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TürkeiEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Zur Geschichte des Gebiets der heutigen Türkei vor der Herrschaft der Osmanen siehe Kleinasien. In Anatolien entwickelten die aus dem Hochland des Landesinneren stammenden Hethiter (um 1900-1200 v. Chr.) die erste Hochkultur des Landes. Sie wurde von den Seevölkern (ägäische Wanderung) zerstört, die gegen Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. in Kleinasien und Syrien einfielen. Eine der ersten Zerstörungen Trojas fand wahrscheinlich während dieser Überfälle statt. Eines der Seevölker, die Phryger, errichtete ein Königreich, das im 9. und 8. Jahrhundert v. Chr. in Anatolien zu einer Vormachtstellung gelangte. Während dieser Zeit gründeten die Griechen Milet, Ephesos, Priene und eine Reihe weiterer Städte an der ägäischen Küste in Ionien. Um 700 v. Chr. fielen die Kimmerier – ein Nomadenvolk, das sich später im Westen Kleinasiens niederließ – in das phrygische Reich ein und zerstörten es. Im 7. Jahrhundert v. Chr. kamen die Lyder an die ägäische Küste und gründeten ein Reich mit der Hauptstadt Sardes (Sardis), die 546 v. Chr. von den Persern unter Kyros (Cyrus) dem Großen erobert wurde. Von der Mitte des 6. Jahrhunderts bis zum Jahr 333 v. Chr. gehörte der Großteil Kleinasiens, einschließlich Anatoliens, zum Perserreich, wobei die griechischen Städte eine gewisse Autonomie hatten. Im 4. Jahrhundert v. Chr. setzte der Verfall des Persischen Reiches ein, und 333 v. Chr., nach der Schlacht von Issos, wurde es vom siegreichen Makedonischen Reich Alexanders des Großen abgelöst. Im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. wurde Kleinasien allmählich von den Römern erobert. Nach der Teilung des Römischen Reiches im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde Kleinasien Teil des Oströmischen Reiches (Byzantinisches Reich), mit der Hauptstadt Konstantinopel (heute Istanbul) auf der europäischen Seite des Bosporus genau gegenüber der Westküste Anatoliens. Während des 11. Jahrhunderts fielen die Seldschuken in Kleinasien ein. 1055 eroberten sie Bagdad und 1071 schlug der Seldschukensultan Alp Arslan die byzantinische Armee in der Schlacht bei Manzikert. Im 12. Jahrhundert verwüsteten die Seldschuken große Teile Ost- und Mittelanatoliens. Obwohl zu dieser Zeit das Hauptziel der Seldschuken nicht die Eroberung von Byzanz, sondern die Abwehr der Fatimiden und der aus Ägypten ausgehenden heterodoxen (von der herrschenden Lehre abweichend) schiitischen Islam war, drängten doch einige Mitglieder der Seldschukendynastie den Nomaden nach. Sie errichteten das Sultanat Rum (Hauptstadt: Konya), das Anatolien im 12. und 13. Jahrhundert beherrschte. Der Großteil der Nomaden, die zu den anfänglichen Siegen der Seldschuken beigetragen hatten, wurde bald in den Westen Anatoliens abgedrängt, wo Grenzkolonien gegen die letzten byzantinischen Abwehrstellungen aufrechterhalten wurden. Das Sultanat von Rum versuchte sich am Seldschukenreich von Bagdad zu orientieren; doch die große Anzahl von Christen innerhalb der Reichsgrenzen und die Überlagerung einer lebendigen christlichen Tradition durch den Islam ließen eine Sozialstruktur entstehen, die sich deutlich von der anderer islamischer Staaten unterschied. Dieses Sozialgefüge lieferte auch die Basis für die einzigartigen Regierungs- und Sozialsysteme der Osmanen, die sich ab dem 14. Jahrhundert allmählich herauszukristallisieren begann. Die Seldschuken in Bagdad und Konya wurden bald von den einfallenden Mongolen unter Dschingis Khan besiegt: 1258 wurde Bagdad erobert. Die turkmenischen Nomadenstämme Anatoliens bildeten in dieser Zeit der Wirren eine Reihe von Fürstentümern, die formell unter der Oberhoheit Rums standen, aber von den Mongolen kontrolliert wurden.
