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SpanienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Das goldene Zeitalter des spanischen Bildungswesens lag im Mittelalter, als Mauren, Christen und Juden in Córdoba, Granada und Toledo starke, religionsübergreifende Zentren für höhere Bildung unterhielten. Die Universität von Salamanca (1218 gegründet) diente seit dem 16. Jahrhundert als Vorbild für die Hochschulen in Lateinamerika und stärkte so den internationalen Einfluss des spanischen Bildungswesens. Im Lauf des 16. Jahrhunderts war die Universität von Alcalá (gegründet in Alcalá de Henares 1510, Umzug nach Madrid 1836 – Universität von Madrid) für die in vielen Sprachen parallel durchgeführten Bibelübersetzungen berühmt. Bedeutende Lehrmeister jener Zeit waren u. a. Juan de Huarte, ein Pionier auf dem Gebiet psychologisch orientierter Erziehung, der Humanist und Philosoph Juan Luis Vives, der neue Vorstellungen für das Bildungswesen vertrat und sich ganz besonders für die Bildung der Frauen einsetzte, sowie St. Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens. Francisco Giner de los Ríos, der nach Reformmöglichkeiten in der höheren Bildung und bei der Ausbildung von Frauen suchte, Francisco Ferrer Guardia, der sich für eine Reform und Demokratisierung der Bildung stark machte, und der Philosoph José Ortega y Gasset, dessen Schriften über die Aufgaben der Universität in viele Sprachen übersetzt wurden, waren weitere Lehrer, die im 19. und 20. Jahrhundert wichtige Beiträge zum Bildungswesen leisteten. Die Königliche Spanische Akademie (1713 gegründet) und die Königliche Akademie für Geschichte (1738 gegründet) sind für ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen bekannt. Jede Betrachtung der spanischen Kultur muss den außerordentlich großen Einfluss der Religion auf die Geschichte des Landes und das Leben des Einzelnen hervorheben. Das spanische Leben ist stark von Fiestas geprägt. Diese beginnen normalerweise mit einer Hochmesse mit anschließender feierlicher Prozession, bei der Heiligenfiguren von den Teilnehmern auf ihren Schultern getragen werden. Oft beleben Musik, Tanz, Dichtung und Gesang das farbenfrohe Ereignis. Zu den bedeutendsten Fiestas gehören die Fiesta in Valencia, die April-Fiesta in Sevilla und die Fiesta San Fermín in Pamplona. Dagegen sind das Fronleichnamsfest in Toledo und Granada sowie die Feierlichkeiten der Karwoche in Valladolid, Zamora und Cuenca sehr ernsthafte Ereignisse. Der Stierkampf, der in der spanischen Tradition eine überaus große Rolle einnimmt, wird fiesta brava genannt. Auch wenn der Stierkampf selbst in Spanien immer stärker in die Kritik gerät, bleibt der Besuch einer Arena für viele Spanier eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Wurzeln des Stierkampfes reichen in das 16. Jahrhundert zurück, als Reiter (caballeros) die Stiere mit der Lanze erlegten. Neben der Funktion als Feierlichkeit an adeligen Höfen diente dieser Kampf mitunter auch als Waffenübung. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde der berittene Kämpfer immer mehr vom „Kämpfer zu Fuß” verdrängt. Zum öffentlichen Schauspiel wurden Stierkämpfe mit Fertigstellung des Baus der ersten Plaza de Toros im Jahr 1749 in Madrid. Mittlerweile treten als Stierkämpfer nur noch professionelle Toreros in die Arena.
