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TürkeiEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Zu den staatlich geleiteten kulturellen Institutionen der Türkei gehören die beiden Opernhäuser in Istanbul und Ankara, die Kunstakademie in Istanbul, drei Musikkonservatorien sowie eine Volkstanztruppe. In Istanbul, Edirne, Bursa und in anderen Städten gibt es christliche Kirchen, die zu Moscheen umgebaut wurden, sowie von dem berühmten türkischen Architekten Sinan erbaute Moscheen. Der Sultanspalast Topkapı Sarayı ist heute ein Museum, das die kaiserlichen Schätze und die Reliquien des Propheten Mohammed beherbergt. Das Museum für anatolische Zivilisation in Ankara verfügt u. a. über Exponate aus der Zeit der Hethiter und Phryger. Zu den größten Bibliotheken der Türkei gehören die Nationalbibliothek in Ankara und die Bayazit-Staatsbibliothek in Istanbul.
In der Türkei fand ein allmählicher Übergang von den islamischen Kunsttraditionen des Osmanischen Reiches (siehe islamische Kunst und Architektur) zu einer an westlichen Vorbildern orientierten Kunst statt. Inzwischen suchen immer mehr Künstler neuerlich nach Ausdrucksformen einer spezifisch türkischen Kunst. Die älteste türkische Poesie lebt in der Volksdichtung der Kirgisen fort; ihr Heldenepos Manas wurde mündlich überliefert. Die ersten mystischen Dichtungen stammen von Yunus Emre und anderen Schriftstellern des 14. Jahrhunderts und führten zur Hof- und Gelehrtendichtung oder Diwan-Dichtung. Volkstümlichere Dichtkunst wurde von Minstrels gesungen; diese Tradition hat noch heute Bestand. Kemal Tahir zählt ebenso zu den bedeutendsten modernen Romanautoren der Türkei wie Yaşar Kemal; zu seinen Werken gehören Ince Memed (1955, Memed, mein Falke), der preisgekrönte Roman eines modernen Robin Hood, der dem Autor zu seinem internationalen Ruf verhalf, Teneke (1955, Anatolischer Reis) und Bin Boğalar Efsanesi (1971, Das Lied der Tausend Stiere), eine Geschichte, die Mythos und realen Untergang eines Nomadenstammes verbindet. Auch im Ausland bekannt ist Nazım Hikmet, ein Marxist, der seine Gedichte in derbem umgangssprachlichem Türkisch schrieb und freie Verse in die türkische Literatur einführte.
In der Türkei gibt es rund 330 Tageszeitungen, von denen die meisten nur eine geringe Auflagenhöhe erreichen. Die einflussreichsten Blätter sind Cumhuriyet, Sabah, Hürriyet, Milliyet und Türkiye; sie werden alle in Istanbul verlegt. Zudem erscheinen viele Wochen- und Monatszeitschriften. Die Regierung betreibt vier nationale Radiosender und fünf Fernsehsender; außerdem sind mehrere private und staatliche Fernsehstationen in Betrieb.
Der Versuch vonseiten der Alliierten und Griechenlands, das Land nach dem 1. Weltkrieg aufzuteilen, führte zum türkischen Unabhängigkeitskrieg unter der Führung von Mustafa Kemal Atatürk. Am 29. Oktober 1923 wurde die türkische Republik ausgerufen. Es folgte eine Reihe von Modernisierungsmaßnahmen, darunter im Jahr 1924 die Abschaffung der religiösen Gerichte; 1934 erhielten die Frauen das Wahlrecht, seit Oktober 2001 garantiert die Verfassung die Gleichberechtigung der Frau in der Ehe, und seit Mai 2004 ist die Gleichstellung von Mann und Frau generell in der Verfassung festgeschrieben. Das Mehrparteiensystem wurde 1946 eingeführt, als die neu gegründete Demokratische Partei durch eine Koalition mit der Republikanischen Volkspartei 62 Parlamentssitze gewann. 1950 errang die Demokratische Partei einen Wahlsieg. Zunehmende Spannungen zwischen den Parteien beschworen eine Staatskrise herauf, die zu einem Militärputsch führte; die Junta führte daraufhin die Staatsgeschäfte von 1960 bis 1961. Im Jahr 1961 wurde eine neue Verfassung angenommen. Bei den darauf folgenden allgemeinen Wahlen gab es keine klaren Mehrheitsverhältnisse, und verschiedene Parteien stellten eine Reihe von Koalitionsregierungen auf. Nach einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Terrorakte in den siebziger Jahren verhängte eine zweite Militärjunta 1980 das Kriegsrecht und löste alle politischen Parteien auf. 1982 wurde in einem Referendum eine neue Verfassung angenommen, die seither mehrmals geändert wurde; 1983 wurde wieder eine Zivilregierung eingesetzt. Nationalfeiertag ist der 29. Oktober, der „Tag der Republik”, der an die Ausrufung der Republik im Jahr 1923 erinnert.
Nach der Verfassung von 1982 ist die Große Nationalversammlung (Einkammerparlament) das gesetzgebende Organ. Sie besteht aus 550 Mitgliedern, die in direkter Wahl auf fünf Jahre gewählt werden. Wahlberechtigt sind alle Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben.
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