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SüdamerikaEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Obwohl der Kontinent zu 50 Prozent von Wald bedeckt und von reichen Fanggründen umgeben ist, sind die Holz- und die Fischindustrie der meisten südamerikanischen Länder auf die Binnenmärkte begrenzt. Tropische Hart- und Weichhölzer werden im Amazonasbecken gewonnen, wo riesige Waldflächen für Weide- und Ackerland gerodet werden. Aus den südlichen Landesteilen Brasiliens und dem Süden Mittelchiles werden Bauholz (Kiefer) und Industrieholz ausgeführt. Südamerikas bedeutendste Fanggründe liegen im Pazifik. In den peruanischen und chilenischen Küstengewässern werden große Mengen von Anchovis für die Verarbeitung zu Fischmehl gefischt. Thunfisch wird vor den Küsten Ecuadors und Perus gefangen, wo auch Walfang betrieben wird. In Chile, Brasilien und Guyana werden große Mengen an Krustentieren gefangen.
Die traditionelle Kontrolle ausländischer Konzerne über die Rohstoffgewinnung in Südamerika ist in den letzten Jahren langsam zurückgegangen. Erdöl, Kupfer, Bauxit und Eisenerz sind die von Volumen und Marktwert her gesehen die bedeutendsten mineralischen Rohstoffe. In den Anden wurde vor der Kolonialzeit an mehreren Stellen Gold gewonnen. In den Bergen im Gebiet zwischen dem mittleren Peru und dem südlichen Bolivien wurden während der Kolonialzeit Silber und Quecksilber abgebaut; zudem gibt es reiche Vorkommen an für die Industrie bedeutenden Bodenschätzen wie Kupfer, Zinn, Blei und Zink. Kupfer wird in einem halben Dutzend Bergwerken in Nord- und Mittelchile abgebaut. Zwischen Ciudad Bolívar (Venezuela) und dem Norden von Suriname am Nordrand des Berglandes von Guayana liegt ein an mineralischen Rohstoffen wie Bauxit, Eisenerz und Gold besonders reiches Gebiet. Im Osten Mittelbrasiliens gibt es bedeutende Gold- und Diamantenvorkommen. Südamerika verfügt über keine größeren Kohlevorkommen. Nur in den Anden und im südlichen Brasilien gibt es kleine Lagerstätten. Kohle ist ein wichtiger Brennstoff für die Industrie und den Transport, insbesondere in Chile, Kolumbien und Brasilien. Reiche Vorkommen an Erdöl und Erdgas befinden sich von Venezuela bis Feuerland an den Rändern der Anden und in den Anden selbst. Die größten bekannten Ölfelder finden sich in der Gegend des Maracaibosees. Weitere Lagerstätten liegen in Norden von Kolumbien, in Ecuador und in Peru, östlich der Anden in den östlichen und zentralen Teilen von Venezuela und am Ostrand der Berge in Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien und Chile. Venezuela exportiert in erster Linie Rohöl, raffiniertes Öl und Erdölderivate. Über die Hälfte der auf dem Kontinent geförderten Menge an Erdöl und Erdgas entfällt auf dieses Land. Peru und in jüngster Zeit auch Ecuador sind in hohem Maße von Rohstoffexporten abhängig. Die Rohstoffgewinnung hat zwar positive Auswirkungen auf die Zahlungsbilanz, trägt aber meist nur wenig zum Bruttoinlandsprodukt und zur Beschäftigung in den einzelnen Ländern bei.
1956 erwirtschaftete die Industrie 20 Prozent, Mitte der neunziger Jahre über 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Argentinien, Venezuela, Brasilien, Chile, Kolumbien, Peru, Uruguay und Ecuador. Die Verarbeitung von Agrarprodukten bleibt weiterhin der bedeutendste Industriezweig, selbst in den beiden hoch industrialisierten Ländern Argentinien und Brasilien. Ein zentrales Problem des Kontinents bleibt weiterhin die Konzentration des produzierenden Gewerbes auf nur wenige Ballungszentren; dabei handelt es sich vorwiegend um die Metropolen. Die industrielle Entwicklung wurde im erheblichen Maß vom Staat gelenkt. Obgleich noch viele Betriebe Konzessionäre oder Tochtergesellschaften ausländischer Konzerne sind, halten seit den dreißiger Jahren einzelne Staaten immer größere Beteiligungen an der Schwerindustrie und dem Fahrzeugbau. In einigen Ländern werden Maschinen, Flugzeuge und militärische Fahrzeuge für den Export produziert. Hohe Zuwachsraten verzeichnet seit einigen Jahrzehnten die Petrochemie.
Haupthandelspartner sind die Vereinigten Staaten, Westeuropa und Japan. Die bedeutendsten Außenhandelsgüter sind Erdöl und Erdölderivate. Brasilien und Venezuela stellen den größten Anteil an den Exporten des Kontinents, Brasilien ist der größte Importeur. Der intrakontinentale Handel wird seit den sechziger Jahren durch verschiedene Kooperationsvereinbarungen gefördert. Die bedeutendste unter ihnen ist die Lateinamerikanische Freihandelszone (Latin American Free Trade Association, LAFTA). Zu den wichtigsten, zwischen den einzelnen Staaten gehandelten Waren gehören Weizen, Rinder, Wein und Bananen; Fertigwaren gewinnen zunehmend an Bedeutung. Der Export von Agrarprodukten und Rohstoffen ist jedoch nach wie vor von größerer Bedeutung als der Handel innerhalb des Kontinents. Südamerika kommt ein großer Anteil am Welthandel mit Erdöl, Kaffee, Kupfer, Bauxit, Fischmehl und Ölsaaten zu.
Ein Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Gebieten Südamerikas ist das Fehlen ausreichender Verkehrsnetze. Eisenbahnlinien sowie Küsten- und Flussschifffahrt sind in Argentinien, Brasilien und Chile von relativ großer Bedeutung. Die um 1930 entstandenen Eisenbahnen wurden in erster Linie für den Gütertransport vom nahen Hinterland zu den Hafenstädten gebaut. Nur im Südosten Brasiliens, in den Pampas Argentiniens und – im geringeren Umfang – in den dichter besiedelten Gebieten Uruguays, Chiles, Kolumbiens und Ecuadors finden sich relativ dichte Schienen- und Straßennetze. Der Straßenbau gewann ab den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Mittlerweile umfasst das kontinentale Straßennetz etwa drei Millionen Kilometer, ist aber noch sehr lückenhaft. Venezuela und die Küstengebiete Perus verfügen über ein gut ausgebautes Netz befestigter Straßen. Die Andenländer bauen seit Jahrzehnten ihre Straßen ins Landesinnere aus. Brasilien hat Teile des Amazonasbeckens durch Straßen verbunden. Flugzeuge in- und ausländischer Fluglinien gelten aufgrund der großen Entfernungen zwischen den einzelnen Zentren nach wie vor als zuverlässigstes Transportmittel des Kontinents.
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