Die günstige geographische Lage seines im Nordwesten Anatoliens gelegenen kleinen Fürstentums ermöglichte es Osman I. Ghasi, dem Gründer der osmanischen Dynastie, die Schwäche des Byzantinischen Reiches auszunutzen und reiche Beute bei Überfällen auf christliches Gebiet zu machen. Er eroberte u. a. die byzantinischen Städte Eskisehir, Bilecik, Yarhisar und Yenisehir und sein Sohn die Provinzhauptstadt Bursa (1326). Die Osmanen kontrollierten damit das fortgeschrittene Verwaltungs-, Finanz- und Militärwesen der Provinz; Bursa wurde ihre Hauptstadt. Allmählich gelang ihnen die Expansion ihres Reiches auf das turkmenische Gebiet im Westen Anatoliens (siehe Osmanisches Reich). Die Expansion des Osmanischen Reiches auf europäischem Boden begann gegen Ende der Herrschaftszeit Orhans. Osmanische Soldaten standen auch als Söldner im Dienst von byzantinischen Herrschern: Johannes VI. Kantakuzenos konnte sich so 1347 den Thron sichern; als Gegenleistung durften diese osmanischen Söldner byzantinische Besitzungen in Thrakien und Makedonien plündern, und die Tochter des Kaisers wurde mit Orhan verheiratet. Die Söldner schlugen ihre Lager auch auf der Halbinsel Gallipoli auf, um von dort aus die noch verbleibenden byzantinischen Besitzungen in Europa zu überfallen. Der Ausbau des osmanischen Fürstentums in ein großes Reich, das Südosteuropa, Anatolien und die arabische Welt umfasste, geschah zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert: Das Reich unter Murad I. und Bayazit I. (genannt: Yıldırım) erstreckte sich von der Donau bis zum Euphrat. Murads größter militärischer Erfolg war der Sieg in der Schlacht auf dem Amselfeld im Kosovo (1389), in der er die vereinigten Heere der Balkanvölker von Serbien, Bosnien und Bulgarien schlug. Murad selbst fiel in der Schlacht, doch sein Sohn Bayazit führte die Armee zum Sieg und eroberte in den nächsten Jahren einen Großteil der turkmenischen Fürstentümer Anatoliens. Der Aufstieg der Osmanen zur führenden Macht in Anatolien stellte eine Bedrohung für das Interessengebiet des Mongolenherrschers Tamerlan (Timur-i Läng) dar, der kurze Zeit zuvor große Teile des heutigen Iran sowie Zentralasiens erobert hatte. Tamerlan griff 1402 die Osmanen in Anatolien an und besiegte Bayazit. Bayazits Enkel, Murad II., setzte in Serbien und Bulgarien osmanische Verwaltungsbeamte ein und sicherte somit die osmanische Vorherrschaft in Europa bis zur Donau. Sein Sohn Mohammed II. setzte diese Politik fort und besiegte die letzten noch freien christlichen Fürstentümer südlich der Donau. Seine Eroberungen erreichten ihren Höhepunkt in der Einnahme von Konstantinopel (1453) sowie in der Unterwerfung Anatoliens bis hin zum Euphrat. Bayazit II. beendete die Eroberungspolitik zugunsten einer Festigung der Teile des Reiches, die von seinen Vorgängern besetzt worden waren. Selim I. benutzte dagegen die ihm überlassenen territorialen und verwaltungsmäßigen Machtgrundlagen, um das Mameluckenreich in Ägypten zu zerstören (1517); außerdem eroberte er Syrien, Palästina und Arabien in einem einzigen Feldzug und gliederte so das Kernland der alten islamischen Kalifate dem Osmanischen Reich an. Süleiman II., der Prächtige, setzte die Expansion fort: Er überschritt die Donau, eroberte Ungarn und belagerte 1529 Wien; im Osten eroberte er den Rest Anatoliens sowie das alte Zentrum der Abbasiden und Seldschuken im Irak.