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Israel

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Israel (Flagge und Hymne)Israel (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7

Geschichte

Bei der Proklamation des Staates Israel am 14. Mai 1948 blickten seine Gründer auf mehr als ein halbes Jahrhundert der Bemühungen um die Errichtung eines jüdischen Nationalstaates in Palästina zurück. Während dieser Zeit hatten sich schon die wichtigsten Elemente von Staatlichkeit herausgebildet. Eine entscheidende Rolle in dieser Vorgeschichte Israels spielte die Ende des 19. Jahrhunderts in Europa entstandene zionistische Bewegung (siehe Zionismus), deren Grundsätze bis heute das Fundament des politischen Lebens und des sozialen Zusammenhaltes des Staates bilden. Entstehung, Konflikte und Probleme des Staates Israel sind Teil der jüngsten Geschichte des Judentums wie auch des Nahen Ostens, dessen politische Entwicklung seit über einem halben Jahrhundert durch den Nahostkonflikt und die aus ihm resultierenden Nahostkriege mitgeprägt wird.

7.1

Von der Hoffnung auf Rückkehr bis zur Unabhängigkeit (19. Jahrhundert bis 1948)

7.1. 1

Zionismus

7.1.1. 1
Ursprünge

Der Traum von der Rückkehr in das historische Siedlungsgebiet, in dem die Juden zuletzt unter römischer Herrschaft ein Staatsvolk gebildet hatten und aus dem sie nach dem Scheitern ihres Aufstands unter Bar Kochba 135 n. Chr. (Jüdische Kriege) vertrieben worden waren, blieb in der Diaspora sehr lange nur als Teil der messianischen Hoffnung in der Religion lebendig. Eine jüdische Rückwanderung gab es kaum; um die Mitte des 19. Jahrhunderts lebten nach Schätzungen höchstens 12 000 Juden in Palästina.

Erst im Spannungsfeld zwischen Assimilation und Verfolgung des Judentums in Europa seit dem 18. Jahrhundert eröffnete sich eine neue Perspektive: Unter dem Eindruck des allgemein zunehmenden Antisemitismus und der Übergriffe gegen Juden in Osteuropa (Pogrome) entstand im 19. Jahrhundert eine Bewegung, die auch den Gedanken der Assimilation verwarf und nur im Auszug aller Juden aus den Nationalstaaten in eine neue „nationale Heimstätte” die Lösung der „Judenfrage” sah. Zur entscheidenden Kraft wurde dabei die 1897 in Basel auf dem Zionistischen Weltkongress gegründete Zionistische Weltorganisation (nach Zion, der biblischen Bezeichnung für einen der Hügel Jerusalems). Ihr charismatischer Führer Theodor Herzl, ein österreichischer Journalist, der mit seinem Buch Der Judenstaat die Programmschrift des Zionismus geliefert hatte, verhandelte viele Jahre lang erfolglos mit den Großmächten, die im Nahen Osten Einfluss besaßen, über die Zuteilung eines Territoriums. Erst der 1. Weltkrieg und die aus ihm resultierende Veränderung der Machtverhältnisse in Europa wie im Nahen Osten brachte das zionistische Projekt voran.

7.1.1. 2
Alija

Unterdessen hatten die Zionisten bereits viel für die Einwanderung (Alija) nach Palästina getan. Die erste Alija war im Wesentlichen ein philanthropisches Unterfangen europäischer Geldgeber unter Führung des Pariser Bankiers Edmond de Rothschild (1845-1934) gewesen: Von 1882 bis 1903 wurden etwa 25 000 Juden aus Osteuropa in landwirtschaftlichen Kolonien in Palästina angesiedelt, die allerdings ohne finanzielle Unterstützung aus Europa nicht bestehen konnten. Die Leitidee dieses Unternehmens bestand darin, dem Bild des Ghettojuden das des jüdischen Ackerbauers entgegenzustellen; Hintergedanke war, den assimilierten Juden in Westeuropa den Zuzug weiterer „Ostjuden” zu ersparen, denn diese konnten aus ihrer Sicht dem Antisemitismus noch weiteren Auftrieb verleihen. Mit der zweiten und dritten Alija, nun unter zionistischer Leitung, kamen bis 1923 weitere 75 000 vorwiegend osteuropäische Juden nach Palästina. In diese Zeit fällt die Entstehung der sozialistisch und egalitär geprägten Kolonien (Kibbuzim, Moschawim u. a.) und die Gründung Tel Avivs, der ersten jüdischen Stadt (1908).