Während der letzten Jahrzehnte wurde das Bildungswesen des Landes kontinuierlich ausgebaut. Dadurch gelang es auch, die Analphabetenrate auf inzwischen unter 5 Prozent zu senken. In Spanien ist die Schulausbildung kostenlos. Es besteht eine Schulpflicht von 11 Jahren (2001–2002). Das Schulsystem besteht aus der Vorschule (für Kinder von drei bis fünf Jahren), der Grundschule (von sechs bis elf Jahren) und einer weiterführenden Schule (von zwölf bis 16 Jahren). Danach können die Schüler entweder eine ein bis zwei Jahre dauernde Berufsausbildung absolvieren oder das sich über zwei Jahre erstreckende Bachillerato als Vorbereitung und Bedingung für den Besuch der Universität ablegen. Das universitäre System besteht aus drei Stufen. Die erste, bei deren Abschluss die Diplomatura erreicht wird, dauert drei Jahre. Nach Abschluss der zweiten Stufe, die sich über zwei oder drei Jahre hinzieht, wird die Licenciatura abgelegt. Studenten, die den Grad eines Doktors erreichen wollen, müssen die dritte Stufe über zwei Jahre absolvieren und eine Doktorarbeit schreiben. Etwa 1,83 Millionen Studenten sind an spanischen Hochschulen eingeschrieben (2001–2002). Zu den bedeutendsten Universitäten des Landes gehören die Universität und die Polytechnische Hochschule von Madrid (1971 gegründet) sowie die Universitäten von Barcelona (1450), Granada (1526), Salamanca (1218), Sevilla (1502) und Valencia (1500).
Die 1712 als Königliche Bibiliothek gegründete Nationalbibliothek in Madrid ist die größte des Landes und beherbergt über vier Millionen gebundene Bücher. Zu ihrer Sammlung gehören seltene Bücher, Drucke und die wunderschöne Sala de Cervantes, die dem großen spanischen Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra gewidmet ist. Die Bibliothek des Königlichen Palastes (1760 gegründet) in Madrid verfügt über viele seltene Auflagen aus dem 16. Jahrhundert sowie über herausragende Manuskripte und Kupferstiche. Die Escorial-Bibliothek in der Nähe von Madrid ist für ihre Sammlung seltener Bücher bekannt. Archiv und Bibliothek der Kathedrale von Toledo sind für die Sammlung von etwa 3 000 Manuskripten aus dem 8. und 9. Jahrhundert und mehr als 10 000 Dokumenten aus dem 11. Jahrhundert berühmt. Eine der größten Kunstsammlungen der Welt befindet sich im Nationalmuseum in Madrid (dem Prado). Hier finden sich Exponate von El Greco, Diego Velázquez, Bartolomé Esteban Murillo und Francisco Goya, Werke der italienischen Maler Sandro Botticelli und Tizian sowie von Rembrandt. Das Nationalmuseum für Moderne Kunst in Madrid hat sich auf die spanische Malerei nach 1800 spezialisiert. Spanische Tonwaren, Brokate, Wandteppiche und Elfenbeinschnitzereien befinden sich im Nationalen Museum für Archäologie, das auch die bedeutendste spanische Bibliothek mit Werken der Archäologie beherbergt. Im Nationalen Völkerkundemuseum in Madrid sind Kunstwerke aus den ehemaligen spanischen Kolonien ausgestellt, darunter aus Äquatorialguinea, den Philippinen und Bolivien. Weitere Museen in Madrid sind das Nationale Museum der Wissenschaft und das Museum des Spanischen Volkes. In Barcelona befinden sich das Meereskundemuseum und das Archäologische Museum, das eine große Sammlung prähistorischer, phönizischer, griechischer, römischer und westgotischer Kunstwerke beherbergt.
Siehe spanische Literatur
Die spanische Kunst wirkte über die Jahrhunderte nachhaltig auf den Rest der europäischen Tradition. Zu den berühmtesten spanischen Malern gehören El Greco, Velázquez, Goya, Salvador Dalí und Pablo Picasso. Die spanische Musik spiegelt die starken Einflüsse der christlichen und maurischen Kultur. Im 17. Jahrhundert wurde eine besondere Opernform, die Zarzuela, eingeführt. Antonio Soler war im 18. Jahrhundert einer der führenden Klavierkomponisten, und Enrique Granados sowie Manuel de Falla setzten diese Tradition im 20. Jahrhundert fort. Neben Komponisten von Weltruf brachte Spanien auch Instrumentalvirtuosen hervor. Berühmte spanische Musiker des 20. Jahrhunderts sind u. a. der Gitarrist Andrés Segovia, der u. a. Paco de Lucía maßgeblich beeinflusste, und der Cellist Pablo Casals. Unter den berühmtesten Tenören der Gegenwart kommen José Carreras und Plácido Domingo aus Spanien. Zu den in Spanien beliebtesten Instrumenten gehören Gitarre, Tamburin, Kastagnetten und die gaita, eine Art Dudelsack. Bolero, Flamenco, Jota und Fandango haben in Spanien ihren Ursprung.
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