsten Punkt in Cabo de São Roque am Atlantik und Punta Pariñas am Pazifik im Westen eine Breite von 4 830 Kilometern. Südamerika liegt etwas östlicher als Nordamerika. Der westlichste Punkt liegt etwa auf dem Längengrad des US-Bundesstaates Florida. Südamerika hat rund 384 Millionen Einwohner. Auf dem Kontinent gibt es zehn lateinamerikanische Staaten (Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Peru, Uruguay und Venezuela), Guyana (früher britisches Territorium), Suriname (früher holländisches Territorium) und Französisch-Guayana (ein französisches Überseedepartement). Einige zu südamerikanischen Staaten gehörende Gebiete liegen in großer Entfernung zum Kontinent im Pazifischen Ozean: die Juan-Fernández-Inseln und die Osterinsel (beide chilenische Territorien) sowie die Galápagos-Inseln (ecuadorianisches Territorium). Näher an der Küste, im Atlantischen Ozean, befindet sich die Inselgruppe Fernando Noronha (brasilianisches Territorium). Ganz im Süden liegen die zu Großbritannien gehörenden Falkland-Inseln, auf die Argentinien Anspruch erhebt.
Das Relief von Südamerika wird von vier Hochlandgebieten geprägt, die sich von der Küste ins Landesinnere ausdehnen, sowie von drei von diesen Hochländern umgebenen Tieflandregionen. Den Nord- und Westrand des Kontinents bilden die Anden, das nach dem Himalaya zweithöchste Gebirgssystem der Welt. Die Ostküste wird von weitläufigen, im Allgemeinen niedrigeren Bergländern, dem Bergland von Guayana, dem Brasilianischen Bergland und dem Patagonischen Tafelland (siehe Patagonien) gesäumt. Das größte Tieflandgebiet ist das weite Amazonasbecken, das sich in der Äquatorialzone des Kontinents ausdehnt; es wird vom etwa 6 400 Kilometer langen Amazonas durchzogen. Er ist nach dem Nil in Afrika der zweitlängste Strom der Erde. Nördlich davon liegt eine kleinere Senkungszone, die vom Orinoco durchflossen wird. Im Süden befindet sich das Paraguay-Paraná-Becken. Der tiefste Punkt Südamerikas (105 Meter unter dem Meeresspiegel) befindet sich in der Laguna del Carbón im Süden von Argentinien. Der Aconcagua im westlichen Argentinien ist mit 6 960 Metern der höchste Berg der westlichen Hemisphäre.
Die ältesten geologischen Einheiten des Kontinents sind die Schilde des Brasilianischen Berglandes und des Berglandes von Guayana im Osten und Norden des Kontinents. Sie bestehen aus präkambrischen (mehr als 570 Millionen Jahre alten) Eruptivgesteinen sowie metamorphen Gesteinen. An den meisten Stellen ist der Schild von paläozoischen (570 bis 225 Millionen Jahre alten) Sedimentgesteinen überlagert. Jüngere Basalte finden sich im südlichen Brasilien. Die im Brasilianischen Bergland und in Afrika gefundenen Fossilien bestätigen die Theorie von der Plattentektonik und zeigen, dass der Kontinent während des Perm mit Gondwana, einer großen, aus Afrika und Asien bestehenden Landmasse, verbunden war. Die Gesteinsformationen, die das Patagonische Tafelland bilden, sind von mesozoischen (225 bis 65 Millionen Jahre alt) und tertiären (65 bis 2,5 Millionen Jahre alt) Sedimenten und jüngerem Basaltgestein überlagert. Durch die Erosion des alten Schildes entstanden mächtige Sedimentablagerungen in den angrenzenden Meeren. Diese Sedimentgesteine wurden während des Mesozoikums wiederholt gehoben und zu Gebirgen gefaltet. Der Prozess der Gebirgsbildung, der sich während des Tertiärs fortsetzte, war von Vulkanismus begleitet. An der Westküste entlang der Subduktionszone, wo sich die Pazifische Platte unter die Südamerikanische Platte schiebt, dauern vulkanische und seismische Aktivitäten bis heute an (siehe Plattentektonik). Die Gletscher der Anden gehen auf die quartäre Eiszeit zurück (Beginn vor 2,5 Millionen Jahren).
Den gesamten westlichen und nordwestlichen Rand Südamerikas nehmen die Anden ein. Die Ketten dieses geologisch jungen Hochgebirges wurden im Tertiär gefaltet und erheben sich steil von den schmalen Ebenen entlang der Küste am Pazifischen Ozean. In Venezuela sowie im größten Teil von Chile und Argentinien werden sie von einem einzigen Gebirgszug gebildet, während sich der mittlere Teil des Gebirgssystems in zwei oder drei parallele Bergketten (Kordilleren) auffächert. Im Westen Boliviens liegen zwischen den Bergketten weite Hochplateaus. Etwa 25 Gipfel erreichen Höhen über 5 000 Meter, darunter eine Reihe von Vulkanen; die meisten von ihnen liegen im mittleren Chile, im Süden Perus und Boliviens sowie in Ecuador. Das Bergland von Guayana im Norden und das weite Brasilianische Bergland im Osten werden von ausgedehnten Tafelländern gebildet, aus denen hohe Tafelberge aufragen. Der Pico da Neblina ist mit 3 014 Metern höchster Berg der Region, der Roraima erreicht eine Höhe von 2 810 Metern. Im Brasilianischen Bergland liegen die höchsten Erhebungen nahe der atlantischen Küste. Das Gestein dieser Hochländer verwitterte zu unfruchtbaren Böden rötlicher Färbung. In vielen Tälern entstand jedoch fruchtbares Erdreich aus Basaltgestein. Im weniger hohen und relativ flachen Patagonischen Tafelland sind die Böden meist fruchtbar, wegen der extremen klimatischen Verhältnisse aber nur von geringer Bedeutung für die Landwirtschaft. Zwischen diesen alten Rumpfgebirgen erstrecken sich ausgedehnte Tieflandregionen. Das nördlichste unter den Tiefländern ist das Orinocobecken, bestehend aus den Llanos (Schwemmlandebenen und flache Tafelberge) und einem System weit verzweigter Wasserläufe, die alle zwischen den beiden Flüssen Caquetá und Madeira in den Amazonas münden. Das Amazonasbecken ist leicht hügelig. Weiter im Süden liegen die flachen Täler und die Ebenen des Gran Chaco und der Pampas, die beide in die sumpfigen Überschwemmungsebenen der Flüsse Paraguay und Paraná übergehen. Die Küstenlinie Südamerikas weist nur wenige Buchten auf; nur im äußersten Süden und Südwesten ist sie von zahlreichen Fjorden gegliedert. Diese durch nacheiszeitlichen Anstieg des Meeres überfluteten Täler greifen zum Teil weit in das Landesinnere hinein.
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