7.1. 2

Die Briten in Palästina (1918-1948)

7.1.2. 1
Palästina im Schnittpunkt äußerer Interessen

Die Volkszählung, die Großbritannien 1922 in Palästina durchführte, nachdem es vom Völkerbund das Mandat über die frühere Provinz des Osmanischen Reiches erhalten hatte, ergab die Zahl von 84 000 jüdischen Einwohnern – 11 Prozent der Bevölkerung des Gebiets. Die Bevölkerungsmehrheit bestand aus arabisch sprechenden Muslimen und Christen.

1918 hatte Großbritannien das Gebiet besetzt. Schon lange vor dem absehbaren Ende des Osmanischen Reiches hatten die alliierten Großmächte Verhandlungen über eine Aufteilung des Nahen Ostens in Einflusszonen aufgenommen. Dabei wurden den Arabern, die auf alliierter Seite gekämpft hatten (u. a. unter Lawrence von Arabien), Gebietsversprechungen gemacht, die Hussein ibn Ali, den Scherifen von Mekka, auf ein großarabisches Reich hoffen ließen; andererseits hatten Frankreich und Großbritannien schon 1916 in einem geheimen Vertrag (siehe Sykes-Picot-Abkommen) eine Aufteilung der Region vereinbart, bei der Palästina unter gemeinsame Verwaltung kommen sollte.

In dieser Konstellation bemühte sich die zionistische Bewegung unter Chaim Weizmann, dem Nachfolger Herzls, ihre Interessen zu wahren, und sah sich dabei im Bund mit Großbritannien, das ein von ihm abhängiges jüdisches Staatswesen nahe Ägypten und dem Suezkanal in Erwägung zog. Gestützt auf die einflussreichen jüdischen Gemeinschaften in England und den USA gelang es Weizmann, die nach dem damaligen Außenminister benannte Balfour-Deklaration zu erwirken, in der die britische Regierung erklärte: „Die Regierung Seiner Majestät begrüßt die Errichtung eines Staates für das jüdische Volk in Palästina und wird ihr Möglichstes zur Unterstützung dieses Projekts tun. Bei der Erreichung dieses Zieles sollen die zivilen und religiösen Rechte der bereits in Palästina lebenden, nichtjüdischen Gemeinden nicht beeinträchtigt werden …”. Als der Völkerbund 1920 Großbritannien das Mandat über Palästina, Transjordanien und den Irak übertrug, wurde die Verpflichtung auf die Balfour-Deklaration in die Präambel aufgenommen.

7.1.2. 2
Zionistischer Aufbau

Die zionistische Bewegung verstand dies als Ermutigung, wenn nicht als Charta für eine Staatsgründung, und verstärkte ihre Bemühungen um die Einwanderung, die Konsolidierung der jüdischen Gemeinschaft (Jischuw) und den Aufbau ihrer Institutionen. Schon 1920 gründeten sich der Gewerkschaftsbund Histadrut und der Jüdische Nationalfonds Keren Hayesot; 1922 wurde, als Vertretung jüdischer Interessen bei der Mandatsmacht, die Jewish Agency eingerichtet – die Keimzelle des Staates Israel. Der Zufluss von Geldern aus der jüdischen Diaspora erlaubte Landkauf im großen Stil, Industrien wurden aufgebaut, die dem Prinzip der „ausschließlich jüdischen Arbeit” (Avoda Ivrit) verpflichtet waren. Neue Städte, lokale Verwaltungen, eine Abgeordnetenversammlung und ein Nationalrat mit exekutiven Funktionen entstanden, die Hebräische Universität in Jerusalem wurde gegründet, die Entwicklung des Neuhebräischen (Ivrit) gefördert, für Angelegenheiten des Zivilstandes wurde das Rabbinat zuständig. Ein britischer Zensus von 1931 zählte bereits 175 000 jüdische Bewohner in Palästina, das waren 17 Prozent der Bevölkerung. In den zehn Jahren zwischen 1929 und 1939 kamen insgesamt 250 000 jüdische Einwanderer ins Land.

In diesen Zeitraum fällt das Datum 1933: Die Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und der Beginn der systematischen Judenverfolgung in Deutschland und nachfolgend in großen Teilen Europas (siehe Holocaust). Das zionistische Projekt erhielt hierdurch die ungeahnte neue Dimension und Herausforderung, zunächst den deutschen Juden, schließlich dem gesamten kontinentaleuropäischen Judentum eine Zuflucht zu schaffen. Allein 1935 etwa emigrierten 60 000 Juden nach Palästina. Dabei spielte es auch eine Rolle, dass die großen westlichen Nationen an einer restriktiven Einwanderungspolitik festhielten: Während der Zeit des Nationalsozialismus wanderten z. B. deutlich weniger Juden in die USA aus als nach Palästina.

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