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Windows Live® Suchergebnisse ValentinusEnzyklopädieartikel
Valentinus (2. Jahrhundert n. Chr.), in Ägypten geborener Religionsphilosoph, Begründer einer der wichtigsten Religionsgemeinschaften des Gnostizismus. In der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts während der Amtszeit von Papst Hyginus ließ sich Valentinus in Rom nieder und lehrte dort über 20 Jahre lang. Dem Theologen Tertullian zufolge brach Valentinus mit der christlichen Kirche und verließ Rom, nachdem er bei der Verleihung des Bischofsamtes übergangen wurde. Er führte die Arbeit an seinen Lehren weiter fort, möglicherweise in Zypern. Seine Anhänger entwickelten seine Lehren weiter, wobei sich zwei Schulen herausbildeten, eine mit Zentrum in Italien und die andere in Alexandria. Bruchstückhafte Zitate von Valentinus’ Lehren sind in den Werken seiner christlichen orthodoxen Gegner (etwa Irenaeus) erhalten. Auch eine in Nag Hammadi (Ägypten) entdeckte koptische Schrift gilt als Übersetzung eines ursprünglich von Valentinus verfassten Werkes. Diesen Quellen zufolge spiegeln die Ideen des Valentinus Einflüsse der Platonischen Philosophie, der östlichen dualistischen Religion (z. B. Zoroastrismus), und des Christentums wider. Er postulierte ein geistiges Reich, bestehend aus einer Folge von Äonen (von griechisch aion: Ewigkeit), die aus einem ursprünglich göttlichen Wesen entstanden seien. Dieser Gottvater war der erste Äon. Der Äon Sophia (griechisch: Weisheit) erzeugte einen Weltenschöpfer, den Demiurgen, der mit dem jüdischen Schöpfergott des Alten Testaments identisch ist. Der Demiurg wiederum schuf das im Wesen böse materielle Universum, in welchem die menschlichen Seelen, die ursprünglich dem geistigen Reich angehörten, gefangen sind. Die aus dem Äon Sophia ausgelöste Sehnsucht (Christus) vereinigte sich mit dem Menschen Christus, um der Menschheit die erlösende Erkenntnis (Gnosis) vom göttlichen Reich zu überbringen. Bloß die hochgeistigen menschlichen Wesen, die Gnostiker oder Pneumatiker (von griechisch pneuma: Lebensgeist), sind vollkommen befähigt, diese Offenbarung zu empfangen. Nach ihrem Tod sind sie so in der Lage, in das geistige Reich wieder einzugehen. Andere Christen können lediglich das Reich des Weltenschöpfers, des Demiurgen, erreichen, während die Heiden, in der materiellen Existenz versunken, der ewigen Verdammnis geweiht sein sollen.
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