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    Bearbeiten] Allgemeines. Wie in allen Kulturen, war und ist die chinesische Literatur nicht nur eine Reflexion der jeweiligen Gesellschaft und des Lebens, sondern auch oft selbst ...

  • Chinesische Literatur

    Autor: Mechtild Leutner Verlag: Lit ISBN: 3-8258-8434-1 Erschienen: 2005 Kosten: 20.90 €

  • Chinesische Literatur

    Chinesische Literatur. Daß dem geschriebenen Wort mehr Bedeutung zukommt als dem gesprochenen, nimmt bei einem Schriftsystem wie dem chinesischen, dessen Schriftzeichen sich aus ...

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Chinesische Literatur

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KonfuziusKonfuzius
Artikelgliederung
1

Einleitung

Chinesische Literatur, die Gesamtheit der in chinesischer Sprache verfassten Literatur. Sie entwickelte sich in literarischer Hochsprache ebenso wie im umgangssprachlichen Chinesisch; Letzteres war bereits vor 1000 v. Chr. gebräuchlich und spielt auch in der modernen chinesischen Literatur eine bedeutende Rolle. Anfangs entstanden Gedichte, später auch Dramen und Erzählungen in dialektgefärbter Umgangssprache; hinzu kamen Geschichtswerke und Schriften zu Philosophie, Kunst und Wissenschaft. Die in der Volkssprache abgefasste Literatur wurde lange Zeit von den Staatsgelehrten, die den literarischen Kanon bestimmten, nicht anerkannt. Mit ihren sprachlich und stilistisch ausgefeilten Schriften setzten sie den Maßstab für die orthodoxe literarische Tradition, die vor etwa 2 000 Jahren ihren Anfang nahm. Erst ab dem 20. Jahrhundert wurde die volkssprachliche Literatur auch von intellektuellen Kreisen geschätzt und gefördert.

Die ältesten chinesischen Schriftzeugnisse sind Inschriften auf Knochen und Schildkrötenpanzern, die etwa im 14. Jahrhundert v. Chr. entstanden. Bei den Texten handelt es sich um Weissagungen für das Leben der Herrscher der Shang-Dynastie (um 1766 bis ca. 1027 v. Chr.), der ältesten belegten Dynastie in China. Zwar stellen diese Inschriften keine literarischen Texte im eigentlichen Sinn dar, dennoch kommt ihnen als frühesten Zeugnissen der chinesischen Schrift große Bedeutung im Hinblick auf sämtliche späteren literarischen Werke Chinas zu.

Die Literaturwissenschaft teilt die chinesische Literaturgeschichte grob in drei historische Zeiträume ein, wobei die chinesische Klassik den Zeitraum vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. umfasst. Als literarisches Mittelalter gilt die Epoche zwischen dem 3. und dem 12. Jahrhundert; die ab dem 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart entstandenen Werke werden der Neuzeit zugerechnet.

2

Klassik (6. Jahrhundert v. Chr. bis 2. Jahrhundert n. Chr)

Die chinesische Klassik fällt ungefähr in den gleichen Zeitraum, in dem auch die klassischen Werke der griechischen und römischen Literatur entstanden. Als prägend wird die Zeit vom 6. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. angesehen, in der die Herrscher der Zhou-Dynastie (um 1027 bis 256 v. Chr.) China regierten. In dieser Epoche entstanden auch die Werke der Philosophen Konfuzius, Mencius, Lao-tse und Zhuangzi. Ihre Grundanschauungen sind in den Texten der fünf konfuzianischen Klassiker und anderen philosophischen Abhandlungen zusammengestellt. In den folgenden Jahrhunderten erlangten diese Schriften kanonische Geltung. Der Konfuzianismus avancierte zur allgemein gültigen Lehrphilosophie und begründete eine klassische Tradition, die bis ins 20. Jahrhundert gepflegt wurde.

2.1

Lyrik

Wichtigstes lyrisches Zeugnis der chinesischen Klassik ist die Anthologie Shi-jing oder Shih-ching (Buch der Lieder), deren 305 Gedichte aus einem Zeitraum vom 10. bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. aus jeweils vier Wörter umfassenden Versen bestehen. Dieses älteste bekannte Werk in schlichter Volkssprache gilt zudem als dritter der fünf Klassiker. Der Überlieferung zufolge stellte es Konfuzius selbst zusammen. Etwa die Hälfte der Lieder des Shi-jing stellen keine Lobpreisungen von Göttern und Helden dar, sondern schildern das Leben der chinesischen Kleinbauern, ihre Freuden und Leiden, ihr Tagewerk und ihre Feste. Bei den übrigen Texten handelt es sich um dynastische Gesänge, die anschaulich Leben und Gebräuche des Adels und bei Hofe widerspiegeln. Ursprünglich wurden die höfischen Dichtungen mit Musik- und Tanzbegleitung vorgetragen; die chinesische Lyrik war von jeher eng mit der Musik verknüpft.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich der höfische Stil in den Gedichten der Anthologie Ch’u-tz’u (Gesänge aus dem Süden, zusammengestellt im 2. Jahrhundert n. Chr.). Zu ihren Autoren gehörte auch Qu Yuan (Ch’ü Yüan), der einem Adelsgeschlecht im Staat Ch’u im südlichen Zentralchina entstammte. Mit Li-sao (Der Trauer verfallen) etwa verfasste er ein autobiographisch-rhapsodisches Langgedicht, das mit Hilfe einer Vielzahl von historischen Bezügen, allegorischen Sprüchen und Gleichnissen die Seelenqual des nach einem unerreichbaren Ideal strebenden Dichters thematisiert. In ihrer Sprachgewalt und Metaphorik unterscheidet sich Qu Yuans Lyrik stark von den eher schlichten und realistischen Gesängen des Shi-jing.

Während der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) etablierten sich allmählich Dichterschulen. Aus den bisweilen reimlosen Versen des Qu Yuan entstand eine neue literarische Gattung, das Fu oder Prosagedicht. Bereichert wurde die chinesische Lyrik außerdem durch Volkslieder, die etwa im 2. Jahrhundert v. Chr. von einer speziell zu diesem Zweck eingerichteten Institution des Yüeh-fu gesammelt wurden.

2.2

Prosa

Richtungweisend in der chinesischen Prosa waren das Yi-jing (auch I-ching oder I Ging, Das Buch der Wandlungen), in dem Weissagungen gesammelt sind, das Shu-jing (Shu-ching, Das Buch der Urkunden), eine Zusammenstellung von Texten zu staatspolitischen Fragen, das Li-ji (Li-chi, Das Buch der Sitte) mit Opfervorschriften und moralischen Traktaten sowie das Chun-qiu (Ch’un-ch’iu, Frühling und Herbst), eine Konfuzius zugeschriebene Chronik, in der die Geschichte des Staates Lu von 722 bis 481 v. Chr. aufgezeichnet ist. Zusammen mit dem Shi-jing gehören sie zu den fünf Klassikern der chinesischen Literatur.

Zwischen dem 6. und dem 3. Jahrhundert v. Chr. erschienen die wichtigsten Werke der chinesischen Philosophie. Wegweisend waren hier die von Anhängern in Lun-yu (Lun-Yü, Gespräche des Konfuzius) in Form von Aphorismen und Gesprächsnotizen festgehaltenen Lehren des Konfuzius, die Schriftensammlung des Mencius, eines Vertreters des Konfuzianismus, über Gespräche mit Staatsmännern und Gelehrten, das dem Begründer des Taoismus Lao-tse zugeschriebene Tao-te ching (Buch vom Weg und von der Tugend) sowie die kühnen Essays des Zhuangzi (Chuang-tzu), eines taoistischen Philosophen. Sowohl hinsichtlich ihres Prosastiles als auch ihres philosophischen Gehalts bedeutend sind die Abhandlungen der Philosophen Mo Ti, Xunzi und Han Feizi.

Das Monumentalwerk Shih-ji (Shih-chi, Historische Aufzeichnungen) des Sima Qian (Ssu-ma Ch’ien) schildert die Geschichte Chinas von den Anfängen bis zur Zeit der Han-Dynastie. Es diente etwa 2 000 Jahre lang als Vorbild für die chinesische Geschichtsschreibung. Auch im Hinblick auf die literarische Darstellung politischer und moralischer Fragen setzten die konfuzianischen Philosophen Maßstäbe. Ihr gehobener Schreibstil stand im Kontrast zu den umgangssprachlichen Wendungen anderer Texte. Während der Herrschaftszeit der Han-Dynastie wurden die Gelehrten in die Staatsverwaltung integriert. Ausschlaggebend hierbei war der Kenntnisgrad der konfuzianischen Klassiker. Mit wenigen Unterbrechungen hielt sich diese Praxis bis ins 20. Jahrhundert und bewirkte so, dass der literarischen Tradition eine starre kultische Bedeutung anhaftete.

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