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann in einer Reihe von Kriegen, den Türkenkriegen und in den Russisch-Türkischen Kriegen, in denen das Osmanische Reich besiegt werden konnte, der allmähliche Niedergang des Reiches (der so genannten orientalischen Frage), der erst mit dem Ende des 1. Weltkrieges seinen Abschluss finden sollte. Nach der zweiten vergeblichen Belagerung Wiens im Jahr 1683 traten die Osmanen den Rückzug vom Balkan an. 1699 im Vertrag von Karlowitz mussten sie auch Ungarn und Siebenbürgen aufgeben. Bis zum Frieden von Jassy (1792) hatten die Osmanen ihre Gebiete nördlich der Donau verloren und sich von der Krim und den Gebieten östlich vom Dnjestr bis Russland zurückgezogen. 1830 erklärte sich Griechenland für unabhängig, zwischen 1833 und 1839 eroberte Muhammad Ali, der ägyptische Vizekönig, Teile Anatoliens und das Sultanat konnte nur durch die europäischen Großmächte vor der Auflösung bewahrt werden. Im Berliner Vertrag von 1878 wurden Rumänien, Serbien und Montenegro unabhängig von der Türkei. Das Osmanische Reich stagnierte in fast allen gesellschaftlichen Bereichen. Die ersten Reformen des Reiches in Verwaltung, Armee, Bildungs- und Rechtswesen waren von Zentralisierungsbestrebungen der Tanzimat, einer Reformbewegung zwischen 1839 und 1876, und Liberalisierungstendenzen (mehr Rechte und Freiheiten für den Einzelnen; Gleichstellung von Muslimen und Nichtmuslimen) bestimmt. In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Reformen und eine Verfassung gefordert, die 1876 von Sultan Abd ül-Hamid II. verkündet, aber bereits 1878 zeitweilig (Auflösung des Parlaments) wieder aufgehoben wurde. Der Zerfall des Vielvölkerreiches konnte nicht mehr verhindert werden: Kreta, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien gingen verloren, bis 1885 wurden die osmanischen Besitzungen in Europa auf Makedonien, Albanien und Thrakien reduziert. Die Türkei musste auch auf die Herrschaftsansprüche in Nordafrika verzichten: Algerien wurde 1830 von Frankreich eingenommen und auch Tunesien fiel 1881 vom Osmanischen Reich ab; Großbritannien besetzte Ägypten (1882), und Italien annektierte Libyen (1912). Im Zuge der Balkankriege (1912-1913) verlor das Osmanische Reich außer Ostthrakien alle europäischen Gebiete. Inzwischen hatte sich eine neue politische Gruppierung von jungen türkischen Offizieren gebildet, das Komitee für Einheit und Fortschritt, das besonders unter den Armeeoffizieren auf dem Balkan zahlreiche Anhänger hatte. Die so genannten Jungtürken erreichten die Wiedereinsetzung der Verfassung. Mit einem Aufstand der makedonischen Truppen begann 1908 der Staatsstreich der Jungtürken, der mit dem Sturz des autokratischen Regimes des Sultans endete. Die Jungtürken forderten die Trennung von Staat und Religion, setzten Reformen in Handel, Bankwesen und Armee in Gang. Ab 1913 bildeten sie unter Enver Pascha eine Diktatur. Während des 1. Weltkrieges ließ die Regierung des Osmanischen Reichs mehrere hunderttausend Armenier in das östliche Anatolien deportieren. Bei den dabei vollzogenen Massakern kamen die meisten Armenier ums Leben. Internationale Organisationen wie der Europarat bewerteten dies als Genozid. Dies wurde von türkischen Regierungen zurückgewiesen, die die damaligen Regierungen des Osmanischen Reichs auch vom Vorwurf der Verantwortung für das Massensterben der armenischen Bevölkerung freisprachen. Als Ergebnis des 1. Weltkrieges zerfiel das Osmanische Reich, das auf der Seite der Mittelmächte stand, endgültig. Die Niederlage Deutschlands läutete das Ende ein. Zwischen 1917 und 1918 hatten die Briten mit ersten Offensiven im Irak und in Syrien begonnen. Als es 1918 zum Waffenstillstand von Mudros kam, hatte die Türkei bereits alle Gebiete mit Ausnahme von Anatolien verloren. Im Oktober 1918 trat das jungtürkische Kabinett zurück. Die Türkei war gezwungen, den Friedensvertrag von Sèvres (1920) zu unterzeichnen, durch den sie nicht nur die arabischen Provinzen aufgeben, sondern auch eine Teilung Anatoliens hinnehmen mussten. Seit 1919 hatte Mustafa Kemal Atatürk den nationalen Widerstand organisiert und 1922 die griechischen Truppen besiegt (siehe Griechisch-Türkische Kriege): Griechenland hatte in den Friedensverträgen von Neuilly (1919) und Sèvres u. a. Ostthrakien, die nordägäischen Inseln und das Gebiet um Smyrna (heute Izmir) als Völkerbundsmandat zugesprochen bekommen, und Italien hatte seine Ansprüche auf den Dodekanes an Griechenland abgetreten. Das Mandat militärisch durchzusetzen scheiterte; die Türken eroberten am 9. September 1922 Smyrna. Ein Jahr später trat die Republik der Türkei an seine Stelle. Im Frieden von Lausanne (1923) endete die dreitausendjährige Siedlungsgeschichte der Griechen in Kleinasien, das ebenso türkisch wurde wie Ostthrakien, die Inseln Tenedos und Imvros; der Dodekanes wurde wieder italienisch. 1,5 Millionen Griechen wurden nach Griechenland umgesiedelt, 500 000 Türken aus Griechenland in die Türkei.
Am 1. November 1922 war die osmanische Dynastie für beendet erklärt und das Reich aufgelöst worden. In den ersten 15 Jahren ihres Bestehens stand die türkische Republik unter der Führung von Atatürk und gründete sich auf sechs grundlegende Prinzipien, die in der Verfassung verankert waren: Republikanismus, basierend auf der Prämisse der Volkssouveränität; türkischer Nationalismus, der den Ruhm der türkischen Vergangenheit und das Bedürfnis der Türken nach einem eigenen, nach modernen Prinzipien und ohne Einmischung von außen geschaffenen Staat betonte; Populismus, der die Idee einer alle wirtschaftlichen und sozialen Interessen vertretenden Großen Nationalversammlung verkörpert; Säkularismus beziehungsweise Laizismus, der die vollständige Trennung von religiösen muslimischen Einrichtungen und Staatsgeschäften fordert; Etatismus, der für eine staatliche Lenkung der wichtigsten Wirtschaftssektoren sowie der übrigen Sektoren stand und eine schnelle wirtschaftliche Entwicklung zum Ziel hatte; und Revolutionismus, der vorschrieb, dass alle Umwälzungen sofort und in vollem Umfang durchgeführt werden müssen, damit die Entwicklung der modernen türkischen Gesellschaft so schnell wie möglich stattfinden könne. Die Jahre unter der Präsidentschaft Atatürks waren gekennzeichnet durch erheblichen wirtschaftlichen Fortschritt und eine allgemeine Entwicklung des Landes. Die Türkei konnte Strömungen, die Vergeltung forderten, verhindern und nahm enge diplomatische Beziehungen mit ihren ehemaligen Gebieten im Balkan auf. Gleichzeitig stellte sie auch ihre laizistische Politik in den Vordergrund und ging Bündnissen mit ihren muslimischen Nachbarstaaten im Osten aus dem Weg.
Atatürks Nachfolger im Präsidentenamt wurde 1938 sein enger Mitarbeiter İsmet İnönü, der die Innenpolitik von Atatürk fortsetzte. Während des gesamten 2. Weltkrieges verfolgte İnönü eine Politik der Neutralität. Erst im Februar 1945 erklärte die Türkei Deutschland und Japan den Krieg. Nach dem Krieg versuchte die Sowjetunion, die Türkei zu sowjetischem Einflussgebiet zu machen und forderte die Kontrolle über die Ostprovinzen der Türkei sowie über die Meerengen. Daraufhin akzeptierte die Türkei die von dem amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman angebotenen Unterstützungsmaßnahmen und ging enge militärische und wirtschaftliche Beziehungen mit den Vereinigten Staaten ein. 1952 trat die Türkei dem Nordatlantischen Verteidigungspakt (North Atlantic Treaty Organization; NATO) bei. İnönü leitete innenpolitisch zu dieser Zeit eine allgemeine Demokratisierung des Landes ein: u. a. wurden jetzt auch Oppositionsparteien zugelassen. Bei den Wahlen 1950 siegte die Demokratische Partei, die sich für eine stärkere Liberalisierung der Wirtschaft einsetzte. Unter Vorsitz von Präsident Celâl Bayar, in Verbindung mit Ministerpräsident Adnan Menderes und Außenminister Fuat Köprülü, war die Demokratische Partei von 1950 bis 1960 die führende politische Kraft der Türkei. In dieser Zeit erlebte die Wirtschaft des Landes einen raschen Aufschwung, aber auch starke soziale Spannungen. 1960 wurde die Regierung in einem unblutigen Militärputsch durch General Cemal Gürsel gestürzt. Menderes und einige andere Politiker wurden der Korruption beschuldigt, zum Tod verurteilt und 1961 gehängt. Die neue Verfassung orientierte sich an wirtschaftlichen und sozialen Vorstellungen anderer demokratischer Staaten. Die politischen Parteien hatten sich in zwei große Lager gespalten: in die Republikanische Volkspartei und die Gerechtigkeitspartei. Die Republikanische Volkspartei war unter ihrem Führer Bülent Ecevit sozialdemokratisch ausgerichtet, die Gerechtigkeitspartei unter Süleiman Demirel stand in der Tradition Atatürks. Daneben gab es noch mehrere kleinere (kommunistische und sozialistische, nationale und islamistische) Parteien. Auch die seit 1950 existierenden Gewerkschaften schlossen sich zu linken bzw. rechten Dachverbänden zusammen. Die Türk Iş vereinigte in sich rechtsorientierte Gewerkschafter, und im Bund Fortschrittlicher Gewerkschaften waren kommunistische und andere linke Arbeitnehmer organisiert. In der Mitte der sechziger Jahre übten beide Organisationen einen großen Einfluss auf viele gesellschaftliche Bereiche aus. Die Verfassung von 1961 erschwerte eine Mehrheitsbildung, und die politischen Auseinandersetzungen verlagerten sich mehr und mehr auf die Straße. In dieser Phase politischer Instabilität entwickelten sich rechts- wie linksgerichtete, zum Teil gewaltbereite Gruppen, die Terrorakte verübten. 1971 intervenierte das türkische Militär erneut, das aber bereits wieder 1972 eine zivile Regierung installierte. Die innenpolitischen Spannungen, vor allem aufgrund der schlechten Wirtschaftslage, nahmen aber nicht ab, sondern zu. Es wurde der nationale Notstand ausgerufen, und es kam zu brutalen Unterdrückungsmaßnahmen der staatlichen Sicherheitskräfte. Außenpolitisch war es 1974 zu einer größeren Krise gekommen, als die Türkei als Antwort auf einen von Griechenland inszenierten Putsch, bei dem sich Zypern zur selbständigen Republik erklärt hatte, das nördliche Drittel der Insel besetzte und eine Republik Nordzypern ausrief, die aber international nicht anerkannt wurde. Die Vereinigten Staaten stellten nach dem Einmarsch auf Zypern ihre militärische und wirtschaftliche Unterstützung für die Türkei ein, worauf wiederum die Türkei mit der vorübergehenden Schließung aller amerikanischen Stützpunkte im Land reagierte. Die türkischen Truppen blieben im Norden Zyperns stationiert; die Türkei unterstützte weiterhin eine türkisch-zypriotische Regierung